Nordkorea Trump bringt direkte Gespräche mit Kim ins Spiel

"Gefestigtes Genie" ruft "kleinen Raketenmann"? US-Präsident Trump sagt überraschend, er würde mit Diktator Kim auch persönlich am Telefon verhandeln. Hintergrund ist ein diplomatischer Vorstoß Südkoreas.


Kehrtwende im Weißen Haus? Nach dem Atomknopfzwist zwischen Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ("Mein Atomknopf ist viel größer und machtvoller") hat der US-Präsident überraschend versöhnliche Töne angeschlagen. Er sei "absolut gewillt", mit Kim selbst telefonisch in Kontakt zu treten, sagte Trump auf eine entsprechende Reporterfrage.

Trump, der Kim noch vor Kurzem als "kleinen Raketenmann" ("Little Rocket Man") bezeichnete, äußerte sich zudem wohlwollend über Pläne Südkoreas, mit dem schwierigen nördlichen Nachbarn in direkte Verhandlungen zu treten. Auch Nordkoreas mögliche Teilnahme an den olympischen Winterspielen in Südkorea sei "ein Anfang, ein großer Anfang", so Trump. "Wenn etwas aus solchen Gesprächen würde, wäre das eine große Sache für die ganze Menschheit, das wäre eine große Sache für die Welt", sagte der US-Präsident.

Geschäftige Olympia-Diplomatie

Hintergrund von Trumps Äußerung sind Versuche einer vorsichtigen Annäherung zwischen Nord- und Südkorea: Der isolierte Norden wird nach Angaben seines Vertreters beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) "wahrscheinlich" an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen. Gleichzeitig konkretisieren sich die Planungen für ein ranghohes bilaterales Treffen am Dienstag.

Nordkoreas IOC-Vertreter Chang Ung äußerte sich laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag bei einem Zwischenstopp am Flughafen von Peking zur Teilnahme seines Landes an den Winterspielen, die vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang stattfinden. Dem Bericht zufolge war Chang offenbar auf dem Weg zum Hauptsitz des IOC in Lausanne, um dort über die Teilnahme seines Landes an den Winterspielen zu beraten.

Seoul und die Organisatoren der Winterspiele hoffen auf die Teilnahme des Nordens, um eine Annäherung der beiden Staaten zu ermöglichen. Der Konflikt auf der seit 1953 geteilten Halbinsel hatte sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Grund dafür waren unter anderem mehrere Raketentests und der sechste, bislang gewaltigste Atomtest Nordkoreas.

Seit Jahresbeginn kam jedoch Bewegung in den Konflikt, nachdem Kim in seiner Neujahrsansprache Dialogbereitschaft mit dem Süden signalisiert hatte. Dabei deutete er auch an, dass sein Land an den Olympischen Winterspielen teilnehmen könne. Seoul begrüßte das Zeichen der Dialogbereitschaft und bereits am Mittwoch schalteten die beiden Länder einen seit knapp zwei Jahren abgeschalteten Kommunikationskanal wieder frei. Die USA und Südkorea erklärten, während der Olympischen Winterspiele auf eine gemeinsame Militärübung zu verzichten.

Signale der Entspannung

Für Dienstag sind die ersten direkten Gespräche zwischen Seoul und Pjöngjang seit mehr als zwei Jahren geplant. Bei dem Treffen im Grenzort Panmunjom in der entmilitarisierten Zone soll unter anderem über die mögliche Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen beraten werden. Südkoreas fünfköpfige Delegation wird von Vereinigungsminister Cho Myung Gyon angeführt, wie sein Ministerium am Samstag mitteilte. Er wird unter anderem von zwei Vizeministern begleitet werden, einer von ihnen sei für Sport zuständig.

Am Sonntag übermittelte die nordkoreanische Regierung dem Süden eine Liste mit den Namen ihrer Unterhändler. Die Delegation wird demnach von Pjöngjangs Beauftragtem für die interkoreanischen Angelegenheiten, Ri Son Gwon, angeführt. Ihm zur Seite stehen vier weitere Regierungsvertreter, darunter zwei mit dem Aufgabenbereich Sport.

