Neujahrsansprache Kim Jong Un droht USA mit Abkehr von Entspannungspolitik

Entweder die Sanktionen werden beendet, oder es ist Schluss mit der Politik der Annäherung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wirft den USA vor, Absprachen nicht einzuhalten - und droht mit einem "neuen Weg".


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un droht im Streit über das Atomwaffenprogramm seines Landes mit einer Abkehr vom Annäherungskurs, falls die USA an ihren Sanktionen festhalten. In seiner Neujahrsansprache bekräftigte Kim am Dienstag zwar die Absicht zur atomaren Abrüstung und Fortsetzung der Gipfeldiplomatie mit den USA. Außerdem betonte er, US-Präsident Donald Trump jederzeit treffen zu können. Doch warf er Washington vor, Zusagen nicht einhalten zu wollen und Pjöngjang einseitige Abrüstungsschritte abzupressen.

"Falls die USA ihre vor der ganzen Welt gemachten Versprechen nicht erfüllen, unsere Geduld falsch einschätzen und an Sanktionen und Druckmitteln festhalten, um Dinge einseitig zu erzwingen, werden wir wahrscheinlich keine andere Wahl haben, als einen neuen Weg auszuloten", sagte Kim im staatlichen Fernsehen. Darüber hinaus forderte er, dass die Militärmanöver der USA mit Südkorea beendet werden und keine strategischen Waffen aus dem Ausland auf die koreanische Halbinsel gebracht werden dürfen.

Wie der von ihm angedeutete "neue Weg" aussehen könnte, ließ Kim offen. Er setzte aber die wachsende Kritik Pjöngjangs an der Sanktionspolitik der USA in den vergangenen Wochen fort. Der in einen dunklen Anzug gekleidete Machthaber saß während seiner Rede in einem großen Sessