Trump macht Haley zur Uno-Botschafterin Ein Hoffnungsschimmer

Nikki Haley hat Donald Trump lange bekämpft, jetzt macht der Milliardär die Gouverneurin von South Carolina zur Uno-Botschafterin. Aus mehreren Gründen ist das eine gute Wahl.

Nikki Haley
REUTERS

Nikki Haley

Von , Washington


Im Vorwahlkampf der Republikaner machte Nikki Haley aus ihrer Kritik an Donald Trump kein Geheimnis. Die Gouverneurin von South Carolina warf dem Milliardär in der Einwanderungspolitik "unverantwortliches Gerede" vor. Sie warnte die Republikaner davor, sich mit jemanden zu verbrüdern, der sich nicht klar vom Ku-Klux-Klan distanziere. Und um aller Welt zu zeigen, wie wenig sie mit dem Baulöwen anfangen kann, schlug sie sich auf die Seite von Trumps Rivalen Marco Rubio.

Jetzt ist Trump neuer Präsident. Und Haley, 44, wird seine Uno-Botschafterin.

Es ist eine erstaunliche Wendung im Verhältnis der beiden Republikaner und doch ist es eine aus Sicht des 70-Jährigen stimmige Personalie, aus mehreren Gründen. Haley ist eine prominente und ambitionierte Figur in der Republikanischen Partei. Dass er ihr - und nicht etwa einem loyalen Ideologen - den Posten gibt, zeigt, dass er das Amt des Uno-Botschafters für wichtig hält und sein Verhältnis zu den Vereinten Nationen möglicherweise doch pragmatischer sein könnte, als gemeinhin gedacht.

Viele Beobachter haben da ja die schlimmsten Befürchtungen. Im Wahlkampf machte der Milliardär regelmäßig klar, wie wenig er von der Uno hält. Er schlug vor, die USA aus Programmen der Vereinten Nationen zurückzuziehen und die Gelder lieber für den Bau von Autobahnen und Brücken zu verwenden. Er kündigte an, das Klimaschutzabkommen zu kündigen. Schwach, inkompetent, zu bürokratisch - das war seine Uno-Lesart. "Die Vereinten Nationen sind kein Freund von Demokratie, kein Freund von Frieden und nicht einmal ein Freund der USA", schimpfte Trump im vergangenen März.

Haltung im Fahnen-Streit

Haley hat - das dürfte ihr jetzt vorgehalten werden -, wenig Erfahrung in der Außenpolitik. Aber sie ist in den vergangenen Monaten als rationale Republikanerin aufgetreten, die die Partei immer wieder dazu ermahnte, sich auf den demografischen und kulturellen Wandel in Amerika einzustellen.

Als Gouverneurin im politisch nicht immer einfach zu steuernden South Carolina hat sie sich eine Reputation als prinzipienfeste Regierungschefin erarbeitet. In besonderer Erinnerung ist vielen Amerikanern ihr Auftritt nach dem Massaker auf eine schwarze Kirchengemeinde in Charleston im Juni 2015. Gegen massive Widerstände und inmitten aufflammender Unruhen setzte sie damals durch, die Konföderierten-Flagge vom Parlamentsgebäude South Carolinas zu entfernen. Das war ein wichtiger symbolischer Schritt gegen Rassenhass und die historische Verklärung der Abspaltung der Südstaaten.

Dass Haley sich Trump und seiner Weltsicht lange entgegenstellte, gibt Anlass zur Hoffnung dafür, dass sie auch als Uno-Botschafterin einen selbstbewussten Kurs fahren wird. Sie wird, so viel ist klar, in der Regierung eine wichtige Stimme sein.

Ihre Liste für die kommenden Jahre ist lang: Haley muss den Kurs der Amerikaner gegenüber Russland mitbestimmen. Die Kriege in Syrien und im Jemen harren einer Lösung, wenigstens in Ansätzen. Trump träumt von einer isolationistischeren US-Außenpolitik, Haley könnte, wenn man so will, seine Brücke zum Rest der Welt werden. Jedenfalls dann, wenn der Präsident ihr die nötigen Freiräume gibt. Viel wird davon abhängen, wen er zum Außenminister macht. Mitt Romney etwa wäre jemand, mit dem Haley wohl gut arbeiten könnte. Im Wahlkampf 2012 war sie eine seiner Fürsprecherinnen.

Das Amt ist eine große Chance

Die Personalie Haley ist auch mit Blick auf die Zukunft der Republikaner ein interessantes Zeichen. Die Nochgouverneurin ist mit ihrer Biografie sehr wertvoll für die Partei. Sie ist die Tochter von indischen Einwanderern, als Teenagerin arbeitete sie lange im Bekleidungsgeschäft ihrer Eltern. Politisiert wurde sie, welch Ironie, durch eine Rede von Hillary Clinton an einer lokalen Universität hörte. "Sie hat gesagt, dass viele einem sagten, man würde es nicht schaffen. Ich bin aus der Rede rausgegangen und habe gedacht: Ich muss das machen", erzählte Haley 2012 der "Vogue".

Seit ihrer Wiederwahl als Gouverneurin 2014 wird Haley von vielen Republikanern als große Nachwuchshoffnung, ja gar als die Zukunft der Partei beschrieben. Wie sich die Partei unter Trump ordnet, ist noch völlig unklar. Aber für Haley ist das neue Amt eine große Chance.

Wenn es um Trumps Nachfolge geht, dürfte ihr Name rasch genannt werden.

REUTERS
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
instant feedback 23.11.2016
1.
Auch die Erziehungsministerin wird eine Frau, Betsy Devos. Minister für das Wohnungswesen soll der schwarze Chirurg Ben Carson werden. Die Meldung von vorgestern, Trump stelle nur "alte, weiße Männer" ein, war also falsch.
micromiller 23.11.2016
2. Trump versucht seinen Vorsatz
zu realisieren, fast alles anders machen zu wollen als die auslaufende Adminstration, gut ist auch, dass er eine jüngere, fähige Frau in das Amt stellt, die ihre eigene Meinung hat.
Atheist_Crusader 23.11.2016
3.
"Dass er ihr - und nicht etwa einem loyalen Ideologen - den Posten gibt, zeigt, dass er das Amt des Uno-Botschafters für wichtig hält und sein Verhältnis zu den Vereinten Nationen möglicherweise doch pragmatischer sein könnte, als gemeinhin gedacht." KANN man so sehen. Aber wenn man seine allgemeine Begeisterung für Diplomatie und internationale Verpflichtungen sowie seinen isolationistischen Kurs so betrachtet, könnte sie auch einfach mit einem für ihn unbedeutenden Posten abgespeist worden sein. Ist aber zugegebenermaßen noch zu früh um das genau zu sagen. Fakt ist nur: Trump muss mit den Republikanern arbeiten. Zu weiten Teilen von Obamas Amtszeit hatten sie die Mehrheit in Kongress und Senat und konnten ihm jede Menge Knüppel zwischen die Beine werfen (so z.B. bei dem strengeren Waffenrecht oder der Schließung von Guantanamo). Gegen einen Parteigenossen würden sie sich zwar nicht so leicht wenden, aber wenn Trump nicht ganz bescheuert ist, wird er das nicht riskieren und ab und an auch mal die Partei bauchpinseln. Von daher wird das sicher nicht die letzte Person sein, mit der sich Trump im Wahlkampf gefetzt hat aber die er jetzt nach oben hievt.
bmvjr 24.11.2016
4. Interessante Auslese
Ein Praesident ist so gut wie die Berater und engsten Mitarbeiter, die er um sich versammelt. Wer da Auswahlen trifft, die eine Truppe an Ja-Sagern verhindert, ist auf dem richtigen Weg. Ehemalige Kontrahenten koennen da eine wertvolle Bereicherung sein und dazu beitragen dass politische Entscheidungen sinnvoll und ausgewogen ausfallen.
doc_snyeder 24.11.2016
5. Mit ihrer Biographie sehr wertvoll für die Partei
Schreibt der Autor. Und begründet das so. " Sie ist die Tochter von indischen Einwanderern, als Teenagerin arbeitete sie lange im Bekleidungsgeschäft ihrer Eltern." - Irgendwie kommt man hier aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wieso ist die Biographie der Tochter indischer Einwanderer, die lange im Bekleidungsgeschäft ihrer Eltern arbeitete, sehr wertvoll? - Ist die Biographie von Töchtern europäischer Einwanderer, die als Teenagerinnen nicht lange oder gar nicht in Bekleidungsgeschäften ihrer Eltern arbeiteten, vielleicht weniger oder gar nicht wertvoll? - Was geht eigentlich im Kopfe dieses Autors vor?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.