Seoul - Nordkorea bereitet laut südkoreanischen Angaben womöglich einen dritten Atomwaffentest nach dem für die kommenden Tage geplanten Start einer Langstreckenrakete vor. Auf dem Atomtestgelände Punggye-ri im Norden des Landes, wo bereits die beiden ersten Atomwaffenversuche 2006 und 2009 unternommen wurden, werde derzeit heimlich ein neuer unterirdischer Tunnel gebaut, sagte ein Regierungsvertreter in Seoul am Sonntag. Satellitenbilder zeigten demnach, dass der neue Tunnel neben den beiden zuvor bei den Tests genutzten Schächten gebaut werde und beinahe fertiggestellt sei.
Die Informationen müssen im Zusammenhang mit einer weiteren Entscheidung Pjöngjangs gesehen werden: Nordkorea trifft derzeit letzte Vorbereitungen für einen umstrittenen Satellitenstart. In der Zeit zwischen dem 12. und 16. April will das Regime eine Langstreckenrakete abfeuern - nach eigenen Angaben, um einen zivilen Beobachtungssatelliten ins All zu bringen, um damit den 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung am 15. April zu feiern.
Die USA, Südkorea und Japan bezweifeln die von Nordkorea angekündigten zivilen Absichten des Vorhabens. Sie werfen dem Land vor, in Wahrheit eine Interkontinentalrakete testen zu wollen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Auch den ersten beiden Atomtests in Nordkorea war jeweils der Start einer mehrstufigen Rakete in dem verarmten, aber hochgerüsteten Land vorausgegangen. Auf die Atomtests von 2006 und 2009 hatte der Uno-Sicherheitsrat mit Sanktionen beziehungsweise einer Verschärfung von Strafmaßnahmen gegen das Regime in Pjöngjang reagiert.
China wirbt für mehr Dialog
Sogar China sieht aufgrund der Lage auf der koreanischen Halbinsel nun Handlungsbedarf. "Die chinesische Seite ist besorgt über die Entwicklungen und bestärkt die Beteiligten auf allen Seiten - ob auf hoher oder niedriger Ebene - darin, ruhig und vernünftig zu bleiben", sagte Außenminister Yang Jiechi am Sonntag nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Südkorea und Japan im ostchinesischen Ningbo. Alle Parteien hätten ein gemeinsames Interesse an Frieden und Stabilität in der Region und müssten zum Dialog zurückfinden.
Während China für mehr Dialog warb, betonten die Außenminister Japans und Südkoreas, dass Pjöngjang mit einem Start der Langstreckenrakete Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats verletzen würde. Sollte das Regime seine Pläne in die Tat umsetzen, müsste das ihrer Ansicht nach auch Sanktionen nach sich ziehen.
Japan stationierte angesichts des anstehenden nordkoreanischen Raketenstarts Flugabwehrraketen in Tokio, wie die Regierung am Sonntag mitteilte. Patriot-Raketen wurden am Verteidigungsministerium und an zwei weiteren Orten der Metropole aufgestellt. Zudem wurden drei Zerstörer mit Flugabwehrraketen entsandt, sie sollen auf dem Weg ins Ostchinesische Meer sein. Regierungschef Yoshihiko Noda hat grünes Licht für den Abschuss der nordkoreanischen Rakete gegeben, wenn sie Japan gefährden sollte.
Japan zeigte sich mit dem Ergebnis der Dreiländer-Gespräche zu Nordkorea nicht zufrieden. Es gebe jetzt zwar mehr Gemeinsamkeiten, sagte der japanische Außenminister Koichiro Gemba der Nachrichtenagentur Kyodo News: "Aber ehrlich gesagt, würde ich nicht davon sprechen, dass die drei Länder die gleichen Ansichten teilen."
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, der Außenminister aus Seoul habe China gebeten, eine größere Rolle bei der Vermittlung zwischen dem kommunistischen Regime in Pjöngjang und der internationalen Gemeinschaft zu spielen.
siu/dpa/dapd/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Atomkonflikt mit Nordkorea | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH