Vor Trump-Gipfel Nordkorea entlässt offenbar hochrangige Militärs

Geschieht es aus Rücksicht auf die USA? Im Streit über den künftigen Kurs? Gut eine Woche vor dem geplanten Gipfel zwischen Kim Jong Un und Donald Trump hat Nordkorea drei wichtige Militärs geschasst.

Kim Jong Un
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Kim Jong Un


Nordkorea hat offenbar wenige Tage vor dem geplanten Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un drei führende Militärvertreter ausgetauscht.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Geheimdienstkreise, Generalstabschef Ri Myong Su sei durch seinen bisherigen Stellvertreter Ri Yong Gil ersetzt worden. Zudem sei Verteidigungsminister Pak Yong Sik von dem bisherigen ersten Vizeminister No Kwang Chol abgelöst worden.

Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, bestätigte den Vorgang. Man gehe davon aus, dass es in der nordkoreanischen Armee zu Meinungsverschiedenheiten über den Kurs von Staatschef Kim Jong Un in Bezug auf Südkorea und die USA gekommen sei.

Zuletzt hatten außerdem staatliche nordkoreanische Medien berichtet, dass Kim Su Gil zum Direktor des mächtigen militärischen Politbüros (GPB) ernannt worden sei. Er ersetze Kim Jong Gak.

Ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums sagte am Montag, Seoul beobachtete die jüngsten Entwicklungen. Sollten sich die umfassenden Neubesetzungen bestätigen, sei dies ungewöhnlich.

Das Treffen von Trump und Kim soll am 12. Juni in Singapur stattfinden. Dabei soll es um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm gehen. Ende Mai hatte US-Außenminister Mike Pompeo Abgesandte von Nordkoreas Machthaber Kim zu Vorbereitungsgesprächen in den USA empfangen.

Kims Partei baut Kontrolle über Militär aus

Das Militär in Nordkorea verfügt über einen enormen Einfluss und bildet ein eigenes Machtzentrum. Dies zeigt sich darin, dass Machthaber Kim bei wichtigen Ereignissen auf der einen Seite von Generälen und auf der anderen Seite von Zivilisten flankiert wird.

Nach Angaben von Wissenschaftlern von NK Leadership Watch zeigt der Wechsel an der Spitze des militärischen Politbüros, dass die Partei ihre Kontrolle über die Volksarmee verstärken wolle. Das GPB könne sich möglicherweise politischen Entscheidungen der Staatsführung entgegenstellen oder versuchen, von künftigen Wirtschaftshilfen Südkoreas zu profitieren. Der neue GPB-Direktor Kim Su Gil sei ein sehr enger Vertrauter von Kim Jong Un.

Womöglich haben die personellen Wechsel das Ziel, den Widerstand altgedienter Militärs gegen plötzliche Änderungen in der Atompolitik des Landes zu vermeiden. No Kwang Chol, der neue Verteidigungsminister, gelte als "moderat", berichtete Yonhap unter Berufung auf Geheimdienste. "Der Norden scheint neue Leute hinzuzuziehen ... da es den früheren Vertretern an gedanklicher Flexibilität fehlte", hieß es.

Im Video: Trip nach Nordkorea - Bilder aus einem abgeschotteten Land

dbate.de

cht/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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s.l.bln 04.06.2018
1. Man darf gespannt sein...
...ob es Kim gelingt, ähnlich wie Erdogan, die Macht des Militärs im Land zu brechen. Die tatsächliche Machtverteilung in Nordkorea ist traditionell nicht leicht zu durchschauen. Im Falle Erdogans darf das als Katastrophe gesehen werden. Bei Kim könnte das umgekehrt sein, falls er tatsächlich eine Öffnung des Landes vor hat.
PaulchenGB 04.06.2018
2. KIMs Diktatur hat nur Bestand durch den Rückhalt des Militärs
von dem es abhängt, ob er sicher nach dem Gipfel nach Nord-Korea zurückkehren kann oder ins Exil gehen muss, je nachdem welches Land ihm und seiner Familie die von ihm geforderten Sicherheitsgarantien gibt, die Bestandteil seiner "Atom-Deal-Forderungen" sind. Dass eine Putschgefahr besteht, hat KIM erkannt und deshalb eine "Säuberung" vorgenommen. KIM ist Vasal von China und vom Militär abhängig und muss nun auch noch einigermassen mit Trump klar kommen. Der 12.6. steht unter keinem so guten Stern.
rkinfo 04.06.2018
3. China will Ruhe haben
Zitat von s.l.bln...ob es Kim gelingt, ähnlich wie Erdogan, die Macht des Militärs im Land zu brechen. Die tatsächliche Machtverteilung in Nordkorea ist traditionell nicht leicht zu durchschauen. Im Falle Erdogans darf das als Katastrophe gesehen werden. Bei Kim könnte das umgekehrt sein, falls er tatsächlich eine Öffnung des Landes vor hat.
Kim Jong-un lebt vom Wohlwollen Chinas. Zudem ist auch den Hardcore - Militärs in Nordkorea klar, dass das Land innerhalb von Stunden durch die chinesische Volksarmee einnehmbar wäre. Denke, dass China auch einen militärischen Beistandspakt anbietet, wenn Nordkorea sich dezent aus der Weltpolitik zurück zieht. D. Trump will dort auch nur Ruhe haben,den militärisch kann er dort nichts gewinnen.
TY22 04.06.2018
4. Clever
Ich glaube, dass Kim sehr clever agiert. Viel cleverer als es den Anschein hat. Ich glaube, dass er eine Öffnung seines Landes nach dem chinesichen Vorbild schon lange geplant hat. Die ganzen Raketentests und Provokationen Richtung USA und Südkorea waren eine Art "Vorspiel" dessen. Damit wollte er nochmal seine Stärke und Entschlossenheit demonstrieren (auch seinen eigenem Volk und seinem Militär gegenüber), bevor er auf die anderen Zugeht und Kompromisse eingeht, die erst eine Öffnung ermöglichen. China hat es vorgemacht, wie man aus einer verarmten, kommunistischen Diktatur innerhalb von wenigen Jahrzehnten zu einer Supermacht aufsteigen kann. Nordkorea hätte auch die besten Voraussetzungen dafür (Superbillige Arbeitskräfte, loyal dem Staat ergeben).
pragmat 04.06.2018
5. Hardliner
Man hatte es schon von Anfang an vermutet, dass es nordkoreanische Hardliner waren, welche das geplante Treffen zwischen dem nord- und südkoreanischen Militär mitte Mai in Panmunjon zum Platzen brachten. Die vermittelten das über ein südkoreanisches Nachrichtenbüro mit guten Kontakten in den Norden. Damit brachten die den ganzen Zeitplan für die Denuklearisierung ins Wanken, was dann die Herren Trump und Kim schleunigst reparierten. Man wird sehen, ob die Entmachtung ausreichte, um Ruhe im Glied zu erreichen.
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