20 Jahre brüchiger Frieden in Nordirland Das verwundete Land

Das Töten hat aufgehört, der Hass ist noch da - auch zwei Jahrzehnte nach dem Karfreitagsabkommen in Nordirland. Jetzt kommt der Brexit. Und damit neue Sorgen. Besuch in einer zerrissenen Stadt.

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Aus Belfast berichtet


Sie war auf dem Heimweg vom Kinobesuch, als sie das Auto bemerkte. Es näherte sich langsam über die Grosvenor Road, die Fenster geöffnet. Als sie die Gewehrmündung sah, war es zu spät. Sie weiß noch, wie sie auf dem Gehweg lag, unter ihrem angeschossenen Freund, und dachte: "Das ist wie in dem Film, den wir eben gesehen haben." Es war im Oktober 1975 und "Der Pate", Teil 2, war gerade in Nordirland angelaufen.

Mary Hannon-Fletcher sitzt heute im Rollstuhl. Sie arbeitet als Biomedizinerin im Städtchen Colerain, rund 90 Kilometer nördlich von Belfast, wo sie damals fast verblutet wäre. Sie hatte Glück, überlebte. Anders als die vielen anderen Zufallsopfer, die zur falschen Zeit durchs falsche Viertel liefen. Drive-by-Shootings - eine nordirische Spezialität. "So war das eben", sagt die 60-Jährige, "an einem Tag erschossen Protestanten Katholiken, am nächsten Tag Katholiken Protestanten." Über viele Jahre ging das so. Und man muss wohl Ire oder Brite sein, um den Wahnsinn in grandiosem Understatement "Troubles" zu nennen. Probleme.

In diesen Tagen leben die Erinnerungen an die Probleme in Nordirland wieder auf. Am Dienstag ist es genau zwei Jahrzehnte her, dass die verfeindeten Parteien der Region mit dem sogenannten Karfreitagsabkommen eine Art Frieden schlossen. Ein wackeliger Frieden, den nicht nur Menschen wie Mary Hannon-Fletcher "eher als Kalten Krieg" empfinden. Aber immerhin: Er hält. Bis jetzt.

(Lesen Sie hier ein Interview mit Gerry Adams, Co-Architekt des Friedensabkommens, aus dem aktuellen SPIEGEL)Das Abkommen vom 10. April 1998 beendete ein fast 30-jähriges Gemetzel, bei dem mehr als 3600 Menschen starben und rund 50.000 weitere verletzt wurden. Es ging um die Zukunft einer Region, die etwas kleiner als Schleswig-Holstein ist: Während überwiegend katholische Republikaner eine Wiedervereinigung des Nordens mit dem Rest Irlands anstrebten, kämpften überwiegend protestantische Unionisten erbittert für einen Verbleib im Vereinigten Königreich.

Die Irish Republican Army auf der einen Seite überzog das Land mit Bombenterror, paramilitärische Unionisten auf der anderen Seite schlugen mit gleicher Härte zurück, nicht selten unterstützt von der britischen Armee. Die hatte allein in Belfast mehr Bataillone stationiert als während des Krieges im Irak.

"Es war eine völlig verfahrene Situation", erinnert sich der demokratische US-Senator George Mitchell, der Mitte der Neunzigerjahre von der Clinton-Regierung als Schlichter nach Nordirland entsandt wurde. Beide Seiten redeten nicht nur nicht miteinander, sie ertrugen es nicht einmal, gleichzeitig im selben Raum zu sein. "Der dramatische Auszug aus Sitzungssälen war ein Standardelement nordirischer Politik", sagte Mitchell dem SPIEGEL. Als er 1996 mit den Friedensverhandlungen begann, ging er von einigen Monaten aus. Am Ende wurden es fast zwei Jahre.

Britischer Premier Tony Blair (r.), US-Senator George Mitchell und Irlands Premier Bertie Ahern (l.) am 10. April 1998
AFP

Britischer Premier Tony Blair (r.), US-Senator George Mitchell und Irlands Premier Bertie Ahern (l.) am 10. April 1998

69 kleine nordirische Wunder

In einem zähen Kräfteringen, währenddessen er selbst mehrfach mit dem Tod bedroht wurde, gelang Mitchell schließlich ein fein austarierter Kompromiss. Nordirland sollte demnach eine Regionalregierung erhalten, in der beide Seiten vertreten sein würden. Die Republikaner durften eine Generalamnestie für politische Gefangene als größten Erfolg feiern, zudem erhielt jeder Nordire das Recht, einen irischen Pass zu beantragen. Die Unionisten wurden beschwichtigt, indem die irische Regierung ihren Anspruch auf den Norden aus der Verfassung strich. 69 Seiten umfasste das Abkommen am Ende. Jede einzelne davon ein kleines nordirisches Wunder.

