Nordkorea Kims blutige Liste

Parteifreunde, Onkel, jetzt offenbar der Halbbruder: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un scheint skrupellos, wenn es um die Beseitigung von vermeintlichen Gegenspielern geht. Zahlreiche Morde werden der Kim-Dynastie angelastet.

Kim Jong Un bei einer Militärübung
AFP/ KCNA via KNS

Kim Jong Un bei einer Militärübung


Sich über den exzentrischen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un lustig zu machen, ist nicht schwer. Die Satire sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihm um einen Diktator handelt, der brutal gegen seine Widersacher vorgeht.

Der mutmaßliche Mord an seinem Halbbruder Kim Jong Nam, der am Flughafen von Kuala Lumpur von nordkoreanischen Agentinnen getötet worden sein soll, wäre nur das jüngste Beispiel dafür, wie der Diktator seine Macht gewaltsam zu sichern versucht.

REUTERS

Südkoreanische Nachrichtenagenturen und US-Medien listen noch eine Reihe weiterer Fälle von Anschlägen und Hinrichtungen auf, die von Kim Jong Un und den Regierungen seiner Vorgänger, Vater Kim Jong Il und Großvater Kim Il Sung, befehligt worden sein sollen. Die Berichte sind nicht unabhängig verifizierbar.

Vereitelter Anschlag auf den südkoreanischen Präsidenten

Präsident Park Chung Hee (Archivbild von 1970)
Getty Images/ Keystone

Präsident Park Chung Hee (Archivbild von 1970)

Einem Team aus 31 nordkoreanischen Agenten soll es 1968 gelungen sein, in das verfeindete Südkorea einzureisen und sich dort dem Präsidentenpalast zu nähern. Sicherheitskräfte stoppten sie in letzter Minute. Einziger Befehl der Agenten soll gewesen sein, dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Park Chung Hee "die Kehle durchzuschneiden".

Explosion in Yangon mit 20 Toten

15 Jahre später versuchte Nordkorea offenbar erneut, den südkoreanischen Präsidenten umzubringen. Chun Doo Hwan war 1983 zu Besuch in der burmesischen Metropole Yangon, als dort eine Bombe explodierte. 20 Menschen starben bei dem Anschlag, darunter vier Kabinettmitglieder aus Südkorea und der südkoreanische Botschafter in Yangon. Ein nordkoreanischer Agent wurde sofort erschossen, ein zweiter hingerichtet. Ein dritter starb 2008 im Gefängnis. Burma kappte als Reaktion die diplomatischen Verbindungen zu Nordkorea, 2007 wurden sie wieder aufgenommen.

Abtrünniger Cousin erschossen

Lee Han Young war der Cousin von Kim Jong Un. Er wurde 1997 tot vor seiner Wohnung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gefunden. Lee hatte das nordkoreanische Regime und den damaligen Machthaber, seinen Onkel Kim Jong Il, scharf kritisiert. Er soll sich seit 1982 in Südkorea aufgehalten haben, was aber erst 1996 öffentlich wurde. Ermittlungen zu seinem Tod zufolge wurde er von nordkoreanischen Agenten erschossen. Die Täter wurden nie gefasst.

Geplanter Mordanschlag auf Ex-Parteisekretär

Hwang 2003 in Washington
AP

Hwang 2003 in Washington

2010 wurden zwei nordkoreanische Agenten festgenommen, die den ehemaligen Parteisekretär Hwang Jang Yop töten sollten. Hwang war das ranghöchste Parteimitglied aus Nordkorea, dem die Flucht nach Südkorea gelang. Nordkorea nannte ihn einen Abtrünnigen und "menschlichen Abfall". Die Agenten sollen den Auftrag gehabt haben, ihm die Kehle durchzuschneiden, flogen aber vorher auf. Sechs Monate später starb Hwang im Alter von 87 Jahren.

Entmachtung von Vizemarschall Ri Yong Ho

Das erste Opfer der "Säuberungen" durch Kim Jong Un, der Ende 2011 das Erbe seines Vaters angetreten hatte, wurde der Generalstabschef und Vizemarschall Ri Yong Ho. Dessen Name war schon vorher von den Propagandisten aus allen Dokumenten gelöscht worden. Ri galt als Vertrauter des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il und begleitete diesen auf vielen seiner Reisen. Als Kim Jong Il starb, war er einer von sieben ranghohen Vertretern aus Partei und Militär, die zusammen mit dem Sohn bei dem Trauerzug direkt neben dem Wagen mit dem Sarg gingen. Kim Jong Un ließ Ri im Juli 2012 von seinen Ämtern entbinden.

Nordkoreas Diktator privat

Todesstrafe gegen Onkel Chang Song Taek

Die Liste der Vorwürfe gegen den ehemaligen zweitwichtigsten Mann Nordkoreas war lang; sie reichte von Fraktionsbildung über Korruption, Ausverkauf von Rohstoffen des Landes an China bis hin zu Frauengeschichten. Auf Grundlage dessen feuerte Kim Jong Un seinen Onkel Chang Song Taek und demütigte ihn öffentlich, indem er die "graue Eminenz" des Landes in einer Sondersitzung des Politbüros von Soldaten abführen ließ. Später wurde Chang zu einer Todesstrafe verurteilt. Im Dezember 2013 meldete die Nachrichtenagentur KCNA, der "Verräter" Chang sei exekutiert worden.

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Hinrichtung von Chang Song Taek: Schauprozess in Pjöngjang

Hinrichtung von Verteidigungsminister Hyon Yong Chol

Auch Verteidigungsminister Hyon Yong Chol fiel bei Kim Jong Un in Ungnade. Hyon soll bei einer Veranstaltung in Anwesenheit des Diktators eingeschlafen sein und ihm wohl auch widersprochen haben. Deshalb sei er wegen "Untreue und Respektlosigkeit" gegenüber Nordkoreas Staatschef zum Tode verurteilt worden. Von der anschließenden Hinrichtung berichtete Han Ki Beom, Vizecef des südkoreanischen Geheimdienstes NIS, bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss in Seoul.

Die Exekution wurde den Geheimdienstangaben zufolge mit Flakfeuer vollzogen. Der Hinrichtung des Ministers am 30. April 2015 hätten Hunderte nordkoreanische Regierungsvertreter zugesehen.

vks/AP

insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Benko 15.02.2017
1.
Yangon wird in Deutschland gemeinhin als "Rangun" bezeichnet, ihr habt offenbar einfach die englische Bezeichnung aus eurer Vorlage genommen. Und zu "einer Todesstrafe" wurde der Mann also verurteilt, zu welcher den? Die bei der man stirbt?
GueMue 15.02.2017
2. Eigentlich gut- Mitleid begrenzt
Inklusive Kim sind alle Angehoerigen der nomenklatura Verbrecher. Leider wachsen immer welche nach.
lizenz 15.02.2017
3. Seltsam ...
... der Mann ist doch dauernd von Bewaffneten umgeben – warum hat ihn noch niemand erschossen?
alsterherr 15.02.2017
4.
Zitat von BenkoYangon wird in Deutschland gemeinhin als "Rangun" bezeichnet, ihr habt offenbar einfach die englische Bezeichnung aus eurer Vorlage genommen. Und zu "einer Todesstrafe" wurde der Mann also verurteilt, zu welcher den? Die bei der man stirbt?
Yangon ist nicht die englische, sondern (transkriptiv) die offizielle Landesbezeichnung. Und es gibt Todesstrafe durch Erschießung, Todesstrafe durch Hängen, Todesstrafe durch Gift, etc,
cicero_muc 15.02.2017
5. Implosion wird noch dauern
Der Krug geht solange zum Brunner bis er bricht. Nordkorea provoziert, sie lassen es aber nie wirklich drauf ankommen. Und somit köchelt die Suppe immer weiter. Bislang können alle damit gut leben, zumindest solange die Suppe nicht überkocht. Solange die Nordkoreaner mit sich selber ausreichend beschäftigt sind ist international erst mal alles in Ordnung. Alle Anrainer fürchten sich vor einer Implosion von Nordkorea: Mit dem daraus folgenden menschlichen Elend will sich keiner auseinandersetzen bzw. damit belastet werden. Also lässt man Nordkorea so gut es geht vor sich hin köcheln und vermeidet es so gut es geht sich am Kessel die Finger zu verbrennen. Sollte die Öffentliche Ordnung eines Tages in Nordkorea tatsächlich mal zusammenbrechen dann dürfte wohl die ganze Welt (in Form der UN??) gefordert sein. Ich denke mal, ein paar Jahrzehnte wird sich Nordkorea noch halten. Wenn eines fernen Tages Kim Jong Un dann mal auf natürlichem Wege das Zeitliche gesegnet hat wird es wohl einige zerstrittene Fraktion geben und es wird sehr schwierig werden die Stabilität aufrecht zu halten. Und bis dahin lässt man Nordkorea halt auf geeigneter Temperatur weiter vor sich hin köcheln. Ist am besten so für alle.
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