Konflikt mit Pjöngjang Japan will nordkoreanische Rakete notfalls abschießen

In Nordkorea steht offenbar der Start einer Langstreckenrakete unmittelbar bevor, Satellitenbilder zeigen Vorbereitungen an der Abschussbasis. Die Regierung in Tokio reagiert empört und demonstriert Entschlossenheit: Man werde den Flugkörper abfangen, falls er Japan zu nahe kommt.

Nordkoreanische Rakete (Archivbild): Lastwagen und Treibstofftanks in der Nähe der Rampe
REUTERS/ KRT

Nordkoreanische Rakete (Archivbild): Lastwagen und Treibstofftanks in der Nähe der Rampe


Seoul/Pjöngjang - Die Besorgnis bei Nordkoreas Nachbarn wächst: Es mehren die Meldungen, dass die Führung in Pjönjang - trotz internationaler Proteste - die Vorbereitungenfür den umstrittenen Test einer Langstreckenraketevorantreibt. Japan hat nun reagiert: "Ich habe einen Zerstörungsbefehl erteilt", sagte Verteidigungsminister Naoki Tanaka am Freitag in Tokio.

Das Verteidigungsministerium in Tokio ordnete die Streitkräften an, die Rakete abzuschießen, sollte sie in den japanischen Luftraum eindringen. Zuvor hatte das Kabinett von Regierungschef Yoshihiko Noda der Anordnung zugestimmt.

Anfang der Woche hatte Tanaka bereits Abwehrraketen in Stellung bringen lassen. Über 5500 Kilometer kann das nordkoreanische Geschoss fliegen - damit also auch bis nach Japan. Südkorea drohte ebenfalls bereits mit einem Abschuss der Rakete.

Neue Satellitenbilder

Ungeachtet der Kritik laufen in Nordkorea die Vorbereitungen für den Raketenstart offenbar weiter. Satellitenbilder, die am Donnerstag vom privaten US-Fotodienst DigitalGlobe aufgenommen und auf der Internetseite "38North" veröffentlicht wurden, zeigen den Angaben zufolge Arbeiten an der Abschussrampe im Nordwesten des Landes.

Eine Analyse im Auftrag des USA-Korea-Instituts der Johns Hopkins School of Advanced International Studies spricht von Lastwagen, Treibstofftanks und Arbeiten an der Rampe. Die japanische Zeitung "Tokyo Shimbun" hatte am Donnerstag berichtet, es sei bereits mit dem Auftanken des Treibstoffbehälters der Rakete begonnen worden.

Mitte März hatte Nordkorea angekündigt, mit Hilfe einer Langstreckenrakete einen zivilen Satelliten ins All schießen zu wollen. Der Start sei zu Ehren des 100. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung gedacht, erklärte das Regime.

Die USA und Südkorea sehen darin aber einen verdeckten Test einer militärischen Rakete mit großer Reichweite, die einen Atomsprengkopf tragen könnte. US-Präsident Barack Obama hat die nordkoreanische Führung aufgerufen, auf das Vorhaben zu verzichten, was Pjöngjang jedoch umgehend zurückwies. Die USA nahmen ihre Zusage für Lebensmittellieferungen an Pjöngjang daraufhin zurück.

Zwei Raketentests

Wie der südkoreanische Rundfunksender KBS und die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" am Freitag unter Berufung auf südkoreanische Militärkreise berichteten, feuerte Nordkorea am Donnerstag zwei Flugkörper mit kurzer Reichweite zu Testzwecken ab.

Die Raketen seien am Donnerstag von Nordkoreas Westküste aus abgeschossen worden, hieß es. Dabei habe es sich um zwei "Boden-Schiff-Raketen" vom Typ KN-01 mit einer Reichweite von 120 Kilometern gehandelt. Das Regime in Pjöngjang wolle vermutlich durch den Test die Kapazität dieser Raketen verbessern. Der Abschuss könnte allerdings auch als Protest des kommunistischen Landes gegen die Verlegung weiterer Kriegsschiffe der südkoreanischen und amerikanischen Marine im Gelben Meer interpretiert werden, wurde ein ranghoher Militär zitiert. Nordkoreas Volksarmee feuert häufiger Testraketen von kurzer Reichweite ab.

Die Zeitung "Joong Ang Ilbo" berichtete ebenfalls von einem Raketentest, er soll demnach allerdings schon am Mittwoch erfolgt sein. Das Verteidigungsministerium in Seoul wollte sich nicht zu Berichten äußern.

heb/AFP/dpa/Reuters/dapd

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geotie 31.03.2012
1. yooh
In Anbetracht das es dort kaum was zu holen gibt, können diese Raketen nicht für die Verteidigung gedacht sein sondern für den Angriff. Oder kann mir jemand sagen, was es dort zu verteidigen gibt? Vielleicht die Freiheit, die Tränendrüsen der Heulsusen, den schlanken Körpern der Einheimischen, die Höhe der Waffenausgaben, das freundschaftliche Verhältnis zu den Nachbarstaaten, der ganzen Welt oder doch nur die Ablenkung vor den Hunger, den Machtintrigen, das wohlfeile Leben der Maden im eigenen Volk. Ach, wir werden nie dahinter kommen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.