Nordkorea: Kim-Jong-Un-Anhänger sollen Anschlag auf dessen Halbbruder geplant haben

In der nordkoreanischen Herrscherfamilie gibt es offenbar heftige Konflikte: Anhänger des jüngsten Diktator-Sohns Kim Jong Un, der als Nachfolger Kim Jong Ils auserkoren wurde, sollen einen Angriff auf den ältesten Sprössling geplant haben. Der hatte die Erbdynastie kürzlich öffentlich kritisiert.

Seoul - Er lebte ein Luxusleben in Macau, fiel bei seinem Vater in Ungnade, weil er mit einem gefälschten Pass erwischt wurde - und offenbar lebte Kim Jong Nam, der älteste Sohn von Nordkoreas Diktator Kim Jong Il, in Gefahr. Einem südkoreanischen Medienbericht zufolge haben Unterstützer seines Halbbruders, des für die Diktator-Nachfolge auserkorenen Kim Jong Un, einen Anschlag auf den 39-Jährigen geplant.

Wie die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" unter Berufung auf einen Regierungsvertreter berichtete, wollten Anhänger von Kim Jong Un Kim Jong Nam im Januar 2009 "etwas antun". Offenbar wurde dieser aber von China gewarnt. Dort hielt er sich auf, nachdem er sich mit seinem Vater Kim Jong Il überworfen hatte.

Der nordkoreanische Machthaber hatte sich zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits für seinen jüngsten Sohn als potentiellen Nachfolger entschieden. "Kim Jong Nam wird nicht nach Nordkorea zurückkehren", sagte der Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, der "Chosun Ilbo". "Er bleibt in China." Die südkoreanischen Geheimdienste wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.

Erst am Dienstag hatte Kim Jong Nam den eingeleiteten Machtwechsel in Nordkorea kritisiert.

Er persönlich sei gegen die Erbfolge an der Staatsspitze in der dritten Generation, sagte er in einem Interview mit dem japanischen Fernsehsender TV Asahi.Seine Erklärung hatte einen aktuellen Anlass: Erst vor wenigen Wochen war auf einem großen Parteikongress in Nordkorea Kim Jong Ils jüngster Sohn Kim Jong Un zum General ernannt worden. Beobachter werten den Schritt als klares Zeichen dafür, dass Kim Jong Un als Nachfolger für den erkrankten Kim Jong Il in Stellung gebracht wird. Am Sonntag wurde Kim Jong Un schließlich bei einer pompösen Militärparade zum 65. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Partei ins Rampenlicht gerückt.

Kim Jong Un soll offenbar nächster Diktator von Nordkorea werden - dabei war Kim Jong Nam selbst lange für die Nachfolge vorgesehen. Er fiel allerdings mehrfach durch unangemessenes Benehmen auf und soll seinen Vater damit verärgert haben. So ließ er sich im Jahr 2001 dabei erwischen, wie er mit einem gefälschten Pass nach Japan einreiste - angeblich um mit seiner Familie das Disneyland in Tokio zu besuchen. In Berichten wird er als "Lebemann", "Halunke" und "Playboy" verspottet.

Kim Jong Nam entstammt einer Verbindung des Diktators mit der Schauspielerin Sung Hae Rim, die 2003 in Moskau starb.

anr/AFP

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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Öffnung oder Abschottung: Nordkoreas ungewisse Zukunft
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)