Infografik der Woche Diese Staaten haben Atomwaffen getestet

Nordkoreas Atomwaffentest liefert Stoff für Spekulationen - und fällt absolut aus der Zeit, wie die Infografik der Woche zeigt. Alle Detonationen seit 1945 im Überblick.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Wenn ein Staat Atomwaffen testet, dann Nordkorea - so eindeutig war es jedenfalls in den vergangenen Jahren. Der aktuelle Test ist der vierte Nordkoreas, nach 2006, 2009 und 2013. Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, waren Atomwaffentests zuvor immer seltener geworden.

Insgesamt verzeichnet das Sipri-Institut 2055 Atomwaffendetonationen seit 1945, die Bombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg sind darin eingerechnet. Jede zweite dieser Detonationen wurde von den USA ausgeführt, weitere 715 von Russland zu Zeiten der Sowjetunion.

Andere Staaten testeten zuletzt 1998 Atomwaffen - es waren die Nachbarn Pakistan und Indien. Die letzten bekannten Atomwaffentests der USA sind für 1992 verzeichnet, Russland beendete sein Testprogramm mit dem Zerfall der Sowjetunion. Als letzter westlicher Staat führt Frankreich 1995 und 1996 Testsprengungen durch. 1996 zündete auch China zuletzt eine Atombombe.

Marshallinseln, 1952: Erster US-Test einer Wasserstoffbombe
DPA / US Department of Energy

Marshallinseln, 1952: Erster US-Test einer Wasserstoffbombe

Der Atomwaffentest in Nordkorea nun wäre Nummer 2056 in der Sipri-Liste. Genaue Daten zur Sprengkraft oder zur Art der Bombe liegen derzeit noch nicht vor. Das Regime behauptet, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben, was von Experten jedoch bezweifelt wird. Die seismische Aktivität jedenfalls war nur geringfügig höher als 2013.

Für den Test im Jahr 2013 gingen Experten von einer Sprengkraft von fünf bis 16 Kilotonnen TNT aus. Die zweite nordkoreanische Bombe soll bei etwa zwei bis sieben Kilotonnen TNT gelegen haben. Für den ersten nordkoreanischen Atomwaffentest variieren die Daten am stärksten. Da mitunter eine Sprengkraft von unter einer Kilotonne beziffert wurde, glauben viele Experten, der Test sei womöglich damals fehlgeschlagen.

Zum Vergleich: Die Atomwaffen, die im Zweiten Weltkrieg auf Japan geworfen wurden, hatten die Sprengkraft von 15 beziehungsweise 21 Kilotonnen TNT. Die erste US-Wasserstoffbombe wird auf ein Vielfaches dessen beziffert - auf 10.400 Kilotonnen TNT. Die erste chinesische Wasserstoffbombe liegt dazwischen, bei 3.000 Kilotonnen TNT, die Frankreichs bei 2.600 Kilotonnen TNT.

Die größte Sprengkraft, die je eingesetzt wurde, hatte die sogenannte Zar-Bombe der Sowjetunion im Jahr 1961. Die Wasserstoffbombe erzeugte mit 50.000 Kilotonnen TNT die stärkste Explosion, die jemals von Menschen ausgelöst wurde.


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Andreas Grieß (Statista)/che



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