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07. März 2003, 09:08 Uhr

Nordkorea

Bush will multilaterale Lösung des Atom-Streits

In der Irak-Krise nahezu ein Unilateralist, gegenüber Nordkorea das Gegenteil: George W. Bush forderte eine multilaterale Lösung des Atomwaffen-Streits mit Pjöngjang. Die Nachbarstaaten Nordkoreas müssten sich des Problems annehmen, verlangte der US-Präsident.



Umstrittenes nordkoreanisches Kernkraftwerk: "Regionales Problem"
REUTERS

Umstrittenes nordkoreanisches Kernkraftwerk: "Regionales Problem"

Washington/Pjöngjang - "Dies ist ein regionales Thema", sagte Bush über den Streit wegen des nordkoreanischen Atomprogramms. Mit Bezug auf Japan, Südkorea, Russland und China sagte er, es gebe viele Länder, die einen direkten Anteil daran hätten, ob Nordkorea Atomwaffen besitze oder nicht.

Bush sagte, der beste Weg, mit der kommunistischen Regierung in Pjöngjang umzugehen, sei, die betroffenen "Parteien zu überzeugen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il zu überzeugen, dass die Entwicklung eines Atomwaffenarsenals nicht in ihrem Interesse ist." Sollte Kim Hilfe wünschen, um das Leid des nordkoreanischen Volkes zu lindern, dann sei die Beendigung des Atomprogramms der richtige Weg. Bush sagte weiter, er sei optimistisch, dass es eine diplomatische Lösung geben könne.

Nordkorea erklärte am Freitag, der seit vier Monaten andauernde Streit könne beendet werden, wenn die USA zu Gesprächen bereit seien. In einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA hieß es, das Land werde weiterhin nicht abrüsten, wenn es keine Verhandlungen mit den USA gebe. Gleichzeitig wurde Bush aber auch wieder die Planung eines Präventivschlags gegen die Atomanlagen des Landes vorgeworfen. Bushs Äußerungen über eine "militärische Option" zur Lösung der Krise seien eine "unverhüllte Offenbarung" auf die Planung eines Militärschlags, berichtete KCNA.

Nordkorea hatte die amerikanische Regierung wiederholt zu direkten Gesprächen aufgefordert. Die USA haben dies jedoch vermieden und stattdessen auf die Vermittlung von Nachbarstaaten Nordkoreas gesetzt. Auch China und Südkorea haben sich für direkte Gespräche zwischen den beiden Streitparteien ausgesprochen.

Im Oktober hatten die Vereinigten Staaten mitgeteilt, Nordkorea habe eingeräumt, sein Atomprogramm fortgesetzt und damit gegen ein Abkommen mit den USA aus dem Jahr 1994 verstoßen zu haben. Der Streit zwischen beiden Staaten hatte sich am Wochenende verschärft, als vier nordkoreanische Kampfflugzeuge nach US-Angaben ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug im internationalen Luftraum vor der nordkoreanischen Küste abfingen.

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