Vereinbarung aufgekündigt Nordkorea hebt Moratorium für Atomtests auf

Für seinen versuchten Raketenstart wurde Nordkorea weltweit kritisiert - jetzt keilt das Regime zurück: Die mit den USA getroffene Vereinbarung über einen Atomtest-Stopp sei nicht mehr gültig. Die internationale Atomenergiebehörde bezweifelt nun auch die Möglichkeit einer Vor-Ort-Inspektion.

Südkoreanische Inspektoren im nordkoreanischer Atomzentrum Yongbyon (2009)
AFP

Südkoreanische Inspektoren im nordkoreanischer Atomzentrum Yongbyon (2009)


Seoul - Nordkorea hat sein Moratorium für die Urananreicherung sowie Atomversuche und Tests von Langstreckenraketen praktisch aufgehoben. Das Land fühlt sich nicht länger an ein entsprechendes Abkommen mit den USA gebunden, hieß es am späten Dienstagabend in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Die Vereinbarung vom Februar 2012 hatte vorgesehen, dass Nordkorea seine Atomwaffentests aussetzt und Inspektoren ins Land lässt.

Die Regierung begründete den Schritt in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung damit, dass die USA eine feindliche Handlung gegenüber Nordkorea eingenommen hätten. Außerdem drohte das Ministerium mit nicht näher beschriebenen "Vergeltungsmaßnahmen" und kritisierte die Verurteilung des Raketenstarts durch den Weltsicherheitsrat.

Es war die erste formale Reaktion des kommunistischen Landes auf die Präsidentenerklärung des Uno-Sicherheitsrats vom Montag, der alle Mitglieder, inklusive China und Russland, zugestimmt hatten. Der Sicherheitsrat hatte damit einen gescheiterten Raketenstart in Nordkorea scharf verurteilt und eine strengere Durchsetzung der bestehenden Sanktionen gefordert. In den kommenden 15 Tagen soll der für Nordkorea zuständige Ausschuss überprüfen, ob weitere Personen, Firmen oder Güter auf die Liste der Strafmaßnahmen gesetzt werden sollen.

Die Mehrstufenrakete, die Nordkorea am Freitag gestartet hatte, war kurz nach dem Abheben in der Luft explodiert und ins Meer gestürzt - ein Desaster für die nordkoreanische Führung, die mit dem Raketenstart eigentlich den 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung feiern wollte. Die USA und andere Länder sahen darin den Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Nach nordkoreanischen Angaben sollte die Rakete lediglich einen Wettersatelliten ins All bringen. "Wir weisen entschieden und vollkommen das unvernünftige Verhalten des Uno-Sicherheitsrats zurück, das legitime Recht der Volksrepublik (Nordkorea) auf einen Satellitenstart zu verletzen", wurde das Außenministerium in Pjöngjang von den staatlichen Medien zitiert.

In den Jahren 2006 und 2009 hatte Nordkorea jeweils nach Raketenstarts Atombomben getestet. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass sich dieses Muster fortsetzen könnte. Als unmittelbare Antwort auf den Raketenstart hatten die USA angekündigt, ihre geplante Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea zu streichen. Die Hilfe hatten die USA Ende Februar im Gegenzug zu der Zusage Nordkoreas versprochen, unter anderem seine Urananreicherung im Atomzentrum Yongbyon sowie Atomwaffentests und Tests von Langstreckenraketen auszusetzen. In hoch angereicherter Form kann Uran zum Atombombenbau verwendet werden.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte angesichts der jüngsten Ankündigung Nordkoreas mit, sie erwarte nun nicht mehr, dass eine Inspektorengruppe zeitnah in das Land reisen wird.

lgr/dpa/Reuters

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Seite 1
dserapio 17.04.2012
1.
Dass es im Gegenzug für das Abkommen eine ordentliche Hilfslieferung seitens der USA gegeben hat, hat Nordkorea offenbar bereits vergessen. Das könnte sich böse rächen, wenn es dort die nächste Missernte gibt, und die kommt bestimmt, dann werden sich die USA eine neue Hilfslieferung aber zweimal überlegen. Wenn dann die Menschen sterben wie die Fliegen könnte die Amtszeit Kim Jong Uns ein böses Ende nehmen.
Heinz-und-Kunz 17.04.2012
2. Nur zur Info
Zitat von sysopAFPFür seinen versuchten Raketenstart wurde Nordkorea weltweit kritisiert - jetzt keilt das Regime zurück: Die mit den USA getroffene Vereinbarung über einen Atomtest-Stopp sei nicht mehr gültig. Die internationale Atomenergiebehörde bezweifelt nun auch die Möglichkeit einer Vor-Ort-Inspektion. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,828177,00.html
So brutal es auch klingen mag. Jede noch so humanitäre Hilfe muß hier unterlassen werden, denn am Ende hilft man damit nur dem Regime. Warum? Weil die Nahrungsmittelhilfen es dem Regime ermöglichen weniger von seinem eigenen Geld für Nahrung auszugeben und das so gesparte Geld steht dann für Waffen usw. zur Verfügung.
dserapio 17.04.2012
3.
(Irgendwie mag die SPON-Webseite meine Umlaute nicht...) Dass es im Gegenzug fuer das Abkommen eine ordentliche Hilfslieferung seitens der USA gegeben hat, hat Nordkorea offenbar bereits vergessen. Das koennte sich boese raechen, wenn es dort die naechste Missernte gibt, und die kommt bestimmt, dann werden sich die USA eine neue Hilfslieferung aber zweimal ueberlegen. Wenn dann die Menschen sterben wie die Fliegen koennte die Amtszeit Kim Jong Uns ein boeses Ende nehmen.
caecilia_metella 17.04.2012
4. Lernen ...
Ein kleiner Schönheitsfehler: "Es war die erste formale Reaktion des kommunistischen Landes auf die Präsidentenerklärung des Uno-Sicherheitsrats vom Montag, der alle Mitglieder, inklusive China und Russland, zugestimmt hatten." Wissen Sie denn, woran man ein kommunistisches Land einst erkennen wird? In so einem Land wird es einst keine Klassen mehr geben. Also auch keinen Diktator. Aber, Spiegelchen, Du wirst es auch noch lernen. Wir sind hier im Internet, wo man an ganz vielen unterschiedlichen Orten nachschlagen kann.
sappelkopp 17.04.2012
5. Kein Reiskorn...
Zitat von sysopAFPFür seinen versuchten Raketenstart wurde Nordkorea weltweit kritisiert - jetzt keilt das Regime zurück: Die mit den USA getroffene Vereinbarung über einen Atomtest-Stopp sei nicht mehr gültig. Die internationale Atomenergiebehörde bezweifelt nun auch die Möglichkeit einer Vor-Ort-Inspektion. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,828177,00.html
...darf mehr geliefert werden. Auch wenn es damit gegen die Bevölkerung geht. Die sollen ihre eigenen Ressourcen nutzen, dann bleibt auch weniger Geld für Großmachtspielchen.
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