Seither hat die Region, die noch immer das Armenhaus des Vereinigten Königreichs ist, einen erstaunlichen Aufschwung erlebt. Vor allem Belfast ist zu einer fast normalen Großstadt geworden. Die Zeiten, in denen die City nachts fast zur Geisterstadt wurde, sind vorbei. Damals kontrollierten Soldaten vielerorts, wer hinein durfte und wer nicht - das einzige Geräusch, das durch die Straßen hallte, war das metallische Knirschen von Drehgittern.

Vor der Mündung des Flüsschens Lagan ist das Titanic Quarter entstanden, ein Geschäftsviertel, das auch Touristen mit der Geschichte des hier gebauten Luxusdampfers anlockt. Zwischenzeitlich landete Belfast gar auf der "Lonely Planet"-Liste der zehn aufstrebenden Städte der Welt. Das ist die eine Seite.

Über die andere reden Belfasts Politiker eher ungern. Sie lässt sich besichtigen in Stadtteilen wie Short Strand, einer katholischen Enklave im Osten Belfasts, wo hinter verrammelten Häuserzeilen acht Meter hohe Ungetüme aus Beton und Stahl die Straßen zerschneiden: "Peace Walls", noch so ein Unwort aus Nordirlands Lexikon der Zwietracht.

"Friedensmauer" in Belfast
AFP

"Friedensmauer" in Belfast

Diese "Friedensmauern" trennen in Belfast, Derry und anderen Städten fein säuberlich Republikaner von Unionisten, sie sind hoch genug, um zu verhindern, dass es auf die jeweils andere Seite Steine, Scherben oder Fäkalien regnet. Rund 100 dieser "Peace Walls" gibt es inzwischen - sehr viel mehr als noch vor 20 Jahren. Allein durch Belfast mäandern die "Friedensmauern" auf einer Gesamtlänge von rund 25 Kilometern. Sie legen sich wie Narben über eine verwundete Stadt.

Bringt der Brexit neue Grenzkonflikte?

Die Menschen diesseits und jenseits der Mauern haben nichts miteinander zu tun - und wollen nichts miteinander zu tun haben. Tausende Familien sind seit dem Karfreitagsabkommen mit Millionenaufwand umgesiedelt worden, um sie in Sicherheit zu bringen. Taigs zu Taigs, wie Protestanten abfällig Katholiken nennen. Und Huns zu Huns. Mit dem grotesken Ergebnis, dass es in Belfast heute fast alles doppelt gibt: Schulen, Krankenhäuser, Postämter, Jugendklubs, Bolzplätze, Friedhöfe. Sogar die Müllabfuhr sah sich irgendwann gezwungen, rein katholische und rein protestantische Reinigungstrupps auf die Straßen zu schicken.

Durch Mauer getrennter Park in Belfast
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Durch Mauer getrennter Park in Belfast

Auch die Gewalt ist ja nicht verschwunden aus Nordirland, seit die Erzfeinde von einst sich die Hand reichten. Auf beiden Seiten gibt es noch immer paramilitärische Gruppen, die "antisoziales Verhalten", was immer sie damit meinen, mit Waffengewalt bestrafen. Und viele Nordiren fragen sich gerade bang, ob der Brexit, den eine Mehrheit auf der Nachbarinsel wollte, womöglich den Terror von einst zurückbringen wird.

Dann nämlich, wenn auf der irischen Insel, über die künftig eine neue EU-Außengrenze verlaufen wird, wieder Zollhäuschen und Schlagbäume entstehen sollten. Grenzfragen waren hier immer schon heikler als anderswo. Die Gewalt in Nordirland nimmt schon jetzt wieder deutlich zu.

Für den Pfarrer brach die Hölle los

"Das ist hier halt leider kein Hollywoodfilm", sagt Pater Gary Donegan. "Frieden zu schließen ist einfach, Frieden zu leben verdammt schwer." An einem Dienstag Ende März steht der Pfarrer vor der Holy-Cross-Kirche in Nord-Belfast und schaut grimmig auf seinen Sprengel. Rechts von ihm liegen die Einfamilienhäuser des katholischen Viertels Ardoyne, links beginnt das protestantische Vorstädtchen Shankill. "Und das hier", sagt Donegan und tippt auf ein mannshohes Steinkreuz, "steht praktisch mitten auf der Demarkationslinie."

Pfarrer Gary Donegan
Joerg Schindler

Pfarrer Gary Donegan

Donegan, ein Energiebündel von 53 Jahren, gehört dem katholischen Orden der Passionisten an. 2001 wurde er nach Ardoyne versetzt, wo während der "Troubles" 99 Menschen starben. Sein Vorgänger meinte noch: "Wenigstens kommst du in einer ruhigen Zeit."

Ein paar Wochen später brach dann die Hölle los.

Damals, drei Jahre nach dem Friedensabkommen, wurde die nahegelegene Holy-Cross-Mädchengrundschule quasi über Nacht in die Weltschlagzeilen katapultiert. Weil protestantische Anwohner den morgendlichen Schulweg der katholischen Mädchen als Provokation empfanden, ließen sie erst Schreie, später dann Steine und mit Urin gefüllte Ballons auf sie herabregnen.

Selbst Kinder waren nicht mehr heilig

Aus dem ganzen Stadtgebiet strömten weitere Krakeeler herbei, zum Schutz der Schülerinnen errichteten Polizei und Armee einen Korridor, irgendwann explodierten Rohrbomben. Und als der entgeisterte Pfarrer Donegan schließlich begann, die Mädchen persönlich zu eskortieren, erschallten Sprechchöre: "Wer mag Priesterbeerdigungen?" Als Antwort erschallte vielhundertfaches Klatschen. Damals, sagt Donegan, sei ihm bewusst geworden, wie fragil dieser sogenannte nordirische Frieden ist. "Es war ein Schock. Kinder waren bis dahin sakrosankt."

Er hat seither nicht mehr damit aufgehört, zwischen den verfeindeten Seiten zu schlichten. Er handelt Deals aus, sammelt Waffen und Drogen ein, um sie den Behörden zu übergeben. Er ist so etwas wie Gottes Ausputzer geworden.

Und irgendwann hatte er die Idee, mitten auf der Trennlinie, gleich hinter seiner Kirche, ein Begegnungszentrum für Protestanten und Katholiken zu gründen. Anwohner sagten "vergiss es". Freunde sagten, das sei selbst mit Gottvertrauen nicht zu schaffen. Als die Umbauarbeiten begannen, flogen auch Steine. Aber Donegan machte weiter.

Seit ein paar Jahren gibt es nun, auf einem Hügel über Belfast, das R City Cafe, zu dessen Belegschaft Jugendliche aus Ardoyne und Shankill zählen. An einem ganz normalen Werktag ist es um die Mittagszeit brechend voll. Eine Gruppe Mütter trinkt Kaffee, Jugendliche starren auf ihre Handydisplays, und an manchen Tischen sitzen einige wortkarge mittelalte Männer Rücken an Rücken.

Sie reden noch nicht miteinander. Aber immerhin schlagen sie sich auch nicht die Köpfe ein. Und viel mehr kann man nach gerade einmal 20 Jahren wohl auch nicht erwarten.

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buppert 10.04.2018
1.
Ich war kürzlich ein paar Tage in Belfast und war positiv überrascht von der Stadt. Als Kind der 80er hatte ich sie mir immer als graue, triste Stadt, die von Mauern durchzogen ist und in der Katholiken gegen Evangelische (grobe "Übersetzung" von Protestanten) kämpfen, vorgestellt. Wenngleich diese Vorstellung im Laufe des Lebens auch realistischere Züge annahm. Dieser "Religionskampf" war etwas, was ich mir als Kind am allerwenigsten vorstellen konnte und unfassbar fand, gab es doch bei uns so gut wie keine Unterschiede zw. Katholiken und unseren Protestanten: wir gingen in die selbe Schule/Klasse, die gleichen Vereine und niemals verboten die Eltern den Kontakt, nur weil die Eltern des anderen Kindes die "falsche" Religion hatten. Heute weiß ich zwar, dass auch Ethnien und Kulturen hinter diesen nordirischen Seiten stecken, aber wenn ich dann hier lese, dass es auch bzw. immer noch doppelte Müllteams o.ä. gibt, fange ich wieder an, mit dem Kopf zu schütteln. Natürlich habe ich mir auch Peace Walls samt Gates in Belfast angeguckt und auch da und in den Straßen, in denen ich an Häusern mit politischer "Fasadenmalerei" vorbeikam, kam ich ums Kopfschütteln nicht herum. Es ist doch egal, woher ein Mensch stammt, welche Hautfarbe er hat und schon dreimal, welcher Religion er angehört? Warum man sich wegen des Glaubens oder der Religion bekriegen muss, werde ich wohl nie verstehen.
ekel-alfred 10.04.2018
2.
Zitat von buppertIch war kürzlich ein paar Tage in Belfast und war positiv überrascht von der Stadt. Als Kind der 80er hatte ich sie mir immer als graue, triste Stadt, die von Mauern durchzogen ist und in der Katholiken gegen Evangelische (grobe "Übersetzung" von Protestanten) kämpfen, vorgestellt. Wenngleich diese Vorstellung im Laufe des Lebens auch realistischere Züge annahm. Dieser "Religionskampf" war etwas, was ich mir als Kind am allerwenigsten vorstellen konnte und unfassbar fand, gab es doch bei uns so gut wie keine Unterschiede zw. Katholiken und unseren Protestanten: wir gingen in die selbe Schule/Klasse, die gleichen Vereine und niemals verboten die Eltern den Kontakt, nur weil die Eltern des anderen Kindes die "falsche" Religion hatten. Heute weiß ich zwar, dass auch Ethnien und Kulturen hinter diesen nordirischen Seiten stecken, aber wenn ich dann hier lese, dass es auch bzw. immer noch doppelte Müllteams o.ä. gibt, fange ich wieder an, mit dem Kopf zu schütteln. Natürlich habe ich mir auch Peace Walls samt Gates in Belfast angeguckt und auch da und in den Straßen, in denen ich an Häusern mit politischer "Fasadenmalerei" vorbeikam, kam ich ums Kopfschütteln nicht herum. Es ist doch egal, woher ein Mensch stammt, welche Hautfarbe er hat und schon dreimal, welcher Religion er angehört? Warum man sich wegen des Glaubens oder der Religion bekriegen muss, werde ich wohl nie verstehen.
Dann habe Sie den Streit nicht verstanden. Hier ging es nur am Rande um Religion. Es handelt sich bei dem Konflikt um einen Identitäts- und Machtkampf zwischen den zwei Bevölkerungsgruppen in der nach der Unabhängigkeit der Republik Irland (als Irischer Freistaat) 1920/22 britisch gebliebenen Provinz Nordirland, also den englisch- und schottischstämmigen, unionistischen Protestanten und den überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken. Die Begriffe „katholisch“ und „protestantisch“ dienen in Nordirland als Unterscheidungsmerkmal zweier gesellschaftlicher Gruppen, die gegensätzliche soziale, politische, wirtschaftliche und schließlich auch religiöse Geisteshaltungen pflegen.
lahozdeoro 10.04.2018
3. Auch fassungslos
@buppert: kann Ihren Kommentar sehr gut verstehen, als Jugendliche haben wir in den 70er-Jahren völlig entsetzt von diesem "Religionskrieg" in Nordirland in der Schule gehört. Nur, so ganz konnten wir uns in Süddeutschland davon leider nicht abgrenzen. Immerhin gab es in unserer Familie "Mischehen", und wenn der evangelische Partner sich nicht bereit erklärte, sich katholisch trauen zu lassen, war die Ehe für die Katholiken ungültig. Auch nicht gerade ein Ruhmesblatt der Toleranz und persönlichen Freiheit.
alt-nassauer 10.04.2018
4. Es nur auf das zu reduzieren....
Es nur auf das zu reduzieren, wie man Getauft wurde - Protestantisch oder Katholisch. Das macht den Konflikt nicht alleine aus. Die Engländer hatte die Insel in Besitz genommen. Ohne die ganzen Historischen Verquickungen (3 Jahrh.) war Irland nicht Unabhängig., sondern erst 1921. Dabei ist Ulster (Nordirland) weiterhin ein Bestandteil von GB. Das gerade in Nordirland zwischen den Religionen ein Konflikt herrscht, ist auch der Tatsache geschuldet. Das Protestanten zu dem Pro-Britisch sind (Trad. Oranier-Märschen). Diese Pro-Briten oder auch Loyalisten sorgten dafür das Katholiken oder auch nicht Pro-Briten benachteiligt wurden. Weil in stärker Machtposition, als Grundbesitzer- spiegelte sich auch im Mehrheitswahlrecht wieder. Man konnte "leichter" die armen Katholiken aus gut bezahlter Arbeit, bessere Wohnung oder in Öffentlichen Dienst fernhalten. Diese Benachteiligung seit der Trennung, wurde erst in den 60er Jahren zum offenen Konflikt bis Anfang der 90er. Grundgefühl der Katholiken war das die Benachteiligung endlich ein Ende haben sollte. Dazwischen die Zeit des Terror´s wer bzw. welche Seite die UVF (Pro-Britisch) oder die IRA (Pro-Katholisch) dort das Sagen hat. Was immer Unmöglicher wurde. Beide Seiten ließen sich auf eine Lösung mit dem Karfreitagsabkommen ein. Das durchaus in den letzten 20 Jahren wieder für Ruhe bzw. keinen Terror z.B. Anschläge führte. Was viele hier dabei verkennen. Ist eben die Tatsache das in Zeiten der Troubles. Die Republik und Nordirland, trotz EWG/EU Zugehörigkeit - faktisch durch eine Grenze getrennt war. Die nur aus wenige Wegen "illegal" frei waren. Oft genug Militärische Hinterhalte waren um den Schmuggel der IRA ab zu fangen. Die Grenze zwischen der Republik und Nordirland war eine der am schärfsten kontrollierten Grenzen. Sie wurde Militärisch kontrolliert und es gab einen Grenzzaun. Einfach mal über die Grenze, war nicht - oft nur einzelne Fahrzeuge. Erst Recht wenn etwas in Nordirland passiert war. Ich selbst habe so eine Kontrolle bei der Ausreise (1990) erlebt - zwei Soldaten in Kampfanzug mit MP im Bus zur Überprüfung ob nicht ein IRA Attentäter im Bus sitzt. 1993 mit der Zollunion und Binnenmarkt, zu dem die Troubles nach gelassen hatte, wurde die Grenze offen. Außerdem 1995 die Britische Armee abgezogen wurde. Es verschwanden Wachtürme und Grenzzäune! Auch da gab es das und ähnelte leicht der Innerdeutschen Grenze - nur nicht so Massiv. Klar sind die "Peace-Lines" in Belfast eine Trennung innerhalb der Gemeinschaft ist. Diese werden auch nicht weniger, sondern immer mehr und höher ausgebaut. Eben eine gespaltene Region. Die es mit dem Brexit nicht leichter haben wird. Ich verstehe das nun alle Nordiren inkl. Pro-Briten Befürchtungen haben. Der Grenzverkehr läuft nun ohne Kontrollen ab, 30% der Waren aus Nordirland werden direkt in die Republik verfrachtet und in den 20 Jahren hat sich ein Infrastruktur mit Arbeitsplätze, Wohnen und Versorgung entwickelt. Da stellt sich weniger die Frage - ob da ein Protestant oder Katholik davon profitiert. Wie es mir scheint, ohne Lösung für alle dort Lebenden ein Verlust und das Risiko das Gewalt aufkeimt.
buppert 10.04.2018
5. @ekel-alfred
Das eine - Katholisch/Evangelisch - war mein kindliches Verständnis im Grundschulalter. Das man in diesem Alter den Konflikt und die Hintergründe nicht versteht, sollte klar sein. Ich habe aber auch geschrieben, dass ich im Laufe des Lebens verstanden habe, dass es da nicht (nur) um Religionen, sondern um Ethnien und Kulturen geht. Und trotzdem fände ichs unfassbar, wenn hinter meinem Garten bis vorne an die Straßenecke eine Mauer verliefe, hinter der ?die anderen? wohnen. Die sich wsl weder in der Hautfarbe, noch in der Sprache, noch in der Staatsangehörigkeit oder was auch immer, von mir unterscheiden.
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