Nordkorea gegen USA Mit gezogenen Schwertern

Wer kann den aufgeladenen Konflikt zwischen den USA und Nordkorea entschärfen? China versucht es - und setzt auf Unterstützung aus Moskau.

HWEE YOUNG/ EPA/ REX/ Shutterstock

China will sich gemeinsam mit Russland für eine Entspannung in dem sich zuspitzenden Konflikt mit Nordkorea einsetzen. "China ist bereit, sich eng mit Russland abzustimmen, um dabei zu helfen, die Lage auf der (koreanischen) Halbinsel so schnell wie möglich zu entspannen und die betroffenen Parteien zu ermutigen, den Dialog wieder aufzunehmen", sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am späten Freitagabend in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Das gespannte Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea hatte Wang zuvor so beschrieben: "Die Vereinigten Staaten und Nordkorea liefern sich gerade einen Schlagabtausch mit gezogenen Schwertern. Sturmwolken sind aufgezogen."

Ziel Chinas und Russlands sei es, "alle Parteien wieder zurück an den Verhandlungstisch zu bringen". Einen Krieg und Chaos auf der koreanischen Halbinsel zu verhindern, sei "im allgemeinen Interesse".

Fotostrecke

15  Bilder
Parade: Machtdemonstration in Pjöngjang

Der Konflikt um das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm hatte sich zuletzt verschärft. Es wurde befürchtet, dass die nordkoreanische Führung anlässlich des 105. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung am Samstag einen neuen Atomwaffentest vornehmen könnte. US-Experten zufolge zeigten Satellitenbilder bereits verdächtige Aktivitäten auf dem Testgelände Punggye Ri.

Wie sind die Positionen der Länder in dem Konflikt? Der Überblick.

  • USA

US-Präsident Donald Trump hat gedroht, die USA seien notfalls zu einem Alleingang bereit, wenn China nicht den Druck auf seine Verbündeten in Pjöngjang erhöhe. Washington kündigte an, wegen der Gefahr aus Nordkorea "militärische Optionen" zu prüfen. Vergangene Woche schickte die US-Armee den Flugzeugträger USS Carl Vinson und mehrere Kriegsschiffe zur koreanischen Halbinsel.

Die US-Regierung hat mitgeteilt, die Zeit einer Politik der "strategischen Geduld" mit Nordkorea sei vorbei. Vizepräsident Mike Pence wird Südkorea am Sonntag besuchen.

Die USA haben in den vergangenen Tagen mehrfach die Macht ihrer Streitkräfte gezeigt. Am Donnerstag setzten sie in Afghanistan erstmals in einem militärischen Konflikt ihre größte nichtnukleare Bombe ein. Vor gut einer Woche beschossen sie einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien.

Ein Tweet Trumps deutet darauf hin, dass er notfalls auch ohne chinesische Unterstützung handeln will: Er habe großes Vertrauen, dass China vernünftig mit Nordkorea umgehen werde, schrieb er. "Wenn sie das nicht können, werden die Vereinigten Staaten das mit ihren Verbündeten tun."

  • Nordkorea

Das stalinistische Land hat den USA mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sollten sie ihre "Provokationen" nicht einstellen. Die "militärische Hysterie" der Regierung von Präsident Donald Trump habe eine "gefährliche Phase erreicht, die nicht länger übersehen werden kann", hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. "Unsere härtesten Gegenmaßnahmen gegen die USA und ihre Vasallen-Kräfte werden in einer solch gnadenlosen Weise ergriffen, dass sie ein Überleben der Aggressoren nicht zulassen." Das schließt sich nahtlos die üblichen Drohungen an, man werde die USA zerstören.

Zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung hielt das Land eine riesige Militärparade ab. Nach Einschätzung von Waffenexperten wurden dabei auch neue Interkontinentalraketentypen präsentiert. Erstmals auf der Parade gezeigt wurden zudem Pukkuksong-Raketen, die von U-Booten aus abgefeuert werden und eine Reichweite von mehr als tausend Kilometern haben.

Fotostrecke

10  Bilder
Nordkoreas Militärparade: Drohungen am "Tag der Sonne"

Befürchtet wurde insbesondere, dass Kim Jong Un den höchsten Feiertag des Landes für den Start seiner ersten Interkontinentalrakete oder seinen sechsten Atomtest nutzen könnte. Das Land hat trotz Sanktionen der Vereinten Nationen mehrere Raketentests durchgeführt.

