Nordkorea Kim Jong Ils Sohn führt Luxusleben in Macao

Nordkoreas Bevölkerung leidet an Hunger, aber Diktator Kim Jong Il und sein Clan führen ein süßes Dasein im Luxus. Sein ältester Sohn Kim Jong Nam genießt einem Zeitungsbericht zufolge schon seit drei Jahren ein angenehmes Leben in Macao - Nachtclubs, Edelrestaurants und Luxushotels inklusive.


Hamburg - Das "Mandarin Oriental Hotel" in Macao ist eine feine Adresse: Über fünf Sterne verfügt die Herberge, neben einem edlen Restaurant, großer Bar, Swimmingpool und obligatorischer Sauna gehört auch ein Casino zum Zeitvertreib und Wohlfühlprogramm für die solventen Gäste. Wer den Blick über die als Spielerparadies bekannte chinesische Sonderverwaltungsregion genießen will, ist am besten in der "Macau Suite" aufgehoben - vom 17. Stock aus erschließt sich dem Besucher das ganze Panorama.

Diktatorensohn Kim Jong Nam: Luxusleben in Macao
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Diktatorensohn Kim Jong Nam: Luxusleben in Macao

Das Hotel sei "einzigartig", heißt es auf der hoteleigenen Internetseite - obwohl es im Herzen Macaos liege, sei man "Welten von der Stadt entfernt", wenn man einmal das "Mandarin Oriental" betreten habe. Den Gast erwarte Luxus, verspricht das Hotel vollmundig.

Ein Versprechen, von dem sich auch ein Gast angezogen fühlte, in dessen Land von Luxus keine Rede sein kann - zumindest für die normale Bevölkerung, die nicht zum Herrscher-Clan gehört: Wie die Hongkonger "South China Morning Post" berichtet, lebt Kim Jong Nam seit drei Jahren in Nobelhotels in der ehemaligen portugiesischen Exklave - auch das "Mandarin Oriental" gehörte zu seinen bevorzugten Herbergen. Der 35-Jährige ist der älteste Sohn des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, der sein abgeschottetes, ausgezehrtes, kommunistisches Land mit seiner Atompolitik immer weiter in die Isolation treibt. Kim Jong Nams Frau und sein Sohn sollen in einer Villa in Macau residieren.

Dutzende Paläste und Residenzen

Dem Bericht zufolge verbringt Kim Jong Nam seine Zeit in Nachtclubs, teuren Restaurants und Casinos. Er soll über Pässe der Dominikanischen Republik und Portugals verfügen und australische, chinesische und portugiesische Freunde haben, die nicht wissen, dass er der Sohn des "geliebten Führers" ist, zu dem sich sein Vater ausrufen ließ.

Kim Jong Nams privilegiertes Leben in Macao steht in scharfem Kontrast zum Alltag in Nordkorea: Die leidgeprüfte Bevölkerung ist von breitem Wohlstand Lichtjahre entfernt. Oft fehlt es am Grundlegendsten: In den neunziger Jahren litt das Land an einer Hungersnot, die Menschen suchten notgedrungen nach Laub und Wurzeln, um ihre leeren Mägen zu füllen. Schätzungen zufolge kamen seit Mitte der neunziger Jahre zwei Millionen Nordkoreaner infolge des Mangels ums Leben. Nach dem letzten Atomtest Nordkoreas warnten im Oktober vergangenen Jahres Experten von der International Crisis Group vor der Gefahr einer neuen Hungersnot.

Prunk, Protz und Luxus gehören dagegen zum Leben des nordkoreanischen Herrscher-Clans. Es ranken sich viele Gerüchte um die Prasserei von Kim Jong Il, der seit 1994 herrscht und öffentlich kaum in Erscheinung tritt. Dutzende Paläste und Residenzen soll er haben, die dazugehörigen Garagen sind demnach mit Luxuskarossen und Motorrädern vollgestopft, auf geheimen Konten im Ausland soll ein Milliardenvermögen gehortet sein.

Späher suchen nach schönen Frauen

2003 erschien ein Buch, in dem der ehemalige Koch des Despoten über seine 13 Jahre am Hofe von Kim Jong Il berichtete. Darin ist viel über die kulinarischen Vorlieben des Machthabers zu lesen, der sich angeblich gern Haifischflossensuppe und Sushi auftischen lässt. Kaviar aus Moskau, Mangos aus Thailand und edlen Käse und Weine aus Frankreich sollte der Leibkoch von seinen Delikatesseneinkäufen, die ihn quer durch die Welt führten, für seinen Dienstherrn mit nach Hause bringen. 10.000 Weinflaschen würden im Weinkeller lagern, ständig komme Nachschub, schrieb der Japaner Kenji Fujimoto - ein Deckname - in dem Buch "Ich war Kim Jong Ils Koch".

Darin berichte er auch von wilden Feiern des Diktators mit schönen Frauen: "Im ganzen Land sind Späher unterwegs, um schöne 16-Jährige zu rekrutieren. Zur ersten Brigade gehören die Mädchen, die 1,56 bis 1,60 Meter groß sind", heißt es in dem Buch - der nach nordkoreanischen Angaben am 16. Februar 1942 geborene Kim Jong Il ist selbst nicht gerade groß gewachsen, zum Ausgleich trägt er Schuhe mit hohen Absätzen.

Inwieweit die Diktatoren-Familie weiter dem Luxusleben frönt, ist nicht bekannt - zumindest soll es ihr erschwert werden: Als Reaktion auf Nordkoreas Atomtest haben die Vereinten Nationen Ende vergangenen Jahres neben einem Lieferverbot für waffenrelevante Güter auch ein Embargo für Luxusgüter verhängt. Eine Maßnahme, die die Machthaber treffen soll.

Dem Bericht der "South China Morning Post" zufolge, plant zumindest Kim Jong Nam keine Rückkehr in seine Heimat. Lange Zeit galt der 35-jährige als auserwählter Nachfolger seines Vaters. Allerdings soll das Verhältnis zu Kim Jong Il mittlerweile getrübt sein, weil sein ältester Sohn 2001 verhaftet wurde, als er mit falschem Pass in Japan einreisen wollte. Kim Jong Nam war damals offenbar auf dem Weg ins Disneyland von Tokio.

Seine neue Wahlheimat hat für Nordkorea eine ganz besondere Bedeutung: Das kommunistische Regime nutzt Macao zur Geldwäsche und zum Fälschen von Banknoten. Vor zwei Jahren erklärte das US-Finanzministerium, dass die dortige Banco Delta Asia von Nordkorea zur Geldwäsche genutzt würde. Auf Druck der USA froren die Behörden Macaos das nordkoreanische Guthaben ein - es handelte sich um eine Summe von 24 Millionen Dollar.

hen



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