Berlin - Gleich zwei Überraschungen hatte Kim Jong Un zum neuen Jahr für seine Nordkoreaner, aber auch für die internationalen Beobachter parat. Zum einen, dass er überhaupt eine Ansprache hielt - das hatte es unter Vorgänger Kim Jong Il nicht gegeben. Zum anderen mit dem Inhalt seiner Rede. Darin verhieß er eine Entspannungspolitik gegenüber Südkorea.
Doch international sind die Reaktionen eher verhalten. Die Bundesregierung hat den nordkoreanischen Machthaber nun aufgefordert, den großen Ankündigungen auch entsprechende Handlungen folgen zu lassen.
"Das ist der entscheidende Maßstab, woran wir die nordkoreanische Politik messen werden", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke. "Dafür reicht es nicht, eine Rede zu halten, die ja auch in sich teilweise einander widersprechende Passagen enthält." International waren Kims Ankündigungen mit Skepsis, aber auch mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen worden.
Kim hatte in einer Neujahrsansprache unerwartet versöhnliche Töne gegenüber Südkorea angeschlagen. "Entscheidend ist, dass nicht nur Dinge gesagt werden, sondern dass den Worten auch tatsächlich konkrete Taten für eine Entspannung auf der koreanischen Halbinsel folgen", sagte Peschke.
Als mögliche Entspannungssignale nannte er die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm und den Verzicht auf Provokationen wie Raketentests. Den Start einer nordkoreanischen Weltraumrakete im Dezember nannte Peschke einen klaren Rückschritt für eine Annäherung der beiden koreanischen Staaten.
"Wirtschaftlicher Riese" mit besseren Waffen
Tatsächlich wirkte der Inhalt von Kims Ansprache bemerkenswert. 2013 werde ein Jahr "großer Schöpfungen und Veränderungen sein, die einen radikalen Umschwung bewirken", versprach der Despot in seiner Botschaft. "Es ist wichtig, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden zu beenden." So könne "die Teilung des Landes beendet und seine Wiedervereinigung erreicht werden". Die Vergangenheit zeige, dass Konfrontation zwischen Landsleuten zu "nichts als Krieg" führe.
Kim forderte zudem einen radikalen Umschwung, der das bitterarme und international isolierte Land zu einem "wirtschaftlichen Riesen" machen soll. Dabei stünden die Landwirtschaft und die Leichtindustrie im Zentrum. Der erfolgreiche Start der Weltraumrakete soll dabei laut Kim als Ansporn für die Anstrengungen der Menschen dienen. Seit Jahren ist das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea auf Hilfe von außen angewiesen.
Zugleich sendete Kim ein widersprüchliches Signal, als er betonte, es sei für Nordkorea nötig, bessere Waffen zu entwickeln und die militärische Stärke weiter auszubauen. "Nur wenn wir unsere Militärmacht in jeder Hinsicht weiterentwickeln, wird das Land prosperieren und die Sicherheit und Zufriedenheit seiner Bürger steigen", sagte er. Allerdings erwähnte der Machthaber in seiner Rede die umstrittenen Atomwaffen nicht direkt.
jok/dpa/Reuters/AFP
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