Südkoreanische Bands in Pjöngjang Kim geht zum Popkonzert

Das gab es seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr: Südkoreanische Musiker und Bands sind in Pjöngjang aufgetreten. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un kam und klatschte mit.

K-Pop-Band Red Velvet
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K-Pop-Band Red Velvet


Der wichtigste Gast des Abends hatte offenbar Spaß: Gemeinsam mit seiner Frau Ri Sol Ju und Hunderten weiteren Zuhörern hat Kim Jong Un ein Konzert südkoreanischer Musiker in Pjöngjang besucht. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Kulturministerium in Seoul. Der nordkoreanische Diktator klatschte zeitweise mit und ließ sich hinterher mit den Gästen aus dem Süden fotografieren.

Der Titel des Konzerts war "Der Frühling kommt". Die südkoreanische Delegation umfasste neben Künstlern auch Taekwondo-Kämpfer und Regierungsmitarbeiter.

Es war die erste derartige Veranstaltung in Nordkorea seit mehr als zehn Jahren. Sie ist bemerkenswert, weil sich die beiden Nachbarländer formell noch im Kriegszustand befinden - es gibt seit dem Ende des Koreakriegs 1953 lediglich einen Waffenstillstand, aber kein Friedensabkommen. An den insgesamt zwei Konzerten nehmen zahlreiche südkoreanische Stars wie Cho Yong Pil und Choi Jin Hee, die K-Popgruppe Red Velvet und Seohyun, ehemaliges Mitglied der bekannten K-Pop-Band Girls' Generation, teil.

Kim Jong Un, Südkoreas Kulturminister Do Jong Hwan
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Kim Jong Un, Südkoreas Kulturminister Do Jong Hwan

Das international isolierte Nordkorea hatte zuletzt an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilgenommen. Bei einem Treffen in Pjöngjang vereinbarten eine südkoreanische Delegation und Nordkoreas Machthaber Kim zudem ein Gipfeltreffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und Kim, das Ende April in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern stattfinden soll. Auch ein Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump ist geplant.

Während der Olympischen Winterspiele im Februar waren 140 Mitglieder des nordkoreanischen Samjiyon-Orchesters in Südkorea aufgetreten und dort auf enormes Interesse gestoßen. Der bisher letzte Auftritt südkoreanischer Künstler in Nordkorea fand im Jahr 2007 statt.

Der aktuelle Besuch war bei einem Treffen von Vertretern beider Länder in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea vereinbart worden. Der Norden habe eine Einladung ausgesprochen, um die "Dynamik für Frieden und Versöhnung" beizubehalten, hieß es damals aus Seoul.

ulz/AFP/Reuters

insgesamt 10 Beiträge
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Tharsonius 01.04.2018
1. Sehr gut
Musik war schon immer ein Mittel das Brücken schlägt und Grenzen überwinden kann. Weiter so.
neue_mitte 01.04.2018
2.
So geht das. Und nicht mit Kriegs-Drohungen des orangenen Mannes aus Washington. Der erreicht mit seinem Säbelrasseln bloß, dass sich die Nordkoreaner selbst in eine Gewaltspirale drehen. Aber wie so oft, wo Washington die Finger drin hat, sind sie weit genug weg, um nicht direkt die Konsequenzen zu spüren. Die Südkoreaner machen es genau richtig. Direkt klären, friedlich klären.
uherm_ 01.04.2018
3. Das Eingeständnis
fällt mir verdammt schwer: Trump hat zum neuen Tauwetter wesentlich beigetragen. Also Augen zu und durch. Der Zweck heiligt die Mittel.
inntleser 01.04.2018
4.
Während Kim Jong mitklatscht, werden in den Lagern Nordkoreas Hunderttausende Menschen grausam zum Teil bis zum Tod gefoltert und China schickt Flüchtlinge zurück in nordkoreanische Todeslager. Das sollte einem immer bewusst sein. https://www.igfm.de/nordkorea/erlebnisbericht-verrat-und-folter/
friesenheino 01.04.2018
5. Alles gut, sogar perfekt
und am Ende wird hoffentlich ein Friedensvertrag stehen
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