Nigeria US-Spezialteam beginnt Suche nach verschleppten Mädchen

#bringbackourgirls: Die Internet-Kampagne für die in Nigera entführten Schülerinnen erhält weltweit Zulauf. Doch wegen einer Foto-Panne regt sich jetzt auch Kritik. Derweil entsenden die USA ein Spezialteam, um bei der Befreiung der Mädchen zu helfen.

Nigerianische Polizei an der Schule in Chibok: Kritik an Suchkampagne
AFP

Nigerianische Polizei an der Schule in Chibok: Kritik an Suchkampagne


Berlin - Die USA verstärken ihre Hilfe bei der Suche nach mehr als 200 verschleppten Mädchen in Nigeria. Mitglieder eines Spezialteams würden derzeit im afrikanischen Land eintreffen, hieß es von Seiten der US-Regierung. Bislang war vor allem von Unterstützung auf geheimdienstlicher Ebene die Rede gewesen.

Dem entsandten US-Team gehören nach offiziellen Angaben unter anderem Spezialisten der Bundespolizei FBI und des Militärs an. 15 bis 20 Soldaten kämen aus Stuttgart, sagte eine Sprecherin von Außenminister John Kerry. Die Suche sei "eine sehr große Herausforderung". Der stellvertretende Sprecher von US-Präsident Barack Obama, John Earnest, sagte, bei den Amerikanern handele es sich zumeist um Berater. "Wir denken derzeit nicht über eine aktive militärische Operation nach."

Die mehr als 200 Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren waren vor über drei Wochen aus einer Schule im nördlichen Bundesstaat Borno verschleppt worden. Trotz intensiver Suche fehlt von ihnen jede Spur. Zu der Tat bekannte sich Boko Haram.

"Die gesamte Welt sollte diese Schandtat verdammen"

Die Terrorgruppe kündigte an, die Geiseln als Sklavinnen verkaufen zu wollen. Die USA stufen die Gruppe seit Ende vergangenen Jahres als Terroristenorganisation ein. Das Außenministerium in Washington geht davon aus, dass Boko Haram die Schülerinnen bereits in kleine Gruppen aufgeteilt und außer Landes gebracht habe, sagte eine Sprecherin.

Die Verschleppung wühlt die internationale Gemeinschaft auf. "Die gesamte Welt sollte diese Schandtat nicht nur verdammen, sondern alles nur Mögliche tun, um Nigeria in den nächsten Tagen zu helfen", sagte US-Außenminister Kerry. Die USA würden alles tun, damit die verschleppten Mädchen wieder zu ihren Familien zurück können. "Wir tun zugleich alles Mögliche, um der Gefahr von Boko Haram zu begegnen."

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

Neben den USA und Großbritannien boten weitere Länder Nigeria Hilfe an, darunter Frankreich, China und Kanada. Die Regierung des westafrikanischen Landes wirkt völlig machtlos im Kampf gegen die Extremisten, die im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten wollen und immer wieder blutige Anschläge verüben.

Auch die Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck haben die Gewalt der Terrororganisation Boko Haram in Nigeria scharf verurteilt. "Die Bundesregierung ist entsetzt über das Ausmaß des Terrors", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Das sind barbarische Akte über Gebühr jeglicher Moralvorstellungen, die wir aufs Allerschärfste verurteilen."

Foto-Panne in Solidaritäts-Bewegung

Gauck äußerte in einem Kondolenzschreiben an Präsident Goodluck Jonathan seine tiefe Bestürzung über die Geiselnahme und die Anschläge. Diese Nachrichten hätten ihn zutiefst schockiert.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.


Im Internet hat das Schicksal der Mädchen eine massive Solidaritäts-Kampagne ausgelöst. Unter dem Hashtag #bringbackourgirls haben sich Prominente und Politiker den Protesten angeschlossen, darunter die First Lady der USA, Michelle Obama. Auch in Deutschland ist die Bewegung inzwischen angekommen, einige Bundestagsabgeordnete haben auf Twitter Fotos von sich gepostet.

Ganz reibungslos verläuft die Kampagne allerdings nicht. Etliche Prominente, darunter Rapper Chris Brown, twitterten im Rahmen des Protests auch Porträt-Fotos von Mädchen, die zu den Verschleppten gehören sollten. Jetzt stellt sich heraus: Bei den Fotografierten handelt es sich um Mädchen aus Guinea-Bissau. Mit den Verschleppungen haben sie nichts zu tun. Die "New York Times" hat mit dem Fotografen, der die Bilder schon vor einigen Jahren machte, gesprochen.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

vme/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.