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Mindestens 150.000 Gefangene: Menschenrechtler prangern Nordkoreas Gulags an

Sie schuften in Bergwerken, werden gefoltert, viele offenbar willkürlich hingerichtet: Mindestens 150.000 politische Gefangene werden laut einem Bericht von Menschenrechtsaktivisten in nordkoreanischen Lagern gequält. Pjöngjang selbst spricht von "Erziehungsanstalten".

Straflager in den Bergen: Von Amnesty International veröffentlichte Satellitenaufnahme Zur Großansicht
AFP/ Amnesty International/ DigitalGlobe

Straflager in den Bergen: Von Amnesty International veröffentlichte Satellitenaufnahme

Pjöngjang - Es ist mal wieder Feierstunde in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang: Das kommunistische Regime hat am Dienstag Hunderte verdiente Bürger ausgezeichnet, Soldaten und Arbeiter erhielten den höchsten Orden des Landes für ihren Beitrag zum Aufbau eines "mächtigen und erfolgreichen sozialistischen Staates". Anlass für die Ehrung sind die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung.

Die Auszeichnung verdienter Bürger gehört zur Propaganda des abgeschotteten Landes - über missliebige Andersdenkende und das willkürliche Vorgehen der Behörden gegen angebliche Abtrünnige verliert das Regime dagegen kein Wort. Ein jetzt veröffentlichter Bericht von Menschenrechtsaktivisten gibt einen Einblick in die Brutalität des Regimes. "The Hidden Gulag", so lautet der Titel des 229-seitigen Berichts: "Der versteckte Gulag". Das in den USA ansässige Komitee für Menschenrechte in Nordkorea stützt sich darin auf Interviews mit 60 ehemaligen Häftlingen und Wärtern, die inzwischen nicht mehr in Nordkorea leben, sowie auf Satellitenaufnahmen mutmaßlicher Straflager. Die meisten Straflager, so der Bericht, würden im schwer zugänglichen bergigen Norden des Landes liegen.

Folter, Mangelernährung, Sklavenarbeit

Die Menschenrechtler kommen in ihrem Dokument zu alarmierenden Ergebnissen:

  • Demnach sitzen 150.000 bis 200.000 politische Häftlinge in nordkoreanischen Straflagern ein.
  • In den Lagern wird regelmäßig gefoltert.
  • Die Häftlinge bekommen kaum zu essen, viele leiden an Mangelernährung.
  • Es gibt eine hohe Zahl von Todesfällen, viele Gefangene sterben an den Folgen ihrer Haft, frühere Häftlinge berichten aber auch von Exekutionen in den Lagern.
  • Teilweise werden ganze Familien inhaftiert, als Strafe für angebliche Verbrechen von Verwandten.
  • Die Häftlinge werden wie Sklaven zur Arbeit gezwungen, etwa in Kohlebergwerken.

So berichtet der frühere Häftling Kim Yong, dass er während seiner Gefangenschaft in dem Lager Kwan-li-so immer wieder in Tanks mit eiskaltem Wasser stehen musste, das ihm bis zu den Hüften reichte. Sein Vater und sein Bruder waren wegen angeblicher Spionage für die USA hingerichtet worden. Rund zwei Jahre lang musste Kim Yong dem Bericht zufolge in einem Bergwerk arbeiten. Die Häftlinge litten unter den Haft- und Arbeitsbedingungen. Nachts waren sie in engen Baracken eingepfercht, 50 Arbeiter pro Raum, zum Schlafen standen drei Reihen mit Holzbänken zur Verfügung.

Todesstrafe - weil der Häftling Kastanien sammelte

Kim Yong berichtete zudem von willkürlichen Exekutionen. 25 Häftlinge seien in seiner Zeit der Gefangenschaft hingerichtet worden, sagte der Nordkoreaner laut dem Bericht. In einem Fall sei ein Häftling hingerichtet worden, weil er reife Kastanien, die von einem Baum gefallen waren, ohne Erlaubnis aufgesammelt hatte. Die meisten Todesfälle habe es wegen der Folgen von Mangelernährung und Krankheiten geben, berichtete demnach Kim Yong.

Auch Kang Chol-hwan war laut dem Bericht in Kwan-li-so inhaftiert, insgesamt war er zehn Jahre lang in Gefangenschaft. Eines Tages hatten Agenten vor der Tür gestanden und erklärt, dass der Großvater von Kang Chol-hwan, der wenige Wochen zuvor spurlos verschwunden war, Hochverrat begangen habe. Daraufhin wurde die gesamte Familie inhaftiert, lediglich die Mutter, die aus einer Politikerfamilie stammte, blieb frei. Sie musste sich aber auf Befehl des Regimes von ihrem Mann scheiden lassen. 1987 wurde Kang ohne weitere Begründung freigelassen.

Kim Tae-jin beschreibt seine Zeit der Gefangenschaft in dem Bericht der Menschenrechtsaktivsten als "ein Leben in der Hölle". 1986 hatte der gebürtige Chinese, der im Alter von fünf Jahren mit seiner Mutter nach Nordkorea gezogen war, Verwandte in China besucht. Wenige Monate später wurde er verhaftet und während der Verhöre gefoltert. Kim wurde Verrat vorgeworfen. Seine Peiniger schlugen ihn, ließen ihn nicht schlafen, zwangen ihn dazu, sich auf den Boden zu knien, stundenlang durfte Kim sich nicht bewegen. Zu essen bekam er kaum. Um zu überleben, aß er laut dem Bericht unter anderem Gras und Pflanzen. "Jede Woche" habe es Todesfälle wegen Mangelernährung gegeben. Nach viereinhalb Jahren wurde Kim freigelassen, später floh er nach China, inzwischen lebt er in Südkorea.

Pjöngjang hat seine Straflager weiter ausgebaut

Nach offizieller nordkoreanischer Darstellung existieren keine Straflager für politische Häftlinge. Es gebe auch keine politischen Häftlinge, hatte Nordkorea 2009 gegenüber den Vereinten Nationen erklärt. Es gebe lediglich "Erziehungsanstalten" für Bürger, die sich etwa "staatsfeindlicher Verbrechen" schuldig gemacht hätten.

Die Existenz von nordkoreanischen Straflagern für politische Häftlinge ist dem Ausland schon seit Jahren bekannt. Amnesty International hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass Pjöngjang die Straflager in den vergangenen zehn Jahren ausgebaut habe. "Hunderttausende Menschen existieren praktisch ohne Rechte und werden im Grunde als Sklaven behandelt", wurde damals Sam Zarifi, Leiter von Amnesty für die Region Asien-Pazifik, zitiert.

AP

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1.
loeweneule 10.04.2012
Zitat von sysopAFP/ Amnesty InternationalSie schuften in Bergwerken, werden gefoltert, viele offenbar willkürlich hingerichtet: Mindestens 150.000 politische Gefangene werden laut einem Bericht von Menschenrechtsaktivisten in nordkoreanischen Lagern gequält. Pjöngjang selbst spricht von "Erziehungsanstalten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826581,00.html
Da wollen wir doch gleich mal den westlichen Selbstbeschuldigungs- und Masochismusmodus einschalten und sowas schreiben wie: solange die USA Guantanamo unterhält, haben wir kein Recht, uns über sowas in anderen Ländern aufzuregen. Recht so, liebe Freunde von der Relativierungsfront? Gern geschehen.
2. Reinkarnation
Sabi 10.04.2012
Zitat von sysopAFP/ Amnesty InternationalSie schuften in Bergwerken, werden gefoltert, viele offenbar willkürlich hingerichtet: Mindestens 150.000 politische Gefangene werden laut einem Bericht von Menschenrechtsaktivisten in nordkoreanischen Lagern gequält. Pjöngjang selbst spricht von "Erziehungsanstalten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826581,00.html
Reinkarnation : Stalin lebt in der nordkoreanischen Kim Dynastie, und mit ihm auch Gulags und Repressionsregime.
3.
deus-Lo-vult 10.04.2012
Zitat von sysopAFP/ Amnesty InternationalSie schuften in Bergwerken, werden gefoltert, viele offenbar willkürlich hingerichtet: Mindestens 150.000 politische Gefangene werden laut einem Bericht von Menschenrechtsaktivisten in nordkoreanischen Lagern gequält. Pjöngjang selbst spricht von "Erziehungsanstalten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826581,00.html
Erziehungsanstalten, aha. So nannte es auch Margot Honecker. War und ist eben der gleiche Geist...
4.
Spiegelleser2.0 10.04.2012
Zitat von SabiReinkarnation : Stalin lebt in der nordkoreanischen Kim Dynastie, und mit ihm auch Gulags und Repressionsregime.
Sagen Sie das mal den Osterwanderern mit ihren Regenbogen-Flaggen!
5.
bernstein 10.04.2012
Zitat von loeweneuleDa wollen wir doch gleich mal den westlichen Selbstbeschuldigungs- und Masochismusmodus einschalten und sowas schreiben wie: solange die USA Guantanamo unterhält, haben wir kein Recht, uns über sowas in anderen Ländern aufzuregen. Recht so, liebe Freunde von der Relativierungsfront? Gern geschehen.
Genau! 1. Gibt es keine Gulags in Nordkorea. 2. Sind "die Amis" mit ihrer imperialistischen Politik daran Schuld, dass es diese Gulags in Nordkorea gibt. 3. Ist es im Westen viell schlimmer als in diesen Lagern. Leiharbeit, Hartz IV und so.
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Karte

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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