Streit über Atomwaffen: Nordkorea droht seinen Feinden

Die Botschaft aus Pjöngjang klingt drohend: Man sei gezwungen, die atomare Frage komplett zu überprüfen, teilte das Außenministerium Nordkoreas mit. Die Warnung könnte Beobachtern zufolge auf einen neuerlichen Atomwaffentest hindeuten.

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un (im Januar): Warnung des Außenministeriums Zur Großansicht
REUTERS

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un (im Januar): Warnung des Außenministeriums

Seoul - Die Drohungen erfolgten nur wenige Tage nach dem Umbau der Militärspitze: Nordkorea hat im Konflikt um sein Atomwaffenprogramm unbestimmte Warnungen gegen seine Feinde ausgesprochen. "Die Umstände zwingen uns, die atomare Frage vollständig zu überprüfen", hieß es am Freitag in einer von den Staatsmedien veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Experten rechnen seit Wochen mit einem dritten Atomtest, nachdem das Regime im Oktober 2006 und im Mai 2009 bereits Bomben getestet hatte.

Am Donnerstag hatte das Regime Südkorea und den USA vorgeworfen, Anschläge auf Statuen geplant zu haben. Bei einer Pressekonferenz war ein Nordkoreaner präsentiert worden, der laut Angaben der Behörden nach einem Aufenthalt im Süden mit der Anweisung zurückgekommen sei, die Statuen der verstorbenen Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il zu sprengen.

Der streng abgeschottete kommunistische Staat hat zahlreiche Statuen zu Ehren des Staatsgründers und seines Sohns und Nachfolgers errichtet. Der südkoreanische Geheimdienst wies die Vorwürfe umgehend zurück, bestätigte aber, dass der vorgeführte Mann tatsächlich 2010 in den Süden geflohen war.

Kims Streben nach mehr Respekt

Laut Beobachtern will Nordkorea mit den Drohungen Druck auf die USA ausüben, damit Washington wieder den Dialog mit Pjöngjang aufnehme. In diesem Sinne zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul.

Im Mai hatte Nordkorea angebliche Pläne für einen neuerlichen Atomtest dementiert. Zugleich hatte das kommunistische Land jedoch damit gedroht, seine "atomare Abschreckung" auszubauen.

In dem abgeschotteten Land könnte derzeit Bewegung in das Machtgefüge kommen: Dem neuen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un wurde diese Woche nach offiziellen Angaben der Marschall-Titel verliehen. Beobachter vermuten, mit dem symbolischen Schritt wolle sich der knapp 30-Jährige noch mehr Respekt in der Volksarmee verschaffen. Am Freitag hatten Vermutungen für Aufsehen gesorgt, Kim wolle dem Militär die Macht über die Wirtschaft des Landes entreißen.

fdi/AFP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nordkorea droht.......
IchkannNixDafuer 20.07.2012
Kann mal jemandem dem kleinen Dicken Kim Jong Dumm von Nordkorea Bescheid geben, dass man für seine angeblichen Atomraketen gerade keine Zeit hat? Wir haben wichtigere Dinge im Westen, als auf seine Wunderkerzen ähnlichen Kipp- und Fallraketchen zu achten. Der Iran will eines auf die Mütze, Syriens Schlächter entmachtet werden, Griechen und weitere Südlander aus dem Euro gejagt werden, in Deutschland sämtliche männlichen Wesen seit 1988 zwangsweise beschnitten werden wegen der Religionsfreiheit. Also wer hat da noch Zeit um auf Kim Jong Dumm zu achten?
2. Dahinter steht Nachbar und Großmacht China
zeitmax 20.07.2012
dem die Ausdehnung des militärischen US-Einflusses über den Pazifik in dieser Gegend ganz und gar nicht paßt. Und die USA stehen vor der Entscheidung, hier oder gegen Iran einen Ablenkungskrieg zu starten - Ablenkung von der zunehmenden wirtschaftlichen Agonie im eigenen Land und Ankurbelung des miltärisch-industriellen Komplexes...
3. Moppelchens Wintermärchen
Stelzi 20.07.2012
Das hat sich so abgespielt: Beim feudalen Frühstück legte der Energieminister unserem Moppelchen die neuesten Zahlen zu den volkseigenen Heizöl Beständen vor: 0,0 Moppelchen ist zunächst irritiert und meint: "Wie jetzt, mir ist doch gar nicht kalt!" Seine Berater weisen ihn darauf hin, dass der nächste Winter bestimmt kommt, woraufhin Moppelchen sich sein iPad angelt und die Kalender App öffnet: Oh Schreck, oh Schreck, der Winter ist nimmer weit weg! "Was können wir da tun?" fragt Moppelchen in die Runde. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: "Was wir immer tun, geliebter Führer, wir drohen zeitig mit dem Atomkrieg und der dekadente Westen erzittert vor Angst, sodass er uns schon nächsten Monat einen Tanker voll mit Heizöl schickt." "Und das funktioniert immer noch!?" fragt Moppelchen. "Todsicher, geliebter Führer! Der Westen ist dekadent und schwach, er kann gar nicht anders als unsere Bedingungen zu erfüllen - oder sonst...!"
4. Yoooh
geotie 21.07.2012
Zitat von IchkannNixDafuerKann mal jemandem dem kleinen Dicken Kim Jong Dumm von Nordkorea Bescheid geben, dass man für seine angeblichen Atomraketen gerade keine Zeit hat? Wir haben wichtigere Dinge im Westen, als auf seine Wunderkerzen ähnlichen Kipp- und Fallraketchen zu achten. Der Iran will eines auf die Mütze, Syriens Schlächter entmachtet werden, Griechen und weitere Südlander aus dem Euro gejagt werden, in Deutschland sämtliche männlichen Wesen seit 1988 zwangsweise beschnitten werden wegen der Religionsfreiheit. Also wer hat da noch Zeit um auf Kim Jong Dumm zu achten?
Warum nicht, vielleicht will der kleine Dicke nur sagen, dass demnächst wieder eine Rakete vom Himmel fällt und man sich deshalb ducken sollte. Eigentlich 'ne nette Geste, wäre da nicht…
5. Nord-Korea
grafwagner 21.07.2012
...stimmt! Sie haben es auf den Punkt gebracht! Derzeit hat die Weltgemeinschaft und manche Regionen im Speziellen übergreifende Strukturverknotungen zu lösen. Der örtliche Image Aufbau des geliebten Enkel-Unterdrückers disponiert derzeit nicht wirklich. Das noch frische Update mit Generation 3 ist sehr spannend zu beobachten und zu registrieren, der Spiegel scheibt einiges darüber (super! und vielen Dank dafür). Doch erst ab Mitte 2013 dürfte wieder Platz im globalen Terminer sein. In der Zwischenzeit würde es völlig ausreichen, Nord-Korea den Google Earth Account zu sperren, dann fehlen ihnen mit einem Mouse Click die Ziel-Koordinaten für ihre Schießpulver-Drohungen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
Fotostrecke
Entlassener General Ri Yong: Der Hardliner muss gehen

Fotostrecke
Kim Jong Un: Vorsichtige Reformsignale

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon

Fotostrecke
Nordkorea: Alltag in einem abgeschottetem Land

Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)