In den vergangenen Monaten hatte Nordkoreas Machthaber Kim die internationale Gemeinschaft mit Raketentests und dem bislang gewaltigsten Atomtest provoziert. Er verstieß damit gegen Resolutionen der Vereinten Nationen. Nordkorea argumentiert, es benötige seine Waffenprogramme zur Verteidigung gegen die USA. Zudem lieferte sich Kim einen verbalen Schlagabtausch mit US-Präsident Trump, was vor dem Hintergrund der nordkoreanischen Raketen- und Atomwaffentests international die Sorge vor einem Atomkrieg auslöste.

US-Präsident Donald Trump hat indessen deutlich gemacht, wem die Welt seiner Meinung nach die jüngsten Entwicklungen zu verdanken hat: ihm selbst. "Hätte ich mich nicht eingemischt, würden sie jetzt überhaupt nicht reden", so Trump.

beb/afp

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
modemhamster 07.01.2018
1. Hmmm,
hatte Kim nicht schon vor einiger Zeit Gespräche vorgeschlagen oder trügt mich da die Erinnerung? Nee, war sogar gerade erst: Die Washington Post schreibt: "South Korea leaped Tuesday at an offer of talks from North Korean leader Kim Jong Un [...]" Also, das Dialogangebot kommt von NK, nicht Trump.
timi_moon 07.01.2018
2. "Hätte ich mich nicht eingemischt ..."
Als Tillerson von Kontaktaufnahme zu Nordkorea sprach, hatten die Staaten noch eine Möglichkeit, steuernd einzugreifen. Jetzt sind sie raus, und die Streithähne klären den Konflikt untereinander. Wenn das gut geht, wird ein weiteres Steinchen aus dem Allmachtsgebäude der USA fallen. Nur weiter so, Herr Trump.
shakshirak 07.01.2018
3.
Das ist doch albern. Erstens sollte inzwischen jedem aufgegangen sein, dass Herr Trump viel erzählt, wenn der Tag lang ist. Zweitens gibt es wohl keinen klar denkenden Menschen, der annimmt, dass direkte Gespräche zwischen diesen Staatsoberhäuptern zu einer Lösung des Konfliktes beitragen könnten.
großwolke 07.01.2018
4. Und warum ist das passiert?
Zitat von modemhamsterhatte Kim nicht schon vor einiger Zeit Gespräche vorgeschlagen oder trügt mich da die Erinnerung? Nee, war sogar gerade erst: Die Washington Post schreibt: "South Korea leaped Tuesday at an offer of talks from North Korean leader Kim Jong Un [...]" Also, das Dialogangebot kommt von NK, nicht Trump.
Die USA haben Südkorea Munition geliefert (Satellitenfotos) mit der chinesische Öltanker abgefangen werden konnten, die die UN-Sanktionen unterlaufen haben. Trumps Strategie, den Druck immer weiter aufzubauen, war sicherlich riskant, aber sie ist aufgegangen. Nordkorea sieht seine Felle wegschwimmen, und versucht gegenzulenken, bevor Hungersnot und Volksaufstände eintreten. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie Trump erst vor Kurzem Tillerson zurückgepfiffen hat, als der Gesprächsangebote gemacht hat? Trump ging des darum, dass Kim sich zuerst bewegen muss, und das hat er jetzt erreicht. Bleibt nur zu hoffen, dass Moon Jae-in diese Position der Stärke nicht leichtfertig verspielt, nur um auf gut Wetter zu machen. Ich vermute, Trumps Bestreben, sich dort jetzt einzuklinken, dient der Vermeidung genau dessen.
kleinbürger 07.01.2018
5. klar denken
Zitat von shakshirakDas ist doch albern. Erstens sollte inzwischen jedem aufgegangen sein, dass Herr Trump viel erzählt, wenn der Tag lang ist. Zweitens gibt es wohl keinen klar denkenden Menschen, der annimmt, dass direkte Gespräche zwischen diesen Staatsoberhäuptern zu einer Lösung des Konfliktes beitragen könnten.
sehe ich anders. in meinen augen ist nur jemand klar denkend der die machtstellung kims in nordkoreas in betracht zieht und da kann man - klar denkend - nur zu dem schluss kommen, nur ein direktes gespräch zwischen staatsoberhäuptern könnte zu einer lösung beitragen.
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