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Nordirak: USA sollen türkischen Luftangriff auf PKK unterstützt haben

Die Attacke türkischer Kampfflugzeuge auf PKK-Stellungen im Nordirak war kein Alleingang. Die USA sollen den Angriff nach Aussage eines türkischen Generals nicht nur genehmigt, sondern auch mit Geheimdienstinformationen unterstützt haben.

Bagdad/Ankara - Das US-Verteidigungsministerium gab sich wortkarg: kein Kommentar zu den Äußerungen des türkischen Generalstabschefs Yasar Büyükanit über die türkischen Luftangriffe auf PKK-Extremisten im Nordirak und die Rolle der USA. Nur so viel wollte ein Pentagon-Sprecher sagen: Die USA arbeiteten mit der Türkei im Kampf gegen die PKK zusammen. Dazu würden vor allem Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt.

Trümmerhaufen: Angriffe der türkischen Luftwaffe auf Ziele im Nordirak
AP

Trümmerhaufen: Angriffe der türkischen Luftwaffe auf Ziele im Nordirak

Der türkische Generalstabschef hatte sich zuvor deutlich ausführlicher geäußert. Sein Land sei mit US-Geheimdienstinformationen versorgt worden, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Büyükanit. Demnach sagte dieser dem privaten TV-Sender Kanal D außerdem, dass die türkischen Kampfflugzeuge die Erlaubnis gehabt hätten, in den irakischen Luftraum einzudringen. "Die USA haben in der vergangenen Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet", sagte er: "Indem sie das taten, haben die USA die Operation gutgeheißen."

Irak hat nach der türkischen Militäraktion den türkischen Botschafter in Bagdad einbestellt. Derartige Angriffe bedrohten die "freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern", erklärte der irakische Vize-Außenminister Mahmud al-Hadsch Humud gestern. Durch den Angriff seien "Krankenhäuser, Schulen und Brücken" zerstört worden. "Wir fordern, dass die türkischen Behörden derartige Aktionen gegen Unschuldige beenden."

Im Konflikt mit den Extremisten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hatte die türkische Luftwaffe in der Nacht zum Sonntag mehrere Dörfer im Norden Iraks bombardiert und dabei nach PKK-Angaben sieben Menschen getötet. Fünf Untergrundkämpfer und zwei Zivilisten seien ums Leben gekommen, teilte die PKK im Internet mit. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sprach von einer "erfolgreichen Operation".

"Acht türkische Militärflugzeuge haben heute früh einige Dörfer entlang der (irakisch-türkischen) Grenze in der Nähe der Kandilberge bombardiert", sagte Dschabbar Jawar, ein Sprecher der "Peschmerga", der Sicherheitskräfte im autonomen kurdischen Nordirak. Die Kampfflugzeuge hätten auch Stellungen in Sap, Hakurk und Awasin angegriffen, teilte der türkische Generalstab mit. Die Bombardements dauerten demnach gut drei Stunden, die Artillerie setzte die Angriffe auch danach fort. Die Militäraktion habe sich nur gegen PKK-Rebellen gerichtet und nicht gegen irakische Kurden, versicherte der Generalstab.

Ähnliche Angriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nordirak hatte die türkische Armee zum ersten Mal am 1. Dezember geflogen. Laut PKK wurden bei dem Angriff vom Sonntag "viele Zivilisten, darunter Frauen und Kinder", verletzt. Dem Peschmerga-Sprecher zufolge wurden Brücken zwischen Dörfern nahe den Kandilbergen beschädigt. Mehrere Familien seien auf der Flucht.

Das schwer zugängliche Kandil-Gebirge an der Grenze zur Türkei ist ein Rückzugsgebiet der PKK-Extremisten, die dort schätzungsweise 3500 Kämpfer unter Waffen haben. Vom Norden des Irak aus attackierten PKK-Kämpfer am 21. Oktober Einheiten der türkischen Armee, dabei wurden zwölf türkische Soldaten getötet.

Das Parlament ermächtigte die Regierung in Ankara, Truppen in den Nordirak zu entsenden, um dort Stellungen der PKK anzugreifen. Seither hat die Armee rund 100.000 Soldaten und militärische Ausrüstung an der Grenze zum Irak zusammengezogen.

Im Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet. Die Türkei, die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation.

hen/AFP

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