Pjöngjangs Atomtest "Der Westen hat kaum noch Drohpotenzial gegen Kim"

Pjöngjangs Atombombentest alarmiert die internationale Gemeinschaft. Korea-Experte Rüdiger Frank fürchtet ein nukleares Wettrüsten in Ostasien.

Diktator Kim Jong Un: "Die Nordkoreaner treiben die Chinesen vor sich her"
AP

Diktator Kim Jong Un: "Die Nordkoreaner treiben die Chinesen vor sich her"

Ein Interview von Maximilian Gerl


Die USA, die EU und Russland nennen den von Nordkorea verkündeten Test einer Wasserstoffbombe einen schweren Verstoß gegen Uno-Resolutionen. Noch gibt es Zweifel, ob das Regime in Pjöngjang wirklich eine solche Waffe gezündet hat. Doch schon die Möglichkeit sorgt für große Unruhe.

Die Verkündung des Tests sei als Warnung gedacht, sagt der Korea-Experte Rüdiger Frank von der Universität Wien. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Frank die Strategie von Diktator Kim Jong Un - und wie groß jetzt die Kriegsgefahr in der Region ist.

SPIEGEL ONLINE: Was bezweckt Nordkorea mit der Zündung einer angeblichen Wasserstoffbombe?

Rüdiger Frank: Es ist die konsequente Fortsetzung der bisherigen Politik von Pjöngjang. Nordkorea hat sich schon vor vielen Jahren dazu entschieden, auf das Prinzip der nuklearen Abschreckung zu setzen. Das hat schon während des Kalten Krieges gut funktioniert. Die Führung um Kim Jong Un hat offenbar immer noch die Sorge, dass die USA das Land militärisch besetzen könnten.

SPIEGEL ONLINE: Japan und Südkorea haben Konsequenzen angekündigt - wie könnten diese aussehen?

Frank: Das sind vor allem starke Worte. Der Westen - wozu ich auch Japan und Südkorea zähle - hat die Sanktionsmöglichkeiten gegen Nordkorea ausgeschöpft. Noch mehr Drohpotenzial sehe ich kaum.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Gefahr eines bewaffneten Konflikts in der Region?

Frank: Im Moment eher gering. Schon die Möglichkeit, dass Nordkorea Atomwaffen besitzen könnte, trägt zur Stabilisierung des Landes bei. Niemand würde auf die Idee kommen, dort zu intervenieren. Mittel- und langfristig sehe ich aber das Problem, dass Japan und Südkorea nachrüsten - und sich ebenfalls Atomwaffen anschaffen. Das könnte zu einem Wettrüsten führen.

SPIEGEL ONLINE: Die USA haben in Ostasien immer noch sehr viel Einfluss. Wie sollten sie reagieren?

Frank: Gerade die USA haben in den vergangen Jahren eine falsche Politik betrieben. Statt auf dem sofortigen Abbau aller Atomwaffen zu beharren, sollten sie jetzt den Realitäten Rechnung tragen. Nordkorea hat Atomwaffen und wird sie auch behalten, das hat das Regime oft genug klargemacht. Es wäre wichtiger, eine Lösung für die Sicherheit nordkoreanischer Reaktoren zu finden, damit waffenfähiges Uran nicht in die Hände von Terroristen geraten kann. Auch ein Einfrieren des Atomwaffenprogramms auf dem jetzigen Stand wäre denkbar. Nordkorea hat hier immerhin seine Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

SPIEGEL ONLINE: China gilt als der wichtigste Partner Pjöngjangs. Wie lange wird Peking Nordkorea noch beschützen?

Frank: Das tun die Chinesen schon lange nicht mehr.Eigentlich ist China das von Nordkorea am meisten bedrohte Land in der Region: Gibt es ein Reaktorunglück, weht der Fallout nach China. Bröckelt das Regime in Pjöngjang, ist das auch für Chinas Machthaber gefährlich. Die Nordkoreaner treiben die Chinesen im Moment vor sich her - und machen ihr eigenes Ding.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dreg1691 06.01.2016
1. Kein Drohpotenzial mehr?
Vielleicht sollte der Westen den Flugverkehr und den Schiffsverkehr von und nach Nord Korea einstellen. Einhergehend mit Landeverbot Nord Koreanischer Flugzeuge.
muellerthomas 06.01.2016
2.
Zitat von dreg1691Vielleicht sollte der Westen den Flugverkehr und den Schiffsverkehr von und nach Nord Korea einstellen. Einhergehend mit Landeverbot Nord Koreanischer Flugzeuge.
Gibt es überhaupt Direktflüge nach Nordkorea von Westeuropa?
hondje 06.01.2016
3. Der westen hat kaum droh potenzial gegen Kimm
Der Westen hat genug Potenzial einfach kein handel mehr treiben und keine Öl mehr geben und Lebensmittel dann Krepieren die von selber.
Creative Marketer 06.01.2016
4. Ohh nein! Keine Drohung möglich?
Ist das wirklich das Ende der Diplomatie, wenn manndem Gegenüber nichtmehr drohen kann? Irgendwie armseelig, aber eben auch bezeichnend für unsere politische Kultur.
Das Pferd 06.01.2016
5.
Zitat von dreg1691Vielleicht sollte der Westen den Flugverkehr und den Schiffsverkehr von und nach Nord Korea einstellen. Einhergehend mit Landeverbot Nord Koreanischer Flugzeuge.
und was soll das bringen? Hier mal der Flugplan http://www.koreakonsult.com/hur-tar-man-sig-dit_ger.html welche Verbindung in westliche Länder hätten Sie denn davon gern gestrichen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.