Konflikt mit Mazedonien Griechenlands Außenminister tritt wegen Namensstreit zurück

Wegen eines Disputs über den Landesnamen "Mazedonien" hat Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias sein Amt zur Verfügung gestellt. Offenbar fühlte er sich von Ministerpräsident Tsipras nicht ausreichend unterstützt.

Nikos Kotzias
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Nikos Kotzias


Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras wird in der kommenden Zeit auch die Aufgaben des Außenministers übernehmen. Das teilte sein Büro mit. Kurz zuvor hatte der griechische Außenminister Nikos Kotzias seinen Rücktritt erklärt.

Auslöser für den Rücktritt ist offenbar ein Streit im Kabinett über den Landesnamen "Mazedonien". Kotzias lieferte sich nach griechischen Medienangaben einen Schlagabtausch mit dem rechtspopulistischen Verteidigungsminister Panos Kammenos wegen der Vereinbarung zwischen Athen und Skopje zur Beilegung des Streits um den Namen Mazedonien.

Demnach warf Kotzias dem Verteidigungsminister vor, die Abmachung zu unterhöhlen. Der bisherige Außenminister galt als Architekt der Vereinbarung. Doch Rechtspopulist Kammenos lehnt die vereinbarte Umbenennung Mazedoniens ab. Er angelt systematisch in nationalistischen Gewässern und will auf jeden Fall verhindern, dass der Nachbarstaat in irgendeiner Form den Namen Mazedonien trägt.

Weil Kotzias in dem Streit dann offenbar nicht genügend Unterstützung von Tsipras erhielt, entschloss er sich zum Rücktritt, berichtete die Athener Presse unter Berufung auf Kreise des Außenministeriums.

Nach Jahrzehnten hatten sich die beiden Nachbarn auf eine Regelung in dem Namensdisput geeinigt. Das mazedonische Parlament debattiert derzeit über die Umbenennung in "Republik Nordmazedonien". Auch das Parlament in Athen muss dem zustimmen.

Der Namensstreit schwelt, seit Mazedonien 1991 als ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens unabhängig wurde. Griechenland lehnt den Landesnamen Mazedonien ab, weil seine im Norden liegende Provinz ebenfalls so heißt.

Athen befürchtet bislang spätere Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn und blockierte daher bisher eine Aufnahme der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik in die EU und die Nato. Als Uno-Mitglied firmiert das Land bislang unter dem Namen Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM).

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Bei einem nicht bindenden Referendum Ende September stimmten mehr als 90 Prozent der Bürger in Mazedonien für die Umbenennung, allerdings nahmen nur ein Drittel der Stimmberechtigten teil.

mho/dpa

insgesamt 23 Beiträge
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uboot84 17.10.2018
1. Eigentlich
hat Griechenland ja andere Probleme als so einen nationalistisch geschwängerten Namensstreit.
meresi 17.10.2018
2. An Lächerlichkeit
nicht mehr zu überbieten. Hey Jungs, ganz einfach, das Land mit Anspruch auf den Namen Mazedonien soll den Namen bekommen, das flächenmäßig größer ist. Und gut ist ihr Wichtln. Aber gut, wenn ihr das nicht wollt dann hackt euch gegenseitig nieder wg eines Namens. Uns fehlt ganz dringend ein weiterer sinnloser Krieg in dieser Ecke. Ja, Sarkasmus, für jene die es sonst nicht checken würden...
WolfThieme 17.10.2018
3. Streit um Kaisers Bart
Meine Güte, ihr Griechen, habt ihr wirklich keine anderen Sorgen? Wie wäre es mit der Einführung eines Katasteramtes für die Erfassung von Grundstücken? Einer funktionierenden Steuerfahndung? Besseren Retsina?
medienskeptiker 17.10.2018
4. Das Referendum in Mazedonien ist gescheitet
Es war ohnehin eine grenzenlose Frechheit weil gleich 3 Fragen in EINEM Referendum beinhaltet waren. Namensänderung, EU beitritt und NATO Beitritt Es sit ein Skandal was USA,NATO und EU Politik da an blanker Machtpolitik in Mazedonien (und wohl auch in Griechenland) abziehen.
mk637 17.10.2018
5. Spiegel Leser wussten früher mehr...
konnten bzw. intelligentere Beiträge liefern. Kontzias Rücktritt sollte gerade aus deutscher Sicht sehr bedauerlich sein. Hoffen wir dass der Nächste nicht nationalistischer drauf ist. Denn gerad in diesem Land sollte man wissen, dass ein gedemütigtes Land ein Gefährliches ist.
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