Fußkranker Diktator Kim Jong Un kann kaum auftreten

Wochenlang war Kim Jong Un verschwunden, dann zeigten TV-Bilder ihn humpelnd. Nun heißt es, der nordkoreanische Diktator habe sich eine Zyste am Fuß entfernen lassen. Problem bei der Genesung: sein Übergewicht.

Diktator Kim Jong Un (undatiertes Foto): Kann er bald wieder richtig gehen?
AFP/ KCNA

Diktator Kim Jong Un (undatiertes Foto): Kann er bald wieder richtig gehen?


Seoul - Kim Jong Un hat seine wochenlange Abwesenheit anscheinend für einen operativen Eingriff genutzt: Der Machthaber in Nordkorea ließ sich eine Zyste im Fußgelenk entfernen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldet, sie beruft sich auf dabei auf den südkoreanischen Geheimdienst NIS. Im September oder Oktober seien ausländische Mediziner nach Nordkorea eingeflogen worden, um Kim zu operieren, berichtet Yonhap. Die Diagnose wurde demnach im Mai gestellt.

Kim Jong Un war Anfang September plötzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden, selbst bei den Feierlichkeiten zum 69. Jahrestag der regierenden Kommunistischen Partei war er nicht zu sehen. Nachdem er Anfang September im Fernsehen deutlich hinkend zu sehen war, wurden danach erst Mitte Oktober wieder Bilder von ihm verbreitet, die ihn auf einen Gehstock gestützt zeigten. Sollte er tatsächlich eine Fuß-OP hinter sich gebracht haben, könnte er womöglich noch längere Zeit hinkend zu sehen sein: Sein Übergewicht erschwere eine rasche Genesung, meldet Yonhap.

Spekulationen über einen Putsch

Die lange Abwesenheit Kims war umso ungewöhnlicher, weil er seit der Übernahme der Macht nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il im Dezember 2011 in den Medien sehr präsent war. Normalerweise verging kaum ein Tag, ohne dass er bei offiziellen Feierlichkeiten oder beim Besuch von Fabriken, Kasernen und öffentlichen Einrichtungen zu sehen war.

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Entsprechend eifrig wurde daher über den gesundheitlichen Zustand und die politische Durchsetzungsfähigkeit des Machthabers spekuliert. Befeuert wurden die Gerüchte vor allem von südkoreanischen Medien und Gegnern des Staatschefs - sogar über einen Putsch gegen Kim wurde spekuliert.

Yonhap berichtete unter Berufung auf die Abgeordnetenunterrichtung durch den Geheimdienst am Dienstag auch, dass Kim seit Jahresbeginn etwa 200 Offiziere der nordkoreanischen Streitkräfte degradiert habe. Hintergrund sollen demnach unzureichende Leistungen bei Manövern gewesen sein. Außerdem wurden den Angaben zufolge in Nordkorea seit Jahresbeginn etwa 50 Menschen hingerichtet. In mehreren Fällen handelte es sich demnach um Vertraute von Kims Onkel und früherem Mentor Jang Song Thaek, den der Staatschef Ende vergangenen Jahres hatte hinrichten lassen.

mxw/AFP

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