Seoul - Die Drohungen erfolgten nur wenige Tage nach dem Umbau der Militärspitze: Nordkorea hat im Konflikt um sein Atomwaffenprogramm unbestimmte Warnungen gegen seine Feinde ausgesprochen. "Die Umstände zwingen uns, die atomare Frage vollständig zu überprüfen", hieß es am Freitag in einer von den Staatsmedien veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Experten rechnen seit Wochen mit einem dritten Atomtest, nachdem das Regime im Oktober 2006 und im Mai 2009 bereits Bomben getestet hatte.
Am Donnerstag hatte das Regime Südkorea und den USA vorgeworfen, Anschläge auf Statuen geplant zu haben. Bei einer Pressekonferenz war ein Nordkoreaner präsentiert worden, der laut Angaben der Behörden nach einem Aufenthalt im Süden mit der Anweisung zurückgekommen sei, die Statuen der verstorbenen Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il zu sprengen.
Der streng abgeschottete kommunistische Staat hat zahlreiche Statuen zu Ehren des Staatsgründers und seines Sohns und Nachfolgers errichtet. Der südkoreanische Geheimdienst wies die Vorwürfe umgehend zurück, bestätigte aber, dass der vorgeführte Mann tatsächlich 2010 in den Süden geflohen war.
Kims Streben nach mehr Respekt
Laut Beobachtern will Nordkorea mit den Drohungen Druck auf die USA ausüben, damit Washington wieder den Dialog mit Pjöngjang aufnehme. In diesem Sinne zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul.
Im Mai hatte Nordkorea angebliche Pläne für einen neuerlichen Atomtest dementiert. Zugleich hatte das kommunistische Land jedoch damit gedroht, seine "atomare Abschreckung" auszubauen.
In dem abgeschotteten Land könnte derzeit Bewegung in das Machtgefüge kommen: Dem neuen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un wurde diese Woche nach offiziellen Angaben der Marschall-Titel verliehen. Beobachter vermuten, mit dem symbolischen Schritt wolle sich der knapp 30-Jährige noch mehr Respekt in der Volksarmee verschaffen. Am Freitag hatten Vermutungen für Aufsehen gesorgt, Kim wolle dem Militär die Macht über die Wirtschaft des Landes entreißen.
fdi/AFP/dpa
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