Vereinbarung aufgekündigt: Nordkorea hebt Moratorium für Atomtests auf
Für seinen versuchten Raketenstart wurde Nordkorea weltweit kritisiert - jetzt keilt das Regime zurück: Die mit den USA getroffene Vereinbarung über einen Atomtest-Stopp sei nicht mehr gültig. Die internationale Atomenergiebehörde bezweifelt nun auch die Möglichkeit einer Vor-Ort-Inspektion.
Seoul - Nordkorea hat sein Moratorium für die Urananreicherung sowie Atomversuche und Tests von Langstreckenraketen praktisch aufgehoben. Das Land fühlt sich nicht länger an ein entsprechendes Abkommen mit den USA gebunden, hieß es am späten Dienstagabend in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Die Vereinbarung vom Februar 2012 hatte vorgesehen, dass Nordkorea seine Atomwaffentests aussetzt und Inspektoren ins Land lässt.
Die Regierung begründete den Schritt in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung damit, dass die USA eine feindliche Handlung gegenüber Nordkorea eingenommen hätten. Außerdem drohte das Ministerium mit nicht näher beschriebenen "Vergeltungsmaßnahmen" und kritisierte die Verurteilung des Raketenstarts durch den Weltsicherheitsrat.
Es war die erste formale Reaktion des kommunistischen Landes auf die Präsidentenerklärung des Uno-Sicherheitsrats vom Montag, der alle Mitglieder, inklusive China und Russland, zugestimmt hatten. Der Sicherheitsrat hatte damit einen gescheiterten Raketenstart in Nordkorea scharf verurteilt und eine strengere Durchsetzung der bestehenden Sanktionen gefordert. In den kommenden 15 Tagen soll der für Nordkorea zuständige Ausschuss überprüfen, ob weitere Personen, Firmen oder Güter auf die Liste der Strafmaßnahmen gesetzt werden sollen.
Die Mehrstufenrakete, die Nordkorea am Freitag gestartet hatte, war kurz nach dem Abheben in der Luft explodiert und ins Meer gestürzt - ein Desaster für die nordkoreanische Führung, die mit dem Raketenstart eigentlich den 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung feiern wollte. Die USA und andere Länder sahen darin den Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.
Nach nordkoreanischen Angaben sollte die Rakete lediglich einen Wettersatelliten ins All bringen. "Wir weisen entschieden und vollkommen das unvernünftige Verhalten des Uno-Sicherheitsrats zurück, das legitime Recht der Volksrepublik (Nordkorea) auf einen Satellitenstart zu verletzen", wurde das Außenministerium in Pjöngjang von den staatlichen Medien zitiert.
In den Jahren 2006 und 2009 hatte Nordkorea jeweils nach Raketenstarts Atombomben getestet. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass sich dieses Muster fortsetzen könnte. Als unmittelbare Antwort auf den Raketenstart hatten die USA angekündigt, ihre geplante Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea zu streichen. Die Hilfe hatten die USA Ende Februar im Gegenzug zu der Zusage Nordkoreas versprochen, unter anderem seine Urananreicherung im Atomzentrum Yongbyon sowie Atomwaffentests und Tests von Langstreckenraketen auszusetzen. In hoch angereicherter Form kann Uran zum Atombombenbau verwendet werden.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte angesichts der jüngsten Ankündigung Nordkoreas mit, sie erwarte nun nicht mehr, dass eine Inspektorengruppe zeitnah in das Land reisen wird.
lgr/dpa/Reuters
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- Dienstag, 17.04.2012 – 21:16 Uhr
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Fläche: 122.762 km²
Bevölkerung: 24,346 Mio.
Hauptstadt: Pjöngjang
Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un
Regierungschef: Pak Pong Ju
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Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter. 2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.



| Militär in Nord- und Südkorea | ||
| Nordkorea | Südkorea | |
| Truppenstärke insgesamt | 1.106.000 | 687.000 |
| darunter Heer | 950.000 | 560.000 |
| Marine | 46.000 | 68.000 |
| Luftwaffe | 110.000 | 64.000 |
| Reservisten | 4.700.000 | 4.500.000 |
| Kampfpanzer | 3.500 | 2.750 |
| Artilleriegeschütze | 17.900 | 10.774 |
| Boden-Boden-Raketen | 64 | 12 |
| einsatzbereite Kampfflugzeuge | 620 | 490 |
| darunter Jagdflugzeuge | 388 | 467 |
| Bomber | 80 | - |
| Kriegsschiffe | 8 | 47 |
| darunter Zerstörer | - | 10 |
| Fregatten | 3 | 9 |
| Korvetten | 5 | 28 |
| taktische U-Boote | 63 | 13 |
| kleinere Küstenwachboote | 329 | 76 |
| (Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London) | ||
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