Chang Song Taek: Nordkorea verkündet Hinrichtung von Kims Onkel

Nordkoreas Chang Song Taek: Entlassen und exekutiert Fotos
REUTERS

Er war sein Mentor, dann fiel er in Ungnade: Chang Song Taek, der Onkel von Kim Jong Un, wurde in Nordkorea hingerichtet. Das verkündete jetzt das Regime. Die Exekution soll nach einem Militärprozess vollzogen worden sein.

Pjöngjang - Der Onkel des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben hingerichtet worden. Der "Verräter" Chang Song Taek sei am Donnerstag nach einem Militärprozess exekutiert worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag (Ortszeit). Laut KCNA wurden Chang Fraktionsbildung, Korruption, Ausverkauf von Rohstoffen des Landes an China bis hin zu Frauengeschichten vorgeworfen. Über Changs Hinrichtung hatte zuvor schon der von nordkoreanischen Exilanten in Seoul betriebene Sender Free North Korea Radio unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet.

Die USA haben bereits auf die Nachricht über die Hinrichtung reagiert. In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es, man gehe davon aus, dass die Berichte richtig seien. Die Hinrichtung sei ein weiteres Beispiel der "extremen Brutalität des nordkoreanischen Regimes", hieß es aus dem Weißen Haus weiter. Man verfolge nun sehr genau die Entwicklungen in dem Land und bespreche sich mit den Bündnispartnern in der Region.

Vor vier Tagen hatte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA des abgeschotteten Landes bereits die Entlassung von Chang Song Taek bestätigt. Der Onkel von Staatschef Kim Jong Un sei wegen krimineller Machenschaften und "konterrevolutionärer" Umtriebe von seinen gesamten Ämtern entbunden worden, berichtete KCNA.

Chang war unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsausschusses und galt nach dem Tod von Kims Vater Kim Jong Il Ende 2011 als starker Mann und "Graue Eminenz" im kommunistischen Staatsapparat. Seine Entmachtung bedeutete die größte Umwälzung in der nordkoreanischen Führung seit dem damaligen Führungswechsel.

Die Entscheidung, Chang zu schassen, habe das Politbüro des Zentralkomitees der Partei getroffen. Er habe "hinter den Kulissen ein doppeltes Spiel betrieben" und das einheitliche Führungssystem der Partei unterlaufen.

Dass der Onkel des Machthabers in Ungnade fiel, kann auch andere Gründe haben: Zum einen könnte er sich mit dem Militär angelegt haben, weil er ihm das lukrative Bergbau-Geschäft entzog. Andererseits könnte die Order aber auch von Kim Jong Un selbst gekommen sein, der die Mannschaft seines Vaters loswerden will. Vor allem Chang soll sich in die Alltagsgeschäfte eingemischt haben.

Chang und Kim könnten sich einerseits einen Machtkampf geliefert haben, andererseits aber auch über den Wirtschaftskurs des Landes gestritten haben: Der Onkel soll dafür plädiert haben, die chinesischen Reformen nachzuahmen und das ehrgeizige und vor allem teure Atomprogramm herunterzufahren. Zuletzt gibt es auch Spekulationen um private Gründe: Changs Beziehung mit seiner Ehefrau Kim Kyung Hee soll angespannt gewesen sein.

Mit Chang wurden auch seine Mitarbeiter entlassen, dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge wurden einige von diesen bereits wegen Korruption hingerichtet.

In einer Propagandadokumentation habe das Staatsfernsehen Nordkoreas bereits sämtliche Sequenzen über Chang herausgeschnitten, berichteten am vergangenen Wochenende südkoreanische Medien.

mia/AFP/Reuters/AP

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