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15. Februar 2013, 14:31 Uhr

Kims Nuklearstrategie

Nordkorea bereitet offenbar weiteren Atomtest vor

Nordkoreas Machthaber Kim forciert die Atomaufrüstung. Pjöngjang plane ein bis zwei neue Bombentests, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, womöglich auch einen weiteren Raketenstart. Ziel ist es, die USA unter Druck zu setzen.

Peking - Nordkorea rüstet sich womöglich für weitere Atombombentests. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle, das Kim-Regime bereite einen, eventuell sogar zwei weitere Tests noch in diesem Jahr vor. Dies habe die Regierung den Verbündeten in China mitgeteilt. Der nächste Atomtest werde mit zehn Kilotonnen TNT eine größere Sprengkraft haben als der dritte Atomtest Nordkoreas am Dienstag. Zudem erwäge Pjöngjang, einen weiteren Raketenstart durchzuführen.

Damit sollten die USA unter Druck gesetzt werden, größere Zugeständnisse bei den Verhandlungen um das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas zu machen. Zudem will das Kim-Regime endlich einen Friedensvertrag mit Washington schließen, mit dem es sich - ebenso wie mit Südkorea - völkerrechtlich noch immer im Kriegszustand befindet, seit der Koreakrieg 1953 endete. Nordkorea strebt diplomatische Verbindungen mit den USA an.

Nordkorea hatte am Dienstag einen unterirdischen Nuklearwaffentest unternommen. Da das isolierte Land die "Verwendung einer kleineren und leichteren Atombombe, aber mit großer Sprengkraft" vermeldet hatte, wuchsen Befürchtungen, dass Pjöngjang die Produktion von Sprengköpfen vorbereitet, die auf Raketen montiert werden können. Der Test wurde international verurteilt.

Durch den Atomtest haben sich die Spannungen auf der Halbinsel wieder deutlich verschärft. "Die gegenwärtige Situation auf der koreanischen Halbinsel ist so ernst, dass selbst ein geringer zufälliger Vorfall zu einem Krieg führen kann", hieß es in einem Kommentar der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Nordkorea hatte bereits zuvor angedeutet, weitere nukleare Sprengsätze zünden zu können. Den Atomtest vom Dienstag hatte Nordkorea im Januar nach der Ausweitung von Uno-Sanktionen angekündigt. Mit dem Sanktionsbeschluss bestrafte der Weltsicherheitsrat Nordkorea wegen eines umstrittenen Raketenstarts im Dezember. Den jüngsten Atomtest hatte das mächtigste Uno-Gremium aufs Schärfste verurteilt und "angemessene Maßnahmen" angekündigt.

Die Europäische Union will ihre Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang verschärfen. Laut einem EU-Diplomaten in Brüssel wollen die Außenminister der 27 EU-Staaten am kommenden Montag einen entsprechenden Beschluss fassen. Unter anderem sollen die Finanzsanktionen auf mehr Geschäfte als bisher ausgeweitet werden: So soll der Kauf nordkoreanischer Anleihen verboten werden. Ebenso die Ausfuhr von Gütern, die für das Raketenprogramm Nordkoreas genutzt werden könnten. Die Zahl der von EU-Einreiseverboten betroffenen Nordkoreaner wird ausgeweitet.

Mehr als 100.000 Nordkoreaner hingegen feierten nach Berichten von Staatsmedien den jüngsten Atomtest des Landes in der Hauptstadt Pjöngjang am Donnerstag. Ranghohe Vertreter von Armee und Partei, Arbeiter, Soldaten und Studenten seien auf dem Kim-Il-Sung-Platz zusammengekommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Eine Reihe von Rednern priesen demnach den Test als "geniale Erfüllung der außergewöhnlichen Entscheidung und des unvergleichlichen Muts unseres lieben und geschätzten Kim Jong Un".

ffr/Reuters/AFP/dpa

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