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Nordirak: PKK berichtet von heftigen Gefechten mit türkischen Truppen

Die Türkei stößt bei ihrer Bodenoffensive gegen die PKK im Nordirak auf Widerstand. Die kurdischen Rebellen berichteten von heftigen Kämpfen mit den Soldaten. Die USA und Deutschland warnten vor einer weiteren Eskalation der Situation.

Ankara - Zu den Zusammenstößen kam es nach Angaben der PKK in den Zagros-Bergen, einer Grenzregion zwischen der Türkei, Iran und dem Irak. Bei den Zusammenstößen zwischen den türkischen Soldaten und Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei soll es demnach bereits erste Tote gegeben haben.

Türkische Panzer an der Grenze zum Nordirak: Die PKK leistet Widerstand
REUTERS

Türkische Panzer an der Grenze zum Nordirak: Die PKK leistet Widerstand

Die USA bestätigten die Berichte über die türkische Bodenoffensive im Nordirak - distanzierten sich gleichzeitig von ihrem engen Verbündeten in der Region. Der Einmarsch sei nicht die beste Nachricht, sagte Matthew Bryza, Staatssekretär im US-Außenministerium, heute in Brüssel.

Die Bodenoffensive gegen die kurdischen Rebellen bedeute eine neue Eskalationsstufe in dem Konflikt. Bryza betonte, dass die USA wie versprochen eng mit der türkischen Regierung zusammengearbeitet hätten, um eine Invasion zu verhindern. Die US-Geheimdienste liefern der Türkei Informationen über Stützpunkte der kurdischen PKK-Rebellen im Nordirak.

Auch die Bundesregierung warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Das erklärte Außenamtssprecher Martin Jäger in Berlin. Die Präsenz türkischer Truppen berge ein "nicht unerhebliches Destabilisierungsrisiko". Die deutsche Botschaft in Ankara bemühe sich derzeit um Kontakt zum dortigen nationalen Sicherheitsrat, berichtete er. Der Sprecher rief die türkische Regierung auf, sich in ihrem Kampf gegen Terror auf Schritte zu beschränken, die als Ultima Ratio zum Schutz der eigenen Bevölkerung notwendig seien. Die Einhaltung internationalen Rechts müsse Maßstab jeder Handlung sein.

Ankara wirft der autonomen kurdischen Regierung im Nordirak vor, nicht ausreichend gegen die PKK-Rebellen vorzugehen. Im Konflikt zwischen PKK und türkischer Armee sind seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet worden. Die Türkei, die EU und die USA stufen die PKK als terroristische Organisation ein.

Die türkische Armee gab unterdessen Details über den Umfang der Militäraktion bekannt: Es handele sich um zwei Brigaden, sagte ein hochrangiger Armeevertreter im Südosten der Türkei der Nachrichtenagentur Reuters. Weitere Tausende Soldaten stünden an der Grenze bereit und warteten auf einen Einsatz. Eine türkische Brigade hat bis zu 5000 Soldaten. Dem privaten Fernsehsender NTV zufolge sind die Soldaten rund zehn Kilometer in irakisches Territorium vorgedrungen.

Die Bodenoffensive werde beendet, "sobald die geplanten Ziele erreicht sind", hieß es heute in der Erklärung der türkischen Streitkräfte. Mit dem von der Luftwaffe unterstützten Einsatz solle verhindert werden, dass der Nordirak zu einem Rückzugsgebiet für Terroristen werde. Man werde darauf achten, keine Zivilpersonen in Mitleidenschaft zu ziehen. Die türkische Luftwaffe hatte bereits gestern mutmaßliche Lager der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak beschossen.

Nach Angaben des türkischen Präsidialbüros informierte Staatschef Gül seinen irakischen Kollegen am Donnerstagabend über die geplante Offensive. Gül habe Talabani zudem nach Ankara eingeladen. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari wies Berichte über die Bodenoffensive am Freitag zurück. "Bis jetzt haben wir keine türkischen Truppen die Grenze überschreiten sehen", sagte er in Bagdad. Zugleich bestätigte Sebari türkische Luftangriffe und Artilleriefeuer im Nordirak.

Die irakischen Grenztruppen berichteten, mehrere kurdische Dörfer seien beschossen worden. Es handle sich um Ortschaften in der Gegend von Sedafan, rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt, sagte Oberst Hussein Tamer. Dschabbar Jawar von den irakisch-kurdischen Sicherheitskräften zufolge wurden Gebiete im Grenzgebiet bombardiert.

Laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Dogan wurde der Grenzübergang Habur geschlossen. Die US-Streitkräfte im Irak erklärten, sie seien darüber informiert worden, dass die Bodenoffensive zeitlich begrenzt und ausschließlich gegen kurdische Rebellen gerichtet sei.

Der türkische Außenminister Ali Babacan hatte Anfang der Woche erklärt, die Möglichkeit einer Bodenoffensive liege auf dem Tisch. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan brachen am Dienstag rund hundert Militärfahrzeuge von der Stadt Cizre in Richtung irakische Grenze auf.

Die Bodenoffensive der türkischen Truppen richtet sich gegen Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeitspartei PKK, die sich in das Nachbarland zurückgezogen haben und von dort aus Angriffe in der Türkei vorbereiten. Die PKK hat aus den Kurdengebieten im Irak mehrfach tödliche Angriffe auf türkische Truppen gestartet.

Die Türkei hat seit Herbst bis zu 100.000 Soldaten an der Grenze zum Irak zusammengezogen. Die Streitkräfte fliegen seit Mitte Dezember Luftangriffe gegen PKK-Stellungen in der Region, das Parlament hat eine grenzüberschreitende Offensive im Oktober gebilligt. Unter Druck der USA beschränkte die türkische Armee ihre Einsätze in den vergangenen Wochen aber auf kurze Vorstöße am Boden und aus der Luft.

anr/dpa/Reuters/AP/AFP

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