Limassol - Machtwechsel auf Zypern: Der konservative Politiker Nikos Anastasiades wird neuer Präsident der von der Staatspleite bedrohten Mittelmeerinsel. Nach Auszählung nahezu aller Stimmen erhielt Anastasiades 57,5 Prozent. Sein Gegenkandidat, der linke Politiker Stavros Malas, kam auf 42,5 Prozent. Dies teilte das zyprische Innenministerium nach der Stichwahl am Sonntagabend mit.
Anastasiades war als Favorit ins Rennen gegangen. Er befürwortet schnelle Umschuldungsverhandlungen mit den internationalen Gläubigern der Inselrepublik im Mittelmeer. Im ersten Durchgang hatte er die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt. Das hochverschuldete Euro-Mitgliedsland Zypern ist von der Staatspleite bedroht.
Auf den 66-jährigen Anastasiades kommt die Aufgabe zu, mit den Geldgebern von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Bedingungen für ein milliardenschweres Hilfspaket auszuhandeln. Der scheidende Staatschef Demetris Christofias von der Kommunistischen Partei war nicht noch einmal angetreten.
Schicksalswahl für Zypern
Wegen der finanziell prekären Lage Zyperns galt das Votum inmitten der Schuldenkrise als Schicksalswahl. Wahlberechtigt waren gut eine halbe Million griechische Zyprer, von denen jedoch viele die Abstimmung boykottierten.
In den Zeitungsberichten wurde ein düsteres Bild der Perspektiven des Wahlsiegers gezeichnet. Ein Kommentator sah den neuen Präsidenten auf dem Weg nach Golgatha, wo Jesus Christus gemäß der biblischen Überlieferung gekreuzigt wurde.
Sie habe das kleinere von zwei Übeln gewählt, sagte eine junge Frau nach der Stimmabgabe für Anastasiades. Die Finanzkrise habe den Zyprern Schaden zugefügt, und mehr Lasten könnten die Menschen nicht schultern.
Anastasiades erklärte nach der Stimmabgabe, die Insel befinde sich "an einem Scheideweg". "Wir müssen uns sofort mit der Finanzkrise befassen", sagte der konservative Politiker Reportern in Nikosia. Für viele EU-Regierungen bringt der Machtwechsel neue Hoffnung, weil sich Gespräche mit Amtsvorgänger Christofias in den vergangenen Monaten als schwierig gestaltet hatten: Der Kommunist lehnte Privatisierungen als Gegenleistung für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM prinzipiell ab.
Anastasiades Herausforderer Stavros Malas, der ebenfalls gegen Privatisierungen und die Verschlankung des Staates ist, hatte sich vor einer Woche mit 26,9 Prozent als Zweitplatzierter überraschend für die Stichwahl qualifiziert. Hinter Malas steht vor allem die Aufbaupartei des werktätigen Volkes (AKEL), die kommunistische Wurzeln hat.
Angst vor Sparprogramm-Elend
Viele Zyprer befürchten, dass sie bei einem harten Sparprogramm verarmen werden und man künftig auch auf der Insel Elendsszenen wie im benachbarten Griechenland sehen wird. Die Krise in Griechenland hatte auch Zyperns Banken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zyperns Geldinstitute sind eng mit dem griechischen Bankensystem verbunden und wurden in den Strudel der Griechenland-Krise gerissen, als 2012 der Schuldenschnitt für den privaten Sektor umgesetzt wurde.
Anastasiades will Zypern wieder auf Kurs bringen. Zu lange habe Christofias, der noch bis zum 28. Februar amtierende Präsident, mit Konsolidierungsmaßnahmen gezögert und die Insel an den Abgrund des Staatsbankrotts gebracht, betonte Anastasiades. Der Jurist will die proeuropäische Tradition seiner Partei, der Demokratischen Gesamtbewegung (DISY), fortsetzen.
Anastasiades gehört seit 1981 dem Parlament an und wurde 1997 an die Spitze seiner Partei gewählt. Ein charismatischer Führer ist er nicht, Anastasiades wirkt eher zurückhaltend und reserviert, ist ein analytischer Kopf, der nicht auf Konfrontation aus ist. Großen Wert legt der zweifache Vater auf die Familie. Immer wieder tritt er zusammen mit seinen Enkelkindern auf.
Er kann aber auch anders: Wenn er sich in seiner Partei durchsetzen will, dann verwandelt er sich schlagartig. Sein Spitzname lautet "der Wolf", weil er gelegentlich explosiv reagiert. Und manchmal schimpft er sogar ungewöhnlich heftig.
Seine durchsetzungsstarke Seite wird er wohl nun häufig zeigen müssen: Anastasiades macht keinen Hehl daraus, dass seine Regierung jetzt schnell handeln muss. An die Adresse von Brüssel und Berlin versicherte er, Zypern werde alle notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Finanzen treffen.
sto/dpa/Reuters/AFP
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