Nach Uno-Sanktionen Nordkorea hält an Atomprogramm fest

Pjöngjang will trotz der Uno-Sanktionen die Raketentests fortsetzen - aus Angst vor den USA. Die "atomare Abschreckung zur Selbstverteidigung" stehe nicht zur Debatte.

Raketentest in Nordkorea am 4. Juli 2017
AP

Raketentest in Nordkorea am 4. Juli 2017


Die Strafmaßnahmen seien eine Verletzung ihrer Souveränität, beim Atomprogramm werde es keine Abstriche geben: Nordkorea zeigt nach dem Sanktionsbeschluss des Uno-Sicherheitsrats keine Gesprächsbereitschaft: Die "atomare Abschreckung zur Selbstverteidigung" Nordkoreas stehe nicht zur Verhandlung, solange die USA das Land bedrohten, hieß es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Die vom Sicherheitsrat verabschiedeten neuen Strafmaßnahmen wertete die nordkoreanische Staatsagentur als "gewalttätige Verletzung unserer Souveränität". "Wir werden niemals auch nur einen einzigen Schritt weg von der Stärkung unserer Atommacht unternehmen", hieß es in der Meldung weiter. Zuvor hatte der nordkoreanische Außenminister ein Gesprächsangebot aus Südkorea als unaufrichtig kritisiert.

Am Samstag hatte das Uno-Gremium scharfe Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Sie sollen der Regierung in Pjöngjang rund eine Milliarde Dollar (rund 843 Millionen Euro) an Einnahmen aus Exporten entziehen, das entspricht einem Drittel der Summe aller Ausfuhren aus Nordkorea. Der Exportbann betrifft Kohle, Stahl und Eisen, Blei, Fisch und Meeresfrüchte.

Nach den Sanktionen kam es aus Nordkorea zudem erneut zu Drohungen in Richtung Washington: Das Regime sei bereit, "die USA mit weit größeren Maßnahmen zur Rechenschaft zu ziehen für ihre Verbrechen gegen unser Volk und unser Land", teilte Pjöngjang am Montag in einer Erklärung mit. "Es gibt keinen größeren Fehler für die USA als zu glauben, dass ihr Land auf der anderen Seite des Ozeans sicher ist."

Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten hatte sich das Regime ähnlich geäußert.

Mit dem Beschluss reagierte der Sicherheitsrat auf den neuerlichen Raketentest Nordkoreas. Das Land hat seit 2006 zudem fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Trotz bereits bestehender umfassender Sanktionen treibt das Land seit Jahren sein Atomwaffenprogramm voran und schießt immer wieder Raketen zu Testzwecken ab, was ihm der Sicherheitsrat verboten hat.

mho/AFP

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antarctic47 07.08.2017
1. Wer den Wind säht ...
Irakkrieg und Gaddhafi-Sturz haben allen verunsicherten Regimes auf der Welt gezeigt, dass sie zur Disposition stehen, wenn sie sich der nuklearen Option enthalten. Das hat jüngst auch der neue Geheimdienstkoordinator der USA erkannt. Dass Kim nicht enden möchte, wie der Libyer ist nachvollziehbar. Der entsetzliche Koreakrieg hat den Koreanern gezeigt, wie Regimewechsel praktisch aussieht. Bei dieser Historie und mehr als 20.000 US Soldaten an der eigenen Grenze ist deren Verunsicherung nachzuvollziehen. Ent-Spannung wäre dringend angesagt. Nur weiss man inzwischen, dass sich US Präsidenten nicht an derartige Abkommen halten werden, die ihre Vorgänger abgeschlossen haben. Es wird also der Punkt kommen, an dem die Nordkoreaner als Nuklearmacht anerkannt werden müssen. Haben sie erstmal ihre Waffen verfügbar, werden sie angesichts der desaströsen Politik des Westens überall auf der Welt einen Markt für diese Versicherungspolicen finden.
thegambler 07.08.2017
2. @alexzzz
Die Nordkoreaner waren aber auch keine Kinder von Traurigkeit. Zumal hier eindeutig NK der provozierende Teil ist, SK und die USA hätten gut mit dem Status quo leben können und China als Schutzmacht NKs auch. Krieg wäre nicht denkbar gewesen, weil China mit eingestiegen wäre, höchstwahrscheinlich sogar Russland. Aber NK musste ja anfangen Atomwaffen zu bauen und jetzt haben wir die Misere.
Septic 07.08.2017
3. Nordkorea braucht die Erpressungswaffe
Nordkorea ist wirtschaftlich am Rande des Kollaps, genau wie vor 20 Jahren die DDR und die UDSSR. Damit sie nicht kollabieren müssen sie die Bevölkerung mit massiver Dauerpropaganda verdummen und auf der anderen Seite Südkorea und andere Länder erpressen ihnen Wirtschaftshilfe zu geben. Da ihre Drohungen immer weniger ernst genommen wurden und diverse Hilfen gestrichen wurden bleibt jetzt nur die Atomwaffe als Erpressungsmittel. Sollten sie eine ICBM mit Atomsprengkopf bauen (aktuell haben sie nur eine konventionelle ICBM mittlerer Reichweite und zu große und schweren Atombomben) können sie die Welt so erpressen wie die Mafia das Pizzarestaurant droht den Laden abzufackeln wenn man kein Schutzgeld zahlt. Die Atomrakete wäre das ewige Druckmittel zur Sicherstellung der Nordkoreanischen Diktatur. Darum werden sie das Programm niemals aufgeben. China und Russland will auch nicht den Ölhahn zudrehen (da würde man ja Geld verlieren). Ich sehe mittlerweile die militärische Option als unausweichlich für Trump. Eine Variante wäre es so zu machen wie es Israel mit dem Irak in der Operation Opera 1981 gemacht hat. Da hat man mit einem Luftschlag den Irakischen Nuklearreaktor Osirak vernichtet und so deren Nuklearprogramm wortwörtlich auf Null zurückgebombt. So etwas in Nordkorea würde massiv viel Zeit kaufen. Ob Nordkorea dies dann aber als Götterdämmerung begreifen und den Krieg gegen Südkorea starten und hunderttausende Südkoreanische Stadtbewohner mit Artillery töten würde weiß keiner. Ich kann Trump nicht leiden, aber so langsam gehen die friedlichen Optionen aus.
Septic 07.08.2017
4.
Für Nordkorea wäre das genial. Für Südkorea ein finanzielles Desaster welche sie nicht so gerne stemmen würden. Wir haben einen Präzedenzfall für sowas. Die DDR Auflösung und Wiedervereinigung hat (West)Deutschland 2000 Milliarden (2 Billionen!) Euro gekostet bis sie größtenteils auf Weststandard waren. Nordkorea auf Südkorea Standard zu bringen wäre pro Kopf noch teurer. Nein, ein langsames Angleichen klappt nicht, weil die Leute einfach abhauen. War bei der DDR genauso. Als Kohl das langsame Angleichen wollte standen die Ostdeutschen mit "Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr" Plakaten auf der Straße. Viele Ostdeutsche Orte leiden heute noch daran, dass so viele in den Westen gezogen sind. Also würde Südkorea bei einer Wiedervereinigung den Norden mit Geld überhäufen müssen damit nicht Millionen Leute von Nord nach Süd umziehen. Die 50 Millionen Südkoreaner sind also gar nicht so scharf auf die 24 Millionen bettelarmen Brüder.
Emderfriese 07.08.2017
5. Außenpolitik
"....weder die USA noch Süd-Korea würden heute noch einen Angriff auf Nord-Korea lancieren. Man sieht an Hand der "kleinen Kriege" in Irak und Afghanistan, dass so etwas heute weder realisierbar noch leistbar ist. ..." Da wäre ich mir allerdings nicht so sicher. Man sollte sich erinnern, wie die USA lange mit "best friend" Saddam Hussein umgegangen sind, mit ihm zusammengearbeitet haben. Oder wie die USA die Taliban bzw. Mudschaheddin zuerst gegen die Russen aufrüsteten und dann endlos bekriegten. Und das alles taten die US-Boys ohne lange zu überlegen oder zu verhandeln. Wenn Nordkorea den US-Amerikanern nicht traut, so liegt das an den Erfahrungen mit der US-Außenpolitik in den letzten anderthalb Jahrhunderten. Ob NK nun die A-Bombe braucht, ist ein anderes Thema.
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