Nordirland Katholiken liefern sich Straßenschlacht mit Polizisten

Sie warfen Molotow-Cocktails, Steine, Flaschen: Katholische Jugendliche haben im nordirischen Belfast randaliert und Polizisten angegriffen. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, mehrere Menschen wurden verletzt.


Belfast - Es war bereits die zweite Nacht heftiger Ausschreitungen: In der nordirischen Hauptstadt Belfast haben sich Randalierer stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Etwa 200 nationalistische Katholiken, viele von ihnen vermummt, strömten zu den Krawallen in den engen Straßen des Viertels Ardoyne im Norden von Belfast. Steine, Molotow-Cocktails und Ziegel trafen die Polizisten.

Zwei Dutzend Beamte wurden nach Polizeiangaben in den vergangenen Tagen verletzt. Die Schutzuniformen von mindestens vier Polizisten hätten kurzzeitig Feuer gefangen. Die Sicherheitskräfte, bewaffnet mit Schlagstöcken, feuerten Gummigeschosse in die Menge und setzten Wasserwerfer ein. Es gab mehrere Festnahmen.

Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte es heftige Zusammenstöße gegeben. Militante Aktivisten hatten mehrere Autos angezündet und einen Bus gekapert. Nach Polizeiangaben wurden in der vergangenen Nacht auch in anderen Teilen Belfasts Autos angezündet. In Londonderry, der zweitgrößten Stadt Nordirlands, wurde ein 14-jähriger Randalierer festgenommen. Auch in Newry and Armagh gab es vereinzelt Unruhen.

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Flammen und Gewalt: Ausschreitungen in Belfast
Immer wieder überschatten Gewalt und Zerstörung den nordirischen Feiertag "Der Zwölfte". Mit Umzügen erinnern Protestanten an den Jahrestag eines historischen Siegs über die Katholiken. In der Schlacht am Fluss Boyne hatte Wilhelm III. von Oranien im Juli 1690 den zum Katholizismus übergetretenen Jakob II. besiegt. Weil Mitglieder des Oranier-Ordens bei ihren Paraden durch katholische Viertel ziehen, brechen jedes Jahr heftige Straßenschlachten aus.

"Kinder voller Hass"

Auch am Dienstag versuchten Randalierer, bejubelt von zahlreichen katholischen Anwohnern, auf die zentrale Straße von Ardoyne zu gelangen, wo Protestanten marschierten. Direkte Kämpfe zwischen den Parteien konnte die Polizei jedoch verhindern.

"Es ist jedes Jahr das Gleiche", sagte ein Katholik über die Märsche der Protestanten. "Wir sind hier umzingelt. Kein Wunder, dass die Kinder so viel Hass in sich tragen." Ein anderer meinte, die Bürger rächten sich für die harten Polizeieinsätze und die Drohgebärden der Protestanten.

Nigel Dodds, der Abgeordnete von Nord-Belfast im britischen Parlament, sagte dagegen, die meisten Katholiken hätten sich vehement für die Wahrung des Friedens eingesetzt. Dodds, Mitglied der radikal-protestantischen Democratic Unionist Party, verurteilte das Verhalten der Randalierer. "Diese Leute hatten das Ziel, die Polizei anzugreifen und Verwüstung in ihrer eigenen Gemeinde anzurichten", sagte Dodds. "Solche Gewalt ist sinnlos und hat eindeutig nichts mit dem Protest gegen die Parade zu tun."

Katholische und protestantische Politiker haben in den vergangenen Tagen zur Ruhe aufgerufen und an die Katholiken appelliert, nicht gegen die Märsche zu protestieren. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Fortschritte, die wir gemacht haben, von jenen zerstört werden, die uns in die Vergangenheit zurückdrängen wollen", sagte der nordirische Regierungschef Peter Robinson.

Trotz der seit Jahren laufenden Friedensbemühungen kommt es in Nordirland immer wieder zu Auseinandersetzungen. Anfang April war ein Polizist durch eine Autobombe ums Leben gekommen. Im Juni erlebte Belfast die schwersten Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten seit Jahren. Diese hatten sich auf einen hauptsächlich von Protestanten, aber auch von einigen Katholiken bewohnten Stadtteil im Osten der Stadt konzentriert.

Die britische Provinz Nordirland war bis zum Abschluss eines Friedensvertrags 1998 der Schauplatz eines blutigen Konflikts zwischen katholischen Nationalisten und probritischen Protestanten. Dabei kamen im Lauf von drei Jahrzehnten rund 3500 Menschen ums Leben.

kgp/Reuters/dpa/AP



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Seite 1
mundi 13.07.2011
1. Codewort "Konfession", ähnlich wie bei uns "Migranten"
Zitat von sysopSie warfen Molotowcocktails, Steinen und Flaschen: Katholische Jugendliche haben im nordirischen*Belfast randaliert und Polizisten angegriffen. Die Sicherheitskräfte haben Wasserwerfer und Gummigeschosse eingesetzt. Mehrere Menschen wurden verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,774095,00.html
Wieder dieselbe Leier: Katholiken gegen Protestanten. Es sind, wie seit Hunderten von Jahren Iren (Republikaner) gegen Briten (Unionisten). Das Trennende ist weder die Konfession noch die Haarfarbe. Die Briten werden immer noch als Besatzer empfunden!
meon 13.07.2011
2. ...
Zitat von sysopSie warfen Molotowcocktails, Steinen und Flaschen: Katholische Jugendliche haben im nordirischen*Belfast randaliert und Polizisten angegriffen. Die Sicherheitskräfte haben Wasserwerfer und Gummigeschosse eingesetzt. Mehrere Menschen wurden verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,774095,00.html
Das ist endlich mal eine nachvollziehbare Begründung - Christen, von Christen umzingelt...vielleicht sollte "dieser" Katholik den Kindern mal beibringen, das Religion etwas abgrundtief schlechtes ist - und schon würden sie "nicht mehr so viel Hass in sich tragen"
Kalaharry 13.07.2011
3. Peinlich
Zitat von mundiWieder dieselbe Leier: Katholiken gegen Protestanten. Es sind, wie seit Hunderten von Jahren Iren (Republikaner) gegen Briten (Unionisten). Das Trennende ist weder die Konfession noch die Haarfarbe. Die Briten werden immer noch als Besatzer empfunden!
Jemand der Molotow-Cocktails wirft und tötet, kann kein Katholik sein, völlig egal, was Sie uns weis machen wollen. Warum exkommuniziert der Papst diese Mörder nicht? Es handelt sich um die gleichen Leute, die angeblich ungeborenes Leben retten wollen, das geborene Leben aber nach Belieben abschlachten.
Rodri 13.07.2011
4. ...
Man, SPON. Das ist kein Religionskonflikt. Es geht seit Jahrhunderten um die britische Besatzung. Es gibt auf beiden Seiten Katholiken und Protestanten (selbstverständlich in unterschiedlich hoher Anzahl aufgrund der verschiedenen Herkunft der Gruppen). Solange GB nicht als Besatzungmacht abtritt, wird es immer Konflikte geben ! Wie kann ein Land wie GB nur andere Länder zerbomben, weil die dortige Bevölkerung keine Besatzungsregime möchte und selbst ist sie eins...
cs70 13.07.2011
5. warum
drischt hier eigentlich jeder auf die "randalierer"? man könnte doch von behördenseite den marsch der protestanten auschließlich auf protestantische stadtteile beschränken. dann wäre ruhe. so provoziert die eine seite - und die andere reagiert...
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