  • China

Das Land ist Nordkoreas einziger mächtiger Verbündeter. Aber selbst China hat sich gegen Raketen- und Atomtests ausgesprochen und unterstützt Uno-Sanktionen. Auch den wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea hat Peking erhöht. Am 26. Februar untersagte es alle Importe von Kohle aus dem Nachbarland - sie ist das wichtigste Exportprodukt Nordkoreas. Die Fluggesellschaft China Air hat Flüge nach Pjöngjang abgesagt.

Eine staatliche chinesische Zeitung schrieb, auch Nordkorea müsse die Detonation der "Mutter aller Bomben" gefühlt haben, die die USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Afghanistan abwarfen. "Es wäre schön, wenn die Bombe Pjöngjang einschüchtern könnte, aber sie könnte genau das Gegenteil bewirken", hieß es in einem Leitartikel.

  • Japan

Auch Japan beobachtet Nordkoreas Aktivitäten sehr genau. Bei einem Test im Februar war eine nordkoreanische Rakete rund 500 Kilometer weit geflogen, ehe sie zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan ins Meer stürzte. Experten gehen davon aus, dass die Rakete eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometern hat.

Sein Land müsse wachsam bleiben, sagte Außenminister Fumio Kishida. Unter anderem sei die japanische Regierung wegen Krisenplänen in stetem Austausch mit Tausenden Landsleuten in Südkorea.

ulz/AFP/AP/Reuters

insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
n.a.max 15.04.2017
1. Für die US-Admistration...
... wäre ein Krieg gegen das nicht Öl-Reiche, arme, soweit ich weiß keine Ressourcen habende Land ein "Nichtfinanzierbarer Krieg" frei nach Clausewitz. Sozialismus vs. Kapitalismus ist auch nicht mehr. Ergo werden die Amerikaner keinen Präventivschlag führen. thats it. Hoffe ich !
Bernhard.R 15.04.2017
2. Die Gefahr kommt aus den USA,
nicht aus Norkorea. Die USA hat 1.039 Atomtests (Quelle: Wikipedia) durchgeführt, mehr als alle anderen Staaten zusammen. Sie haben als erster und einziger Staat Atombomben eingesetzt. Seit dem 2. WK haben die US eine Reihe von Staaten überfallen. Zuletzt den Irak, Libyen und Syrien. Für diese Verbrechen wurde kein am. Politiker je bestraft. Jetzt bedrohen sie Nordkorea. Wenn die Staatengemeinschaft nicht zusammensteht und die USA isoliert, befürchte ich einen atomaren Konflikt.
hugotheKing 15.04.2017
3. Südkorea?
Was ist mit Südkorea? Ohne Südkorea können die USA keinen Krieg führen. Und dass gerade in Südkorea ein heißer Wahlkampf stattfindet, nachdem die Präsidentin unter anderem wegen Korruptionsaffäre abgesetzt wurde, sollte man auch noch erwähnen. Nicht sehr weit weg von der innerkoreanischen Grenze befindet sich der Großraum Seoul mit über 20 Mio. Einwohnern. Übrigens haben die südkoreanischen Regierungen keinen Krieg angefangen, nachdem nordkoreanische Spione eine südkoreanische Passagiermaschine von der Luft geholt hat, nachdem die Nordkoreaner das Fregattenschiff Cheonan versenkt haben, nachdem sie auf die Insel Yeonpyeong gefeuert hatten. Warum wohl? Im Falle eines Krieges werden viele, sehr viele Menschen sterben und leiden. Trumps "America first" wird nicht immer und überall klappen. Welche Regierung in Südkorea gewählt wird, keine wird für einen Krieg gegen Nordkorea stimmen.
ironcock_mcsteele 15.04.2017
4.
Warum sollte man den Konflikt entschärfen? Nordkorea muss früher oder später fallen und das Regime zur Rechenschaft gezogen werden. Alles, was seiner Schwächung dient, sollte unterstützt werden. Die Zerstörung selbst eines Teils des nordkoreanischen Atomprogramms ist konfliktentschärfend. Nichts zu tun wäre ein Signal an das Regime, das Verbot weiter zu missachten.
groova 15.04.2017
5. Für die USA fehlt der
Kriegseintrittsgrund. Es würde mich nicht wundern, würde demnächst ein Nord-Koreanisches Flugzeug in ein US-Kriegsschiff fliegen. Oder vielleicht wird die US U-Boot versenkt. Ganz sicher jedoch, würde es keine Zeugen geben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.