Öffentliches Geständnis Nordkorea führt verhafteten US-Bürger vor

Der US-Student Otto Warmbier soll versucht haben, in Pjöngjang ein politisches Banner zu stehlen. Nun hat er bei einem offenbar erzwungenen Auftritt ein tränenreiches Geständnis abgelegt.

Otto Warmbier in Pjöngjang: "Mein Vergehen ist sehr schwer und war geplant."
REUTERS/Kyodo

Otto Warmbier in Pjöngjang: "Mein Vergehen ist sehr schwer und war geplant."


Der in Nordkorea festgenommene US-Bürger Otto Warmbier hat ein öffentliches Geständnis abgelegt: "Ich habe das Verbrechen begangen, ein politisches Banner aus dem Mitarbeiterbereich des Yanggakdo-Hotels entwendet zu haben", sagte der 21- Jährige vor Medienvertretern in Pjöngjang.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA zitierte den Mann mit den Worten: "Mein Vergehen ist sehr schwer und war geplant."

Warmbier hatte mit einer zehnköpfigen Touristengruppe eine fünftägige Nordkoreareise über den Jahreswechsel unternommen. Der Student der University of Virginia wurde am 2. Januar auf dem Flughafen Pjöngjang festgenommen, kurz bevor er ein Flugzeug Richtung China besteigen wollte.

Bei seinem offenbar erzwungenen Auftritt behauptete Warmbier, ein Bekannter, der zu einer Kirche gehörte, habe ihm einen Gebrauchtwagen im Wert von 10.000 US-Dollar versprochen, wenn er der Kirche ein politisches Banner aus Nordkorea mitbringen würde. Außerdem habe die Kirche seiner Mutter 200.000 Dollar für den Fall versprochen, dass ihr Sohn in Nordkorea festgehalten würde.

Laut KCNA soll Warmbier unter Tränen gesagt haben, er sei beeindruckt davon, "wie menschlich Nordkorea Schwerkriminelle wie mich behandelt".

Das Regime in Pjöngjang machte keine Angaben dazu, welche Straftat Warmbier konkret vorgeworfen wird und welche Strafe ihm droht.

In den vergangenen Jahren hatte Nordkorea mehrfach US-Bürger festgenommen. Pjöngjang erpresste dadurch Besuche von ranghohen US-Vertretern: 2009 ließ das Kim-Regime die beiden Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling erst frei, nachdem Ex-Präsident Bill Clinton nach Nordkorea gereist war. Im November 2014 sicherte der Besuch von US-Geheimdienstkoordinator James Clapper die Freilassung des Missionars Kenneth Bae.

In den vergangenen Wochen hat sich der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA wegen jüngster Atombomben- und Raketentests des Regimes wieder verschärft. Washington plant weitere Sanktionen gegen Kim Jong Un.

syd/AP/Reuters

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