Jeffrey Fowle Nordkorea lässt US-Bürger nach monatelanger Haft frei

Wegen einer liegengelassenen Bibel saß Jeffrey Fowle in Nordkorea im Gefängnis. Nun lässt das Regime in Pjöngjang ihn zurück in die USA reisen - zwei andere US-Bürger bleiben in Haft.

Jeffrey Fowle (Bild aus Video): Auf dem Weg zu seiner Familie
AP/APTN

Jeffrey Fowle (Bild aus Video): Auf dem Weg zu seiner Familie


Pjöngjang - Fünf Monate saß der US-Bürger Jeffrey Fowle in einem Gefängnis in Nordkorea - weil er eine Bibel auf der Toilette eines Klubs für ausländische Seeleute liegengelassen haben soll. Nun hat das Regime in Pjöngjang den 56-Jährigen freigelassen. Fowle habe das Land verlassen und sei auf dem Weg nach Hause zu seiner Familie, teilte das US-Außenministerium mit.

Wie genau es zu der Freilassung kam, blieb zunächst unklar. Erst im August war ein Video veröffentlicht worden, in dem ein handgeschriebener Brief Fowles zu sehen ist. Darin heißt es: "Bitte helft mir, zurück nach Hause zu kommen!"

Fowle war Anfang Mai mehrere Tage durch Nordkorea gereist. Der 56-Jährige aus Ohio soll am 4. Mai zu Gast im Restaurant des Klubs in Chongjin an der Ostküste des Landes gewesen sein, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Dort soll ein Angestellter des Klubs die Bibel gefunden und die nordkoreanischen Behörden verständigt haben.

In die Bibel hatte er demnach seinen Namen und seine Telefonnummer geschrieben, zwischen den Seiten steckten zudem Fotos von ihm und seiner Familie. Drei Tage später wurde Fowle am Flughafen von Pjöngjang verhaftet, als er das Land verlassen wollte.

Nach Darstellung Pjöngjangs handelt es sich bei Bae um einen militanten evangelikalen Christen, der die Nordkoreaner zum Sturz der Führung aufwiegeln wollte. US-Angaben zufolge war Bae als Reiseveranstalter tätig.

Die US-Regierung forderte Pjöngjang auf, auch die beiden anderen inhaftierten US-Bürger Matthew Todd Miller und Kenneth Bae freizulassen. Miller war Mitte September vom Obersten Gerichtshof in Pjöngjang wegen angeblicher staatsfeindlicher Handlungen zu sechs Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Er soll bei seiner Einreise als Tourist sein Visum zerrissen und dabei laut ausgerufen haben, dass er Asyl beantragen wolle. Den Missionar Kenneth Bae hatte ein Gericht im vergangenen Jahr wegen angeblicher Umsturzversuche zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

In den vergangenen Jahren gerieten immer wieder ausländische Missionare in Nordkorea in Schwierigkeiten. Im März verwies Pjöngjang einen inhaftierten australischen Missionar des Landes. Ende Mai wurde ein Südkoreaner zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt - wegen angeblicher Spionage und staatsfeindlicher religiöser Umtriebe. Christen werden von dem Regime weltweit am stärksten verfolgt. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2013 hervor, den das christliche Hilfswerk Open Doors im vergangenen Jahr veröffentlichte. Allein der Besitz einer Bibel kann demnach die Todesstrafe zur Folge haben.

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brk/dpa/AFP

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global player 21.10.2014
1. Ranking
"Allein der Besitz einer Bibel kann demnach die Todesstrafe zur Folge haben." Nordkorea versucht offensichtlich, auf der Liste der verrücktesten Länder der Welt ganz oben zu stehen.
gandhiforever 21.10.2014
2. Der Mann hatte seine Bibel kaum unabsichtlich
liegen gelassen. Wer mit diesem Buch in ein religionsfeindliches Land reist und dieses dann dort 'vergisst', der sollte sich auf groessere Probleme gefasst machen. Der Mann hat mehr Glueck als Verstand.
kappesstepp 21.10.2014
3. Das ist
Zitat von global player"Allein der Besitz einer Bibel kann demnach die Todesstrafe zur Folge haben." Nordkorea versucht offensichtlich, auf der Liste der verrücktesten Länder der Welt ganz oben zu stehen.
stehen sie schon, da stehen sie schon, mit großem Abstand...
Das Pferd 21.10.2014
4.
Zitat von kappessteppstehen sie schon, da stehen sie schon, mit großem Abstand...
aber sie Konkurrenz schläft nicht.....
tabernakelmenetekel 21.10.2014
5. freut mich sehr zu hören....
Kim yong unding hat wohl gesehen wie die gebetsmärsche zur friedlichen revolution führten und so auch zur deutschen wiedervereinigung geführt haben. Wie Honecker hätte der möchtegern gott dann nix mehr zu melden und wäre dann wohl auch wie honi auf die Nächstenliebe eines pfarrers angewiesen der ihn aufnahm. Dann wäre wohl auch noch abspecken angesagt
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