Ost-West-Dialog Tauwetter in Korea und Kalifornien

Die beiden Treffen haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Und doch könnten sie wichtige Wegmarken im internationalen Dialog sein. In der Grenzstadt Panmunjom verhandeln Nord- und Südkorea über eine Annäherung, nahe Los Angeles US-Präsident Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi.

Handshake an der Grenze: Die Unterhändler von Nord und Südkorea
AFP

Handshake an der Grenze: Die Unterhändler von Nord und Südkorea


Paju/Washington/Peking - Die Bedeutung des Treffens reicht weit über die Grenze der verfeindeten Bruderstaaten hinaus.

Während sich US-Präsident Barack Obama und Xi Jingping auf dem noblen Anwesen Sunnylands knapp 200 Kilometer östlich von Los Angeles trafen, führten koreanischen Delegationen erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder direkte Gespräche miteinander. Vertreter beider Seiten trafen sich am Sonntag in Panmunjom, jenem Ort, an dem vor 60 Jahren der Korea-Krieg mit einem Waffenstillstandsabkommen endete. Dabei sei es um die Vorbereitung eines Treffens auf Ministerebene gegangen, das am Mittwoch stattfinden soll, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung.

Bei den Verhandlungen soll es unter anderem auch um die Wiederaufnahme gemeinsamer Wirtschaftsprojekte und die Zusammenführung von Familien gehen, die durch den Krieg getrennt wurden. Nordkorea hatte die Gespräche am Donnerstag überraschend vorgeschlagen. Als weiteres Signal der Entspannung reaktivierte das abgeschottete Land am Freitag eine wichtige Telefonverbindung in den Süden.

Die Ankündigung dürfte beim Gipfel in Kalifornien Zufriedenheit ausgelöst haben. Beide Weltmächte versuchen, Konflikte zu lösen - und dazu gehört auch das Spannungsfeld Korea. In Kalifornien übten Xi und Obama jetzt demonstrativ den Schulterschluss: China und die USA hätten eine Menge gemeinsamer Interessen, von der Förderung des heimischen und globalen Wirtschaftswachstums bis hin zur Bewältigung internationaler und regionaler Krisen, sagte Xi. Gemeinsam mit Obama forderte er, dass Nordkorea seine Nuklearwaffen aufgeben müsse.

Xi verkündete gut 40 Jahre nach Beginn der diplomatischen Annäherung beider Staaten einen "neuen geschichtlichen Ausgangspunkt". Der Gipfel verlaufe "hervorragend", sagte Obama am Samstag auf Nachfrage eines Reporters. Beim abschließenden Gespräch am Samstag standen vor allem ökonomische Themen auf der Tagesordnung. Aber die Weltmächte wollen künftig auch auf anderen Gebieten besser kooperieren - unter anderem beim Kampf gegen den Klimawandel oder beim Streitthema Cybersicherheit.

Für "zwei der größten Wirtschafts- und Militärmächte der Welt ist es wichtig, dass China und die Vereinigten Staaten zu einer Übereinkunft kommen, wie wir in diesen Themen zusammenarbeiten", sagte Obama. Die Amerikaner werfen Hackern aus China vor, gezielt Informationen und Technologien aus den USA zu stehlen. Pentagon-Chef Chuck Hagel hatte das Vorgehen als sehr besorgniserregend bezeichnet. Für das Weiße Haus steht das Thema "im Zentrum" der Diskusion zwischen den beiden Mächten.

Einigung beim Klimaschutz

Die Einigung zu gemeinsamen Schritten für den Klimaschutz zielt darauf ab, zusammen mit anderen Ländern den Einsatz ozonschädigender Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) zunehmend einzuschränken. Basis solle das internationale Abkommen im kanadischen Montreal von 1987 sein.

Obama versicherte am Freitag, dass die USA den "steten friedlichen Aufstieg Chinas zu einer Weltmacht" begrüßten. "Tatsächlich liegt es im Interesse der Vereinigten Staaten, dass China auf seinem Weg zum Erfolg weiter vorankommt." Ein stabiles China in Wohlstand sei gut für die gesamte Welt.

Obama wies aber zum Auftakt des Treffens auch darauf hin, dass es "Bereiche von Spannungen" zwischen beiden Ländern gebe. "Aber es liegt sehr in unserem Interesse, dass wir zusammenarbeiten." Er räumte ein, dass sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt naturgemäß in einem Wettbewerb befänden - und mahnte zugleich an, dass sich Nationen an dieselben Regeln halten müssten. Die USA werfen China seit langem vor, sich im Handel unfaire Vorteile zu verschaffen.

Tiefer Graben beim Thema Menschenrechte

Auch was die Menschenrechte betrifft, liegen beide Seite noch weiter auseinander. "Die Geschichte zeigt, dass die Verteidigung universeller Rechte am Ende der Schlüssel zu Erfolg, Wohlstand und Gerechtigkeit ist", sagte Obama. Doch es scheint, als habe man das Thema während des Treffens nur am Rande besprochen. Zu Zugeständnissen scheint Peking auf diesem Gebiet noch nicht bereit.

Der jüngste Beleg dafür ist das Urteil gegen den Schwager des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Ein Gericht schickte Liu am Sonntag für elf Jahre ins Gefängnis, weil er seinen Arbeitgeber bei einem Immobiliengeschäft betrogen haben soll. Freunde sprechen jedoch vielmehr von einer Vergeltungsaktion gegen die Familie. Liu Hui ist der Bruder von Liu Xia, der Frau des Nobelpreisträgers. Hintergrund sei die Verärgerung der Behörden über Besuche von Aktivisten und Journalisten bei seiner Schwester. Sie hatten sich Ende des Jahres an den Wachen vor ihrem Haus vorbeigeschlichen.

Trotz weltweiter Proteste hält China den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in einem Gefängnis in Nordostchina fest. Der heute 57-Jährige war 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wurde "Untergrabung der Staatsgewalt" angelastet. 2010 verlieh das Nobelkomitee dem Mitverfasser der "Charta 08" für Demokratie und Menschenrechte in China den Friedensnobelpreis.

mik/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gerixxx 09.06.2013
1. "Ost-West-Dialog".....
Zitat von sysopAFPDie beiden Treffen haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Und doch könnten sie wichtige Wegmarken im internationalen Dialog sein. In der Grenzstadt Panmunjom verhandeln Nord- und Südkorea über eine Annäherung, nahe Los Angeles US-Präsident Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nord-korea-und-sued-korea-verhandeln-in-panmunjom-a-904596.html
....was für eine dämlich-gestrige Überschrift - glaubt der Autor, damit sei unsere multipolare Welt von heute zu verstehen ?
batmanmk 09.06.2013
2. Wie oft denn noch
Zitat von sysopAFPDie beiden Treffen haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Und doch könnten sie wichtige Wegmarken im internationalen Dialog sein. In der Grenzstadt Panmunjom verhandeln Nord- und Südkorea über eine Annäherung, nahe Los Angeles US-Präsident Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nord-korea-und-sued-korea-verhandeln-in-panmunjom-a-904596.html
Dieses Geschwätz rund um den Friedensnobepreis und den damit wohl automatisch verbundnen Heiligenschein wider mich nur noch an: Als ob irgendeine privat finanzierte Institution der westlichen Hemispähre sich zur moralischen Superinstanz der Welt aufschwingen dürfte. Wenn man an Preisträger wie Kissinger, Arafat oder Obama denkt, muss man den gesunden Menschenverstand der Komiteemitglieder massiv in Frage stellen.
abc-xyz 09.06.2013
3. Kim Yong-Un frisst Kreide
Zitat von sysopAFPDie beiden Treffen haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Und doch könnten sie wichtige Wegmarken im internationalen Dialog sein. In der Grenzstadt Panmunjom verhandeln Nord- und Südkorea über eine Annäherung, nahe Los Angeles US-Präsident Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nord-korea-und-sued-korea-verhandeln-in-panmunjom-a-904596.html
"Plötzlich" will man in Nordkorea reden, "plötzlich" werden die einseitig gekappten Leitungen wieder verbunden, "plötzlich" will man das einseitig geschlossen Kaesong Industrial Park wieder eröffnen. Die Nordkoreaner haben jede Eskalationsstufe (außer den direkten Krieg) gezogen und sind jetzt wo gelandet? Genau, im Nirgendwo. Die Provokationen liefen voll ins Leere und jetzt will man wieder die Devisen des "bösen" Südens bzw. der USA. Hoffe, dass Seoul und Washington sich diesmal nicht einlullen lassen und Kaesong dauerhaft geschlossen lassen. War zwar auch nicht ein Verlustgeschäft doch schmerzt das Nordkorea während Südkorea auch anders seine Milliarden erwirtschaften kann.
derandersdenkende 09.06.2013
4. Süd- und Nordkorea nutzen die Zeit
Zitat von sysopAFPDie beiden Treffen haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Und doch könnten sie wichtige Wegmarken im internationalen Dialog sein. In der Grenzstadt Panmunjom verhandeln Nord- und Südkorea über eine Annäherung, nahe Los Angeles US-Präsident Obama und sein chinesischer Amtskollege Xi. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nord-korea-und-sued-korea-verhandeln-in-panmunjom-a-904596.html
der amerikanisch-chinesischen Gespräche um ihrerseits Gespräche zu führen. Es scheint niemand da zu sein, der diese behindert oder hintertreibt? Es scheint nur um ihre Interessen zu gehen und so sollte es auch sein! Hoffen wir das der Weltgendarm Nr.1 nicht unter Mißachtung der Interessen der Koreaner wieder zur Gegenattacke bläst!
joachim_m. 09.06.2013
5. optional
Von welchem tiefen Graben zwischen China und den USA in Bezug auf die Menschenrechte wird denn hier gesprochen? Die US-Todesschwadrone in Afganistan, Pakistan und anderswo sind auch nicht besser als die chinesische Praxis, Regimegegner in bestimmten Fällen zu töten und wo unterscheiden sich Guantanamo und chinesische Straflager im Kern? Von den geheimen Foltergefängnissen unter Bush in vielen Ländern ganz zu schweigen. Bevor Obama von Menschenrechte faselt, sollte er erst einmal selbst diese beachten und alle, die Menschenrechtsverletzungen in China (zu Recht!) brandmarken, werden sehr unglaubwürdig, wenn sie zu den US-Verbrechen schweigen; ach, ich vergaß, die USA sind ja die Guten - die dürfen natürlich Foltern, Morden und auch sonst die Menschenrechte nicht beachten, dient schließlich einer guten Sache, dem Schutz der Menschenrechte. Tut mir Leid, aber irgendwie erwarte ich mehr von einem guten Journalismus als nur irgendwelche Agenturmeldungen, die mit Propaganda gespickt ist, nachzuerzählen. Ein guter Journalist weist auch darauf hin, dass Obama selbst die Menschenrechte tagtäglich verletzt, deren Beachtung er von China einfordert, oder er lässt das Propagandathema gleich ganz raus!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.