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Nordirlands Blutsonntag Schüsse, Tote - und ein spätes Sorry

Im ersten Untersuchungsbericht der britischen Regierung zehn Wochen später wird den Soldaten beschönigend "grobe Fahrlässigkeit" unterstellt. Die Täter bleiben unbehelligtZur Großansicht
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Im ersten Untersuchungsbericht der britischen Regierung zehn Wochen später wird den Soldaten beschönigend "grobe Fahrlässigkeit" unterstellt. Die Täter bleiben unbehelligt

2. Teil: Der Bericht, der versöhnen soll, reißt alte Wunden auf

Bis heute gab es mehrere Versionen, was sich damals zugetragen hatte. Die Soldaten hatten steif und fest behauptet, sie seien beschossen worden und hätten sich nur verteidigt. Auch wurde verbreitet, einige der Opfer seien bewaffnet gewesen. Diese Version fand sich auch im Regierungsbericht vom April 1972. Der damalige britische Premierminister Edward Heath hatte den Autor, Lord Widgery, zuvor eingenordet: "Vergessen Sie bitte nicht, dass wir in Nordirland nicht nur einen militärischen Krieg, sondern auch einen Propagandakrieg führen."

Zwar haben zwei Premierminister, John Major und Tony Blair, seitdem öffentlich eingeräumt, dass die Opfer unbewaffnet und damit unschuldig waren. Doch den Angehörigen reichte das nicht, sie bestanden auf einer offiziellen Untersuchung, die den Widgery-Bericht widerrief. Sie wollten die Wahrheit schwarz auf weiß.

Die Blair-Regierung erfüllte ihre Forderung - auch, um die nordirischen Katholiken zur Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens 1998 zu bewegen. Der aufstrebende Richter Lord Saville wurde mit der Untersuchung beauftragt. Er nahm seine Arbeit sehr genau: 2500 Zeugen wurden befragt, Hunderte von Video- und Audiobändern ausgewertet. Einzelne Szenen vom Tatort wurden am Computer nachgestellt.

Savilles Schlussfolgerungen fielen nun eindeutig aus. Der erste Schuss sei von der britischen Armee abgefeuert worden, sagte Cameron bei der Vorstellung des Berichts. Die Soldaten hätten bewusst "Falschaussagen" gemacht. Keiner von ihnen habe auf Feuer aus den Reihen der Demonstranten geantwortet. Alle Opfer seien unschuldig gewesen. Es gebe "keinerlei Zweifel".

Die Scharte von Derry musste ausgewetzt werden

Die Augenzeugen in Derry, die das immer gesagt haben, dürfen sich nun bestätigt fühlen. Endlich sei der Widgery-Bericht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet, jubelte Gerry Adams, Präsident der Katholiken-Partei Sinn Féin. Vertreter des britischen Militärs und der nordirischen Protestanten hingegen zeigten sich verschnupft. Man solle bedenken, welche Wirkung dieser Bericht auf aktive Soldaten habe, sagte der konservative Abgeordnete Patrick Mercer, der früher selbst in Nordirland gedient hatte.

Die Schlussfolgerung des Saville-Tribunals, das Handeln der Soldaten sei "nicht gerechtfertigt" gewesen, eröffnet nun den Raum für Klagen gegen einzelne Täter. Auch für ihre Falschaussagen könnten die Soldaten vor Gericht gezogen werden. Die nordirische Staatsanwaltschaft hat signalisiert, sie werde die Fälle im Einzelnen prüfen. Sehr wahrscheinlich erscheint eine Anklage aber nicht - auch die meisten Opferangehörigen haben signalisiert, sie wollten die Sache nun auf sich beruhen lassen.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere britische Offiziere gewarnt, dass man für diesen Fall auch IRA-Täter wie Martin McGuinness vor Gericht sehen wolle. McGuinness, inzwischen Politiker von Sinn Féin und stellvertretender Chef der nordirischen Regionalregierung, war am Blutsonntag der zuständige IRA-Kommandeur in Derry. Laut Untersuchungsbericht trug er während der Demo eine Maschinenpistole bei sich - es gab aber keine Anzeichen, dass er sie benutzt hat.

So riss der Bericht, der versöhnen sollte, auch alte Wunden wieder auf. Cameron und McGuinness betonten jedoch, dass man weiter gemeinsam nach vorn schauen wolle. Es werde keine weiteren Untersuchungen der Vergangenheit geben, sagte Cameron. Der Friedensprozess soll ungestört weiterlaufen, das alte Spiel der gegenseitigen Vorwürfe nicht von vorn beginnen.

Die Scharte von Derry aber musste ausgewetzt werden - darin waren sich Regierung und Opposition in London an diesem Tag einig.

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insgesamt 18 Beiträge
mundi 15.06.2010
Als im Jahre 1948 Irland, ohne die 6 nördlichen Counties, zur Republik erklärt wurde, blieb im Norden (Ulster) die Macht in den Händen der britischen Protestanten. Die Katholiken wurden dort diskriminiert, besonders bei der [...]
Zitat von sysopEs war ein Symbol für den Bürgerkrieg in Nordirland: Beim "Bloody Sunday" vor 38 Jahren schoss das britische Militär mitten in eine Demonstration, 14 Menschen starben. Jetzt weist eine Kommission das Fehlverhalten der Soldaten nach, Premier Cameron entschuldigt sich bei den Familien der Opfer. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700916,00.html
Als im Jahre 1948 Irland, ohne die 6 nördlichen Counties, zur Republik erklärt wurde, blieb im Norden (Ulster) die Macht in den Händen der britischen Protestanten. Die Katholiken wurden dort diskriminiert, besonders bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Die Bürgerrechtsbewegung demonstrierte ab 1968 für Gleichberechtigung und wurde immer wieder vom Mob angegriffen. Das britische Militär, eigentlich zum Schutz der katholischen Minderheit eingesetzt, tötete 1972 dreizehn unbewaffnete Demonstranten (Blutiger Sonntag). Es begann eine Spirale der Gewalt. Die IRA wütete mit Bombenterror, durch den Hunderte von Menschen getötet oder verstümmelt wurden. Paramilitärische Unionisten reagierten auf die Anschläge mit weiteren Morden. Inzwischen wird versucht, alte Wunden zu heilen und sich zu versöhnen. Vereinzelte Morde einiger unbelehrbarer Fanatiker aus den Reihen der Republikaner oder Unionisten, werden von beiden Seiten geächtet und verfolgt. Im Gespräch mit Iren wird deutlich, dass man von der Reaktion Europas auf den Terror in Irland enttäuscht war. Man bedauert, dass wohl aus Staatsraison und Angst vor Großbritannien, die Ereignisse in den Medien, als Kampf zwischen Katholiken und Protestanten bezeichnet wurden. Dabei kämpften die Iren um ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Die Briten kämpften für Besitz und Privilegien.
Marie Laveau 15.06.2010
Allerdings. Das ist kein Konflikt zwischen "Katholiken" und "Protestanten", das ist ein Konflikt zwischen keltischen Iren und angelsächischen Briten, zumeist Schotten.
Zitat von mundiIm Gespräch mit Iren wird deutlich, dass man von der Reaktion Europas auf den Terror in Irland enttäuscht war. Man bedauert, dass wohl aus Staatsraison und Angst vor Großbritannien, die Ereignisse in den Medien, als Kampf zwischen Katholiken und Protestanten bezeichnet wurden. Dabei kämpften die Iren um ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Die Briten kämpften für Besitz und Privilegien.
Allerdings. Das ist kein Konflikt zwischen "Katholiken" und "Protestanten", das ist ein Konflikt zwischen keltischen Iren und angelsächischen Briten, zumeist Schotten.
Dieser Bürgerkrieg war nur der Gipfel der jahrhundertelangen Unterdrückung anderer Völker durch England. Auf der eigenen Insel Schotten und Waliser gekauft, geschmiert und die anderen barbarisch verfolgt, auf der Nachbarinsel [...]
Zitat von sysopEs war ein Symbol für den Bürgerkrieg in Nordirland: Beim "Bloody Sunday" vor 38 Jahren schoss das britische Militär mitten in eine Demonstration, 14 Menschen starben. Jetzt weist eine Kommission das Fehlverhalten der Soldaten nach, Premier Cameron entschuldigt sich bei den Familien der Opfer.
Dieser Bürgerkrieg war nur der Gipfel der jahrhundertelangen Unterdrückung anderer Völker durch England. Auf der eigenen Insel Schotten und Waliser gekauft, geschmiert und die anderen barbarisch verfolgt, auf der Nachbarinsel ein ganzes Volk in den Tod oder nach Amerika getrieben. Jetzt kommt ein "sorry" wegen bloody sunday. Sonst ich ja vorher auch nichts von Bedeutung passiert. England hat die eigenen Leute mitsamt wiederum Schotten und Walisern nach Ulster verpflanzt und den ansässigen Iren jede Lebensgrundlage genommen. Da kommt es auf diesen einen dämlichen Tag nicht an. Es gibt viel mehr Tote zu beklagen. Viel mehr an Unterdrückung und Selbstherrlichkeit. Das bisschen Entschuldigung macht micht nicht ruhiger, es macht mich nur wütender.
nichtWeich 15.06.2010
Der Bericht scheint mir nur eins zu sein, eine nachträgliche Rechtfertigung des Terrors der IRA.
Zitat von sysopEs war ein Symbol für den Bürgerkrieg in Nordirland: Beim "Bloody Sunday" vor 38 Jahren schoss das britische Militär mitten in eine Demonstration, 14 Menschen starben. Jetzt weist eine Kommission das Fehlverhalten der Soldaten nach, Premier Cameron entschuldigt sich bei den Familien der Opfer. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700916,00.html
Der Bericht scheint mir nur eins zu sein, eine nachträgliche Rechtfertigung des Terrors der IRA.
Das stimmt nicht. Schotten sind ebenso Gälen. Angelsachsen sind immer noch die Engländer. Wohlhabende oder vorteilsbedachte Schotten waren seinerzeit aber käuflich. Man hat sogar gerne die eigenen Leute verraten und verkauft. [...]
Zitat von Marie LaveauAllerdings. Das ist kein Konflikt zwischen "Katholiken" und "Protestanten", das ist ein Konflikt zwischen keltischen Iren und angelsächischen Briten, zumeist Schotten.
Das stimmt nicht. Schotten sind ebenso Gälen. Angelsachsen sind immer noch die Engländer. Wohlhabende oder vorteilsbedachte Schotten waren seinerzeit aber käuflich. Man hat sogar gerne die eigenen Leute verraten und verkauft. Die treibende Kraft war immer England mit dem eingekauften intriganten Personal. Allerdings hat die Religion tatsächlich nie DEN Grund gehabt. Es waren und sind die Territorialansprüche.
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