Nigeria Scharia-Gericht verurteilt islamischen Geistlichen zum Tode

Erstmals hat ein Scharia-Gericht in Nigeria einen Angeklagten wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Auch neun Anhänger des Geistlichen Abdulaziz Dauda sollen gehängt werden.


Der islamische Geistliche Abdulaziz Dauda soll den Propheten Mohammed beleidigt haben. Deshalb hat ihn ein Scharia-Gericht in Kano in Nordnigeria zum Tode verurteilt.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass Dauda, der auch als Abdul Inyass bekannt ist, bei einer Kundgebung im Juli vergangenen Jahres Mohammed mit dem verstorbenen islamischen Geistlichen Scheich Ibrahim Niasse verglichen habe. "Niasse war größer als der Prophet Mohammed", habe Dauda laut Zeugen gesagt. Damit sei er der Blasphemie schuldig.

Neben Dauda wurden neun weitere Menschen zum Tod durch den Strang verurteilt. Sie sollen zu religiös motivierten Gewalttaten aufgerufen haben.

Der von Dauda verehrte Niasse hatte im 20. Jahrhundert den Tidschanija-Orden wiederbelebt, dessen Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Dabei handelt es sich um einen Sufi-Orden, eine spirituelle Strömung innerhalb des Islams. Dauda und die anderen Verurteilten gehören dem Orden an, der in Afrika und dem Nahen Osten Millionen Mitglieder zählt.

Die Provinz Kano ist eine Hochburg der islamistischen Terrororganisation Boko Haram. Seit Ende der Militärdiktatur in Nigeria 1999 gibt es dort Scharia-Gerichte, die parallel neben säkularen Gerichten existieren.

Aus Sicherheitsgründen tagte das Gericht geheim. Der Prozess dauerte neun Monate. Es ist das erste Mal, dass ein islamisches Gericht in Nigeria die Todesstrafe wegen Blasphemie verhängte. Die Verurteilten haben nun noch die Möglichkeit vor dem Obersten Gericht gegen die Todesstrafe vorzugehen.

syd/AP

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