Nordkorea Diktator Kim soll Sohn zum Nachfolger erkoren haben

In Nordkorea mehren die Anzeichen für eine Erbe-Regelung Kim Jong Ils. Südkoreanischen Berichten zufolge wurde der jüngste Sohn des Diktators offiziell in den Rang des Nachfolgers gehoben. Der Mittzwanziger gilt seit längerem als Favorit.


Seoul - Der jüngste Sohn des nordkoreanischen Staatsoberhaupts Kim Jong Il ist Medienberichten zufolge als nächster Führer des kommunistischen Landes nominiert worden. Mehrere südkoreanische Zeitungen berichteten am Dienstag, dass die nordkoreanische Regierung kurz nach dem Nukleartest vom 25. Mai eine entsprechende Mitteilung an die diplomatischen Vertretungen des Landes geschickt habe.

Kim habe in der vergangenen Woche Parlament, Armee und Botschafter seines Landes über die Entscheidung informiert, hieß es. Ein südkoreanischer Abgeordneter sagte dem Rundfunk seines Landes, dass das Parlament in Seoul am Montag vom Nationalen Geheimdienst über die Nachfolgeregelung in Kenntnis gesetzt worden sei. Demnach muss in Nordkorea bereits die Treue auf Kim Jong Un geschworen werden.

Spekulationen um den Nachfolger Kims gibt es verstärkt seit dem vergangenen Sommer, als das Staatsoberhaupt einen Schlaganfall erlitten haben soll. Kim Jong Il war im vergangenen Jahr wochenlang von der öffentlichen Bildfläche verschwunden.

Der 25 oder 26 Jahre alte Kim Jong Un gilt im Ausland bereits seit längerem als Favorit für die Machtnachfolge in dem weitgehend abgeschotteten Land. Er ist der jüngste von drei bekannten Söhnen Kims.

Von Jong Un, der aus Kims dritter Ehe stammt, ist wenig bekannt. Er soll in der Schweiz in eine internationale Schule gegangen sein. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte im Januar berichtet, Kim Jong Il habe bereits die kommunistische Arbeiterpartei davon informiert, dass sein dritter Sohn als Machterbe bestimmt worden sei. Im April bekam er einen Posten im Nationalen Verteidigungsausschuss des Landes, der die 1,2 Millionen Soldaten starke Armee Nordkoreas kontrolliert.

Berichten vom Dienstag zufolge arbeitet Nordkorea indes neben dem Start einer Interkontinentalrakete offensichtlich auch an Tests für den Start einer Mittelstreckenrakete. Anzeichen dafür seien an einer Abschussanlage an der Ostküste des Nachbarlandes beobachtet worden, zitierte Yonhap einen Abgeordneten. Der Politiker sei vom Verteidigungsministerium in Seoul informiert worden. Details wurden zunächst nicht bekannt.

amz/Reuters/AP



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