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Norwegen: Friedensnobelpreis geht an Dialoggruppe in Tunesien

REUTERS

Überraschung in Oslo: Der Friedensnobelpreis 2015 geht nicht an Angela Merkel - sondern an eine Dialoggruppe für ihren Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft in Tunesien.

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land vergeben, hieß es in der Begründung.

Die Vermittlergruppe habe einen "alternativen friedlichen Prozess" angestoßen, "zu einer Zeit als das Land am Rande eines Bürgerkriegs stand", sagte die Vorsitzende des Komitees Kaci Kullmann Five. Man hoffe, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde, hieß es. Der Preis solle aber auch "Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen".

Das Quartett wurde 2013 in Zeiten sozialer Unruhen und Mordanschläge in Tunesien gebildet, als der Prozess der Demokratisierung zu scheitern drohte. Zu den Vermittlern gehörten die Gewerkschaft UGTT, der Verband von Industrie, Handel und Handwerk (UTICA), die Liga für Menschenrechte (LTDH) und der Nationale Anwaltsverein.

"Diese Organisationen vertreten unterschiedliche Bereiche und Werte der tunesischen Gesellschaft", begründete das Komitee seine Entscheidung. Damit spiele das Quartett eine Rolle als Mediator für eine demokratische Entwicklung in Tunesien. In dem Land liege jedoch auch der Ursprung des arabischen Frühlings. Die Bewegung setzte sich in umliegenden Ländern fort. "In vielen dieser Länder habe der Kampf um Demokratie Rückschläge erlitten", hieß es.

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Rückblick: Die Träger des Friedensnobelpreises
Damit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die wichtige politische Auszeichnung nicht bekommen. Sie war zuvor von dem Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Kristian Berg Harpviken, als Favoritin gesehen worden. Die Kanzlerin habe in der Flüchtlingskrise "moralische Führungsstärke" gezeigt und der Diskussion in Europa dadurch einen völlig neuen Dreh gegeben, sagte Harpviken. Ein gemeinsames, europäisches Vorgehen in der Flüchtlingskrise sei ohne sie undenkbar.

Vorgeschlagen waren in diesem Jahr laut dem Komitee 227 Personen und 49 Organisationen. Im vergangenen Jahr hatten sich die erst 17 Jahre alte Malala Yousafzai aus Pakistan und der Inder Kailash Satyarthi den Preis für ihren Kampf für Kinderrechte geteilt.

Der Friedensnobelpreis ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert und wird - anders als die anderen Nobelpreise - nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekannt gegeben. Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

vek/dpa/Reuters

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insgesamt 163 Beiträge
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1. Na ...
fridericus1 09.10.2015
... GOTT - SEI - DANK! Der Elch ist an uns vorübergegangen!
2. Klasse
banalitäter 09.10.2015
Das war wohl die richtige Wahl . Frau Merkel hat den Preis noch nicht verdient .
3. Die friedensstiftenden Aktivitäten sind von der Realität überholt
NETSUBJEKT 09.10.2015
Das "Quartett für den nationalen Dialog" liegt schon im Streit mit der Regierung Ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Begründung für den Preis überholt ist, da es unter den beteiligten Gruppen inzwischen und wie üblich in diesen Regionen recht schnell zu teils aggressiven politischen Uneinigkeiten gekommen ist. Vielleicht sollte der Preis zur Abwechslung mal an ein Friedenswerk gegeben wird, das vollendet wurde. Und nicht bloß an Utopisten.
4. Ausgezeichnete Entscheidung,
tertialtulip 09.10.2015
von wegen Merkel Favoritin, Hochmut kommt vor dem Fall.
5. Was bin ich erleichtert!
FrischFrosch 09.10.2015
nach den Fehlleistungen mit Obama und der EU hätte ich der Komission noch einiges mehr zugetraut...
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Nobelpreis: Merkel und die Konkurrenz

Fläche: 163.610 km²

Bevölkerung: 10,983 Mio.

Hauptstadt: Tunis

Staatsoberhaupt:
Beji Caid Essebsi

Regierungschef: Habib Essid (seit Februar 2015)

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