Nordirland Rumänische Familien flüchten vor Schlägertrupps in Kirche

"Verzweifelt und ratlos": Aus Furcht vor Attacken nordirischer Rechtsradikaler sind rund hundert rumänische Einwanderer in die Räume eine Kirchengemeinde geflohen - und mussten auf ihrer Flucht von Polizeikräften geschützt werden.


Belfast - Rechtsextreme haben sie tagelang terrorisiert, mit Steinen nach ihnen geworfen und die Scheiben ihrer Häuser zerstört. Jetzt suchen rund 20 rumänische Familien in einer nordirischen Kirche Schutz vor den Attacken. Die etwa 100 Rumänen seien aus Angst vor Übergriffen "einer kleinen Gruppe rassistischer Schläger" gekommen, sagte Pastor Malcolm Morgan am Mittwoch.

Rumänische Mutter in Belfast: Flucht unter Polizeischutz
AFP

Rumänische Mutter in Belfast: Flucht unter Polizeischutz

Eine der Familien habe ein fünf Tage altes Baby bei sich gehabt, sagte Pastor Morgan dem Fernsehsender ITV. Die Rumänen, die die Nacht zu Mittwoch im Gemeindesaal der Kirche verbrachten, seien bei ihrer Ankunft "verzweifelt und ratlos" gewesen. Bereits in den vergangenen Tagen hätten Rechtsextreme Steine geworfen und Scheiben eingeschlagen. Ihren gewaltsamen Höhepunkt erreichten die Anfeindungen am Montag bei einer Kundgebung gegen Rassismus gegenüber Menschen aus Osteuropa, an deren Rand junge Krawallmacher Flaschen warfen und den Hitler-Gruß zeigten.

Auf ihrer Flucht aus dem Süden Belfasts zu ihrer Notunterkunft in dem Gemeindesaal waren die Rumänen von der Polizei und freiwilligen Helfern begleitet worden. Am Mittwoch wurden sie vorübergehend in einem Freizeitzentrum untergebracht. Einige fassten wegen der Übergriffe den Entschluss, nach Rumänien zurückzukehren. "Ich möchte jetzt nach Hause", sagte die verzweifelte Mutter eines Kleinkinds. "Ich fühle mich hier nicht mehr wohl."

Der britische Premierminister Gordon Brown sagte vor den Abgeordneten des Unterhauses, er hoffe, dass die Behörden in der Lage seien, "alle nötigen Maßnahmen" zu ergreifen, um die Rumänen vor weiteren Angriffen zu schützen. Der nordirische Vize-Regierungschef Martin McGuinness bezeichnete die rechtsextremen Angreifer als "rassistische Kriminelle", die bestraft und "in der Gesellschaft isoliert" werden müssten. Er hoffe, die betroffenen Rumänen zu ihrem Verbleib in Nordirland bewegen zu können. Belfasts Bürgermeisterin Naomi Long erklärte, derartige Übergriffe seien "vollkommen inakzeptabel".

In der nordirischen Hauptstadt macht sich Fremdenfeindlichkeit bemerkbar, seit Ende März nach dem Sieg von Nordirlands Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation über das polnische Team Krawalle ausgebrochen waren. Anders als in anderen EU-Ländern können Polen, Rumänen und andere Bürger osteuropäischer EU-Staaten in Großbritannien weitgehend problemlos eine Arbeit aufnehmen.

beb/AFP/dpa



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