Umstrittener Start Nordkorea betankt seine Langstreckenrakete

Das Regime in Pjöngjang lässt sich von Warnungen nicht bremsen - und treibt die Vorbereitungen für den Start seiner Langstreckenrakete voran. Sie werde derzeit betankt, sagte der Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums am Morgen.


Pjöngjang - Zur Vorbereitung seines umstrittenen Raketenstarts hat Nordkorea mit der Betankung des Flugkörpers begonnen. Das Betanken laufe, sagte Paek Chang Ho, der Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums in einem Vorort von Pjöngjang, am Mittwoch vor ausländischen Journalisten. Auf einem großen Bildschirm konnten die Medienvertreter die Rakete an der Abschussrampe sehen, allerdings war sie größtenteils mit einer grünen Plane bedeckt.

Die Rakete vom Typ Unha-3 soll einen Satelliten zur Erdbeobachtung ins All bringen. Wie lange der Vorgang dauere, sagte Paek laut der Nachrichtenagentur Reuters nicht. Auch zum Zeitpunkt des Starts äußerte er sich nicht. "Das werden meine Vorgesetzten entscheiden." Die Nachrichtenagentur dapd berichtete dagegen, dass die Rakete frühstens am Donnerstag startbereit sei - und bezog sich ebenfalls auf den Chef des Kontrollzentrums.

Nordkorea hatte angekündigt, seine Rakete zwischen Donnerstag und nächstem Montag zu starten. Der Termin ist Teil der Gedenkfeiern zu Ehren des 100. Geburtstags des verstorbenen Machthabers Kim Il Sung. Vertreter der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde sagten am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Pjöngjang vor ausländischen Journalisten, die Langstreckenrakete sei im Notfall aber auch in der Lage, sich selbst zu zerstören.

Clinton fordert Nordkorea zum Verzicht auf

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Unha-3: Nordkoreas umstrittene Rakete
Sorgen über seinen geplanten Raketenstart wies Nordkorea zurück. Der Flug mit einem Satelliten sei keine Gefahr für die Region und seine Nachbarländer, sagte der Vertreter Paek Chung Ho vom nordkoreanischen Komitee für Raumfahrttechnologie nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag in Pjöngjang.

Die USA betrachten den Start als Test einer Rakete, die ihr Territorium erreichen könnte. Washington forderte Pjöngjang erneut zum Verzicht auf weitere Raketen- oder Atomtests auf. "Wenn Nordkorea eine friedliche, bessere Zukunft für sein Volk will, sollte es keinen weiteren Start unternehmen", sagte Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag nach einem Treffen mit ihrem japanischen Amtskollegen Koichiro Gemba. Ein solcher Raketenstart bedeute eine "direkte Bedrohung der regionalen Sicherheit" und wäre ein "ernster und klarer Verstoß" gegen geltende Resolutionen des Weltsicherheitsrats.

Auch Russland verurteilte den geplanten Satellitenstart und nannte ihn einen Verstoß gegen Uno-Resolutionen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau sagte am Dienstag, die Pläne Pjöngjangs seien ein Beispiel dafür, dass Entscheidungen des Weltsicherheitsrats ignoriert würden.

Kurz vor dem umstrittenen Start der Langstreckenrakete wuchs in Ostasien die Nervosität. Mehrere Fluggesellschaften hatten am Dienstag eine Änderung ihrer Flugrouten in der Region angekündigt. Japan Airlines (JAL) und All Nippon Airways (ANA) teilten mit, die Routen von Flügen zwischen Tokio, Manila, Jakarta und Singapur zu verlegen. Die philippinischen Behörden hatten zudem eine Flugverbotszone ausgerufen, wie AP berichtete. Schiffe seien gewarnt worden, in die Region zu fahren, in der Trümmer der Rakete runterkommen könnten.

Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines
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Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines

Nach südkoreanischen Angaben bereitet Pjöngjang zudem womöglich einen dritten Atomwaffentest nach dem Start der Langstreckenrakete vor. Auf dem Atomtestgelände Punggye-ri im Norden des Landes, wo bereits die beiden ersten Atomwaffenversuche 2006 und 2009 unternommen wurden, werde derzeit heimlich ein neuer unterirdischer Tunnel gebaut, sagte ein Regierungsvertreter in Seoul am Sonntag. Satellitenbilder zeigten demnach, dass der neue Tunnel neben den beiden zuvor bei den Tests genutzten Schächten gebaut werde und beinahe fertig gestellt sei.

heb/Reuters/AP/AFP/dapd

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Seite 1
dr. phibes 11.04.2012
1.
Ist doch praktisch, die Meldungen sind fast im Wortlaut die von 2009.
fatherted98 11.04.2012
2. Das sich...
Zitat von sysopAFPDas Regime in Pjöngjang lässt sich von Warnungen nicht bremsen - und treibt die Vorbereitungen für den Start seiner Langstreckenrakete voran. Sie werde derzeit betankt, sagte Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums am Morgen. Aus den USA reagierten besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826722,00.html
...darüber alles so aufregen? Das Land ist doch total am Ende. Falls es tatsächlich zu einem Angriff käme...die haben nach 2 Tagen keinen Tropfen Sprit mehr....nach der Ersten Rakete fehlt der Treibstoff....also können sie nur mit der Masse an Soldaten punkten...und die laufen dorthin wo sie was zu essen kriegen...alles nur Panikmache.
D0nJuAn 11.04.2012
3.
Zitat von sysopAFPDas Regime in Pjöngjang lässt sich von Warnungen nicht bremsen - und treibt die Vorbereitungen für den Start seiner Langstreckenrakete voran. Sie werde derzeit betankt, sagte Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums am Morgen. Aus den USA reagierten besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826722,00.html
Hoffentlich schlägt mal son Ding ausversehen bei den Chinesen ein, vielleicht kapieren die dann, dass ihnen die USA und die Europäer mittlerweile näher sind als ihre nähsten nachbarn ;)
Dosengabel 11.04.2012
4.
Zitat von sysopAFPDas Regime in Pjöngjang lässt sich von Warnungen nicht bremsen - und treibt die Vorbereitungen für den Start seiner Langstreckenrakete voran. Sie werde derzeit betankt, sagte Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums am Morgen. Aus den USA reagierten besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826722,00.html
Hoffentlich schütten die wenigstens die E10-Brühe in das Teil.
fludd 11.04.2012
5. Langstreckenrakete
Zitat von sysopAFPDas Regime in Pjöngjang lässt sich von Warnungen nicht bremsen - und treibt die Vorbereitungen für den Start seiner Langstreckenrakete voran. Sie werde derzeit betankt, sagte Chef des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums am Morgen. Aus den USA reagierten besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826722,00.html
Die Begriffssetzung auf Langstreckenrakete lässt den Standpunkt des Verfassers in einer Nähe zu ehemaligen Kolonialherren erscheien. Nordkorea möchte einen Satelliten in den Weltraum befördern. Es ist doch schön, wenn andere Nationen sich weiterentwickeln. Frankreich, USA, Russland und China starten beinahe täglich "Langstreckenraketen" ohne dass über den Brotbelag des Pförtners berichtet wird. Und die Raketen heißen dann in unserer Berichtserstattung Sojus, Ariane oder sonstwie. Von Langstreckenraketen habe ich in diesem Zusammenheng bisher nichts lesen müssen. Doch schon klar. Ansders als die guten Atombomben des westlichen Militärpaktes hat Nordkorea ein böse Atombombe, die es mit einer solchen Rakete für einen zumindest spürbaren Gegenschlag benutzen könnte. Wenn man ISrael so etwas zugesteht, dann darf Nordkorea das doch sicherlich auch. Oder hat Nordkorea etwa den Fehler begangen, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen?
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