Sanktionsdrohung China soll Nordkorea vor neuem Atomtest gewarnt haben

Donald Trump hat sich zum Konflikt mit Nordkorea geäußert. Er hoffe Kim Jong Un sei rational, sagte der US-Präsident. Unterdessen erhalten die USA offenbar die erhoffte Unterstützung Chinas.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
AP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un


Laut Donald Trump ist ein großer Konflikt mit Nordkorea möglich, er bevorzuge aber eine diplomatische Lösung. Diese sei aber sehr schwierig. Das sagte der US-Präsident in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Trump lobte auch den chinesischen Präsidenten Xi Jinping ausführlich für seine Hilfe in dem Konflikt. "Er arbeitet sehr hart. Ganz gewiss will er nicht, dass Chaos ausbricht und es Tote gibt." Beide hatten sich Anfang April in Florida getroffen.

Am Mittwoch hatte die US-Regierung den Kongress über den Konflikt mit Pjöngjang unterrichtet. Nach den Briefings hatte sie mitgeteilt, dass Druck auf Nordkorea aufgebaut werden solle und man dabei auf diplomatische Mittel und finanzielle Sanktionen setzen wolle. Dabei hoffen die USA besonders auf den Einfluss Chinas.

Trump sagte in dem Interview, dass er den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un so behandelt, als sei dieser rational. Er wies darauf hin, dass Kim früh an die Macht kam. "Er war 27 Jahre alt, sein Vater starb, er übernahm das Regime. Man kann sagen, was man will, aber das ist nicht einfach. Schon gar nicht in dem Alter". Damit wolle er Kim aber keinesfalls Anerkennung zollen, so Trump. "Dazu, ob er rational ist oder nicht, habe ich keine Meinung. Ich hoffe, er ist es."

Tillerson: Kim Jong Un ist "nicht verrückt"

Unterdessen erhält Trump offenbar die erhoffte Unterstützung aus China. Die Regierung in Peking habe Nordkorea deutlich gemacht, dass sie als letzter wichtiger Verbündeter des abgeschotteten Landes eigenständig Sanktionen verhängen werde, sollte es abermals einen Nuklearsprengkopf testen, sagte US-Außenminister Rex Tillerson im Fernsehsender Fox News. Aus Peking gab es zunächst keine Stellungnahme.

Tillerson deutete damit an, dass Trumps Bemühungen erfolgreich gewesen seien, China dazu zu bewegen, den Druck auf Nordkorea deutlich zu erhöhen und seine möglicherweise bislang schärfste Drohung an die kommunistische Führung in Pjöngjang zu senden.

Tillerson sagte weiter, dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un Geheimdienstberichten zufolge ein rationaler Mensch sei, mit dem verhandelt werden könne. "Er mag skrupellos sein, er mag ein Mörder sein. Er mag jemand sein, der nach unseren Maßstäben in vielerlei Hinsicht irrational ist. Aber er ist nicht verrückt", so Tillerson. Außerdem würden die USA keinen Machtwechsel in Nordkorea anstreben, so der US-Außenminister. Ziel sei eine vollständig nuklearwaffenfreie koreanische Halbinsel.

Trotz internationaler Kritik und verschärften Uno-Sanktionen treibt Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm voran. In den vergangenen Monaten hat das Land verstärkt Raketen getestet, nachdem es im vorigen Jahr zwei Atomtests durchgeführt hatte. Der Konflikt hat sich zuletzt immer weiter verschärft.

Nordkorea hatte mitgeteilt, solange die USA ihre feindliche Aggression fortsetzten, werde es weiter Atom- und Raketentests unternehmen. Trump kündigte ein härteres Vorgehen gegen Nordkorea als seine Vorgänger an und schloss einen Militärschlag nicht aus. Zu Wochenbeginn machte ein amerikanisches Atom-U-Boot in Südkorea fest. Zudem nähert sich ein US-Flugzeugträger koreanischen Gewässern. Auch treiben die USA den Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Südkorea voran.

max/Reuters

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MatthiasSchweiz 28.04.2017
1.
China ist bereit dazu, den Konflikt auf diplomatischer Ebene oder auch mit Sanktionen zu lösen. Es hat aber auch verlauten lassen, dass es nicht dulden wird, falls Südkorea oder die USA in Norkorea einmarschieren und dass es dann sein Militär einsetzen wird. Ein Luftschlag würde seitens China noch geduldet werden, nur würde das wohl eine Reaktion Nordkoreas auslösen mit Artillerie- und Raketenangriffen auf Südkorea, was wohl auch wieder einen grossen Krieg bedeuten würde, mit Nord- und Südkorea, USA und China.
robertreagan 28.04.2017
2. Was Trump öffentlich sagt
spielt mittlerweile keine Rolle mehr, wenn die Handlungen des Staates USA dem stets entgegen stehen. Es ist zu bezweifeln, ob Trump überhaupt Macht in seinen Händen hält, so gegensätzlich sind oft seine worte und die Handlungen der USA.
Sandlöscher 28.04.2017
3. Ich
Bin mir nicht sicher, ob Herr Trump rational handelt. Immerhin erwägt er eine militärische Option gegen die viert größte Armee der Welt, die zumindest über einige Kernwaffen verfügt. China ist der Schlüssel zur Lösung der Krise. Insgeheim will Nordkorea Lockerung/Aufhebung der Sanktionen und gleichzeitig eine Überlebensgarantie des Regimes. Diese Überlebensgarantie sieht man in der atomaren Bewaffnung.
tomrobert 28.04.2017
4. Psychologische Vorbereitungen!
Trump beginnt , die moralische Rechtfertigung für den Schlag gegen Nordkorea auf zu bauen. Es ist unwahrscheinlich, das Nordkorea ohne fundamentale Erleichterungen für seine Wirtschaft abrüsten wird.Da wird auch China nichts aendern. Das Regime steht offensichtlich zu stark innenpolitisch sonst unter Druck. Und Trump wird alle rhetorischen Tricks nutzen um den "unvermeidlichen" Schlag als solchen zu rechtfertigen.
Xantos73 28.04.2017
5. Rational?
Ein Mann wie Trump wirft mit einem Wort um sich, was auf Ihn selbst bezogen für einen Betrachter bzgl. seiner Worte vor der Wahl und nach der Wahl mehr als fragwürdig ist? Macht kennt nur eine Rationalität - der Zweck zu deren Erhalt und Ausbau heiligt alle Mittel. Irrational erscheinen einem Betrachter Handlungen ja meist nur dann, wenn man deren Intention und Beweggründe nicht kennt. Dem Handelnden sind seine Vorgehensweisen immer rational, so er nicht dem Wahnsinn anheim gefallen ist. Und der wäre ja eine psychische Erkrankung. In dem er Kim bzgl. dessen Ratio in Frage stellt, unterstellt er somit das er Wahnsinnig ist. Faktisch ist das eine Beleidigung auf höchster Ebene. Ich bekomme so langsam den Eindruck - Amerika will den Konflikt. Also Trump und seine Spießgesellen. Ist das nicht irrational? Nö! Weil hier auch eiskalte Macht-Kalkulation dahinter steckt. Eliten stecken nur Energie in etwas wenn es Ihnen auf irgend eine Art und Weise nutzt. Nur wie dieser Nutzen hier aussieht wird gut verschleiert. Als einfacher Michel am Ende der Informationskette und mit dem was bei mir ankommt, kann ich da nur Vermutungen anstellen. Im schlimmsten Fall dient die ganze Aktion nur dazu um von innenpolitischen Undingen in den USA abzulenken. Hier mit dem Kolateralschaden von 4 oder 5 gezündeten Atombomben, eventuell mit einer doch funktionierenden Rakete nach irgendwo verschickt - also dies in Kauf zu nehmen für dieserlei Machtspielchen - das ist ein hartes Ding. Eigentlich müssten wir als Volk mal langsam auf die Straße gehen, wider den Kriegstreibern und unserer Regierung deutlich machen was die Schafherde von sowas hält. Aber wir haben wohl zu viel mit der Smartphonebedienung zu tun.
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