Anti-Obama-Beschimpfungen aus Nordkorea "Zuhälter, Gangster, Puppenspieler"

Ungewöhnlich heftig hat die nordkoreanische Regierung gegen die politische Führung des Südens ausgeteilt. Präsidentin Park Geun Hye sei eine "launische Hure" und ihrem "Zuhälter" Barack Obama ergeben, heißt es in einer Erklärung.

US-Präsident Obama mit südkoreanischer Amtskollegin Park: "Böses, unreifes Mädchen"
REUTERS

US-Präsident Obama mit südkoreanischer Amtskollegin Park: "Böses, unreifes Mädchen"


Pjöngjang/Seoul - Offenbar als Reaktion auf den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Südkorea hat die Regierung im Norden des geteilten Landes zu ungewöhnlich derben Worten gegriffen. Das meldet der britische "Guardian" unter Berufung auf die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Demnach teilte das staatliche "Komitee für die friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes" mit, Südkorea und die USA stünden zueinander wie "eine Marionette und ihr Puppenspieler". Präsidentin Park Geun Hye werde dafür einen "hohen Preis" bezahlen. "Park verhält sich Obama gegenüber wie ein böses, unreifes Mädchen, das Gangster anfleht, einen missliebigen Menschen zusammenzuschlagen", zitiert der "Guardian" aus dem Bericht. "Oder wie eine launische Hure, die jemanden hereinzulegen versucht, indem sie ihren Körper einem mächtigen Zuhälter anvertraut."

Hintergrund sind offenbar die jüngsten Zusicherungen Obamas, Südkorea gegen Bedrohungen aus dem Norden zu verteidigen. "Wir werden nicht zögern, unsere militärische Macht zur Verteidigung unserer Alliierten" einzusetzen, hatte der US-Präsident anlässlich seines Besuchs am Samstag vor Soldaten in Südkorea gesagt. Gemeinsam mit Park hatte Obama zudem das Regime in Pjöngjang vor neuen Provokationen gewarnt. Nordkorea nannte er einen "Schurkenstaat" und warnte das Land vor weiterer internationaler Isolation.

Anspielung auf koreanische "Trostfrauen"

Zumindest vordergründig scheint diese Warnung wenig Eindruck hinterlassen zu haben. Mit "Drohungen und Erpressungen" sei Nordkorea nicht umzustimmen, teilte das Regime laut "Guardian" mit. "Park Geun Hye hat ihre wahre Natur als Verräterin und Kriecherin bewiesen", heißt es demnach in der Erklärung. Sie sei eine "jämmerliche Prostituierte", die die eigene Nation verkaufe. Auch der Begriff "Trostfrau" fällt laut "Guardian" in der Erklärung des Komitees - eine Anspielung auf die Zwangsprostituierten aus der japanischen Besatzungszeit, deren Geschichte bis heute das südkoreanische Verhältnis zu Tokio belastet. Den USA droht Nordkorea in der Erklärung zudem erneut mit einem Atomkrieg.

Auch jenseits der bloßen Rhetorik reagierte Nordkorea empfindlich auf den Schulterschluss Obamas mit Seoul. So überprüfte Machthaber Kim Jong Un demonstrativ die militärische Einsatzfähigkeit seines Landes. Bei einer Sitzung der erweiterten Zentralen Militärkommission sprach er laut KCNA über Wege zum "Sieg" im Fall einer Konfrontation mit den USA. Offensichtlich ging es auch um Umbesetzungen innerhalb des mächtigen Gremiums.

Das gesamte Wochenende über besuchte Kim zudem Militäreinheiten. Auch nahm er an einer Artillerieübung teil, bei der laut KCNA "größere Ziele" in der Nähe der umstrittenen Seegrenze mit Südkorea getroffen werden sollten. Bereits seit Tagen warnen Experten vor einem möglichen weiteren Atomwaffentest des stalinistisch geführten Landes.

Derbe Beschimpfungen gegen Park haben in Nordkorea bereits eine gewisse Tradition. So bezeichnete die Militärführung in Pjöngjang die erste Präsidentin in Südkoreas Geschichte Ende 2013 als "Idiotin". Der aktuelle Ausbruch allerdings ist laut "Guardian" selbst für nordkoreanische Maßstäbe bemerkenswert.

rls/AFP



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