Korea-Konflikt China warnt vor "unvorstellbaren Konsequenzen"

Die Amerikaner starten früher als geplant den Aufbau eines Raketenabwehrsystems, Militärübungen werden in Fernost abgehalten. China warnt eindringlich vor einem Krieg zwischen den USA und Nordkorea.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
REUTERS/KCNA

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un


China und Russland haben sich besorgt über die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea geäußert. Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel müsse unter allen Umständen vermieden werden, sagte Pekings Außenministers Wang Yi.

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Heft 17/2017
Donald Trump und Kim Jong Un riskieren den Atomkrieg

"Auch ein Prozent Wahrscheinlichkeit werden wir nicht dulden", sagte Wang bei einem Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel in Berlin. "Denn Nordkorea ist kein Mittlerer Osten. Wenn auf der koreanischen Halbinsel wirklich Krieg ausbricht, dann haben wir schwerwiegende und unvorstellbare Konsequenzen." Es sei deshalb im Interesse Chinas, "dass wir diese kriegerischen Risiken wirklich eindämmen".

Die US-Streitkräfte haben früher als erwartet mit dem Aufbau eines umstrittenen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen. Die ersten Container mit Bauteilen des Systems THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) seien am Mittwochmorgen auf ein Gelände in der östlichen Provinz Nord-Gyeongsang gebracht worden, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit.

Bei Protesten von Hunderten Anwohnern und Mitgliedern von Bürgergruppen gegen den unangekündigten THAAD-Transport habe es Zusammenstöße mit der Polizei gegeben, berichteten südkoreanische Sender. Nach Angaben der Gruppen gab es etwa zehn Verletzte.

Russland warf den USA eine Verschärfung im Korea-Konflikt vor. Der Aufbau des Raketenabwehrsystems destabilisiere die Lage, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Sein Stellvertreter Sergej Rjabkow rief Nordkorea zu einem Stopp von Atomtests auf. Eine Lösung des komplexen Konfliktes müsse beinhalten, dass die Führung in Pjöngjang sich verpflichtet, keine Atomtests vorzunehmen, schrieb Rjabkow in der Moskauer Zeitung "Kommersant". "Nur ein Land - Nordkorea - hat im 21. Jahrhundert Atomtests gemacht", schrieb er.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits mehrfach mit Alleingängen im Atomstreit mit der Führung um Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang gedroht, setzt aber auf eine Zusammenarbeit mit China.

Die US-Regierung wollte am Mittwoch in Washington den gesamten Senat über den Konflikt mit Nordkorea informieren. Am Mittag (Ortszeit) war in Washington nach Angaben des Weißen Hauses und des Außenministeriums zunächst ein Treffen zwischen Trump und Außenminister Rex Tillerson geplant. Anschließend soll dann Tillerson unter anderem mit Verteidigungsminister James Mattis die Senatoren unterrichten.

Nach Angaben der US-Marine hielten amerikanische Kriegsschiffe am Mittwoch zur gleichen Zeit Seeübungen mit den südkoreanischen und japanischen Seestreitkräften in Gewässern westlich der koreanischen Halbinsel sowie westlich von Japan den zweiten Tag in Folge ab.

Video: USA und Südkorea bei gemeinsamem Militärmanöver

als/dpa/Reuters

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