Peking/Seoul - Was tut sich im abgeschotteten kommunistischen Nordkorea? Seit Monaten sind an vielen Stellschrauben kleine Veränderungen zu sehen. Der neue Machthaber Kim Jong Un wählt eine andere Form der Präsentation als sein verstorbener Vater Kim Jong Il. Ob allerdings substantielle Reformen anstehen, ist bisher noch unklar. Nun hat Kim erneut eine Äußerung fallen gelassen, die aufhorchen lässt. Bei einem Besuch in China deutete er die wirtschaftliche Öffnung seines Landes an. "Die Entwicklung der Wirtschaft und die Verbesserung der Lebensbedingungen ist das Ziel, für das die koreanische Arbeiterpartei kämpft, damit das koreanische Volk ein glückliches und zivilisiertes Leben führen kann", zitierte die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag den seit Dezember 2011 amtierenden Staatschef.
Experten gehen davon aus, dass Nordkorea ein Bündel an wirtschaftlichen Reformen vorbereitet. "Ich glaube, dass er dafür die Unterstützung Chinas sucht", sagte der Professor für Nordkorea-Studien in Seoul, Yang Moo Jin. Daran hat auch die Führung in Peking großes Interesse. Die Volksrepublik befürchtet, dass die Wirtschaftskrise im Nachbarland zu Instabilität führen und Tausende Nordkoreaner über die Grenze nach China treiben könnte.
Nordkorea zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Versorgungslage hat sich im vergangenen Monat nach schweren Überschwemmungen verschlechtert. 119 Menschen starben, 46.000 Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche wurden zerstört. Die Bevölkerung benötigt nach Einschätzung der Vereinten Nationen dringend Lebensmittel. Pjöngjang habe bereits darum gebeten, Hilfslieferungen von Lebensmitteln und Treibstoff nach Nordkorea mit Vorrang zu behandeln, hieß es in New York.
Zudem hat Kim Fachleute in die Welt geschickt, um andere Wirtschaftsmodelle zu studieren. In Huaxi, einem reichen Landkreis in der chinesischen Provinz Jiangsu, sind im letzten halben Jahr sieben nordkoreanische Frauen eingetroffen, die dort den wirtschaftlichen Alltag erkunden sollen. Das berichtete die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo". Die Gäste, so heißt es, sind im Longxi International abgestiegen - einem Fünfsternehotel.
ler/Reuters/dapd
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