Nordirland Katholiken liefern sich Straßenschlacht mit Polizei

Auf die Provokation folgten die Krawalle: In Belfast ist der protestantische Oranier-Orden durch ein katholisches Viertel marschiert - als Reaktion zündeten irische Nationalisten Autos an und bewarfen Polizisten mit Flaschen und Steinen.

AP

Belfast - Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Im Anschluss an einen Marsch des protestantischen Oranier-Ordens ist es am Donnerstag in einem katholisch geprägten Teil Belfasts zu Ausschreitungen gekommen. Dabei griffen irisch-katholische Extremisten im Bezirk Ardoyne die Bereitschaftspolizei an, indem sie ein brennendes Auto in Richtung der Beamten schoben, während andere mit Steinen und Flaschen warfen.

Zuvor hatten Zehntausende Mitglieder des Oranier-Ordens für die Provokation gesorgt: Sie waren in einer Demonstration der Stärke durch nordirische Städte und Ortschaften marschiert. Bereits in der Nacht hatten sich Protestanten zu Hunderten Freudenfeuern versammelt, wo antikatholische Lieder gesungen und irische Flaggen in die Flammen geworfen wurden.

Bei den Krawallen wurden nach Behördenangaben mehrere Polizisten leicht verletzt, als Steine, Ziegel und Flaschen nach ihnen geworden worden seien. Zehn Personen wurden festgenommen. Bereits in den vergangenen Jahren war es in Ardoyne, einer Hochburg irischer Nationalisten im Norden Belfasts, wiederholt zu Unruhen mit zahlreichen Verletzten gekommen. Vorsorglich hatte die Polizei dort am Morgen gepanzerte Fahrzeuge in Stellung gebracht.

Die britische Regierung hatte versucht, die erwarteten Zusammenstöße zu verhindern. Sie setzte eine Paradekommission ein, die anordnete, dass die Oranier in diesem Jahr drei Stunden früher als üblich durch Ardoyne ziehen sollten. Außerdem wurde eine Gegenparade der Bewohner von Ardoyne erst 90 Minuten später genehmigt. Der Vorsitzende der katholischen irisch-nationalistischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, rief beide Seiten dazu auf, Straßenkämpfe mit der Polizei zu vermeiden.

Die Oranier-Umzüge finden alljährlich am 12. Juli statt, dem Jahrestag der legendären Schlacht am Fluss Boyne nordwestlich von Dublin. Dort bezwang der Protestant Wilhelm von Oranien 1690 den englischen König Jakob II., einen Katholiken, und wurde dessen Nachfolger. Am Jahrestag der Schlacht kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Ausschreitungen - auch deswegen, weil Mitglieder des Oranier-Ordens bei ihren Paraden durch katholische Viertel ziehen.

fdi/dapd

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insgesamt 4 Beiträge
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Nachteuie 12.07.2012
1. Ach ist Folklore nicht schön?
*Zynismus an* Mensch ist das nicht schön....man geht mit ein paar alten Freunden in den Pub, trinkt ein paar Bierchen, singt die guten alten traditionellen Kampflieder...und dann geht man raus und schlägt den bösen alten Feinden ein bisschen den Schädel ein! Und wenn die bösen Feinde nicht da sind nimmt sich halt die Ordnunghüter zur Brust - Hauptsache Action! Haben Papa und Opa schon so gemacht - warum Traditionen ändern? Und wenn dann wieder kleine Kinder von Bomben zerrissen werden oder unschuldige von verirrten Kugeln nieder gemäht werden wollte das natürlich niemand und es tut natürlich allen leid....aber ej, das ist Nordirland! Schuld sind ja immer nur die Anderen!!! Warum also einen Kampf beenden der erst seit 1690 tobt? *Zynismus aus*
uezegei 13.07.2012
2.
Zitat von Nachteuie*Zynismus an* Mensch ist das nicht schön....man geht mit ein paar alten Freunden in den Pub, trinkt ein paar Bierchen, singt die guten alten traditionellen Kampflieder...und dann geht man raus und schlägt den bösen alten Feinden ein bisschen den Schädel ein! Und wenn die bösen Feinde nicht da sind nimmt sich halt die Ordnunghüter zur Brust - Hauptsache Action! Haben Papa und Opa schon so gemacht - warum Traditionen ändern? Und wenn dann wieder kleine Kinder von Bomben zerrissen werden oder unschuldige von verirrten Kugeln nieder gemäht werden wollte das natürlich niemand und es tut natürlich allen leid....aber ej, das ist Nordirland! Schuld sind ja immer nur die Anderen!!! Warum also einen Kampf beenden der erst seit 1690 tobt? *Zynismus aus*
Man sollte Nordirland und GB von den Vorzügen des EURO überzeugen, denn nur der EURO sorgt für Frieden in Europa. Das sollte doch auch in Irland klappen ...
Corkonian 13.07.2012
3. komplizierte Geschichte
@Nachteule: die Kampflieder haben diesmal die Loyalisten gesungen und auch sie haben die irische Fahne verbrannt. Dieses mal haben sie den unstabilen nordirischen Frieden mit Füßen getreten. Es ist einfach traurig, dass es immer noch nicht ausgestanden ist. ich fühle mich jedes mal unwohl, wenn ich im Norden bin. Da ist auf beiden Seiten das Misstrauen, ja, teilweise auch der Hass zu spüren. Aber um das annähernd begreifen zu können , muss man weit in der Geschichte zurück reisen. Die irische Geschichte ist sehr kompliziert und das irisch-englische Verhältnis spannungsreich, weswegen es nach dem Karfreitagsabkommen 1998 weitere 13 Jahre dauerte, bis die britische Königin zum ersten mal seit 1920 irischen Boden betreten konnte. Es wäre zu wünschen, wenn wenigstens die Kinder der heutigen Krawallmacher zusammen in Frieden leben könnten. Slán agat
nayad 13.07.2012
4.
Ardoyne ist eine Enklave, deren Randbereich quasi tägl., zumindest aber wöchentlich, von Loyalisten angegriffen wird. Als Bewohner muss man sich ständig Gedanken machen welchen Weg man wählt. Die Dissidenten wären in diesem Viertel niemals so stark, wenn sie nicht die einzigen wären, die einen gewissen Schutz vor sektiererischen Übergriffen bieten. Die Auseinandersetzungen an diesem Tag sind lediglich der Höhepunkt des Jahres und ein Ausdruck des Status Quo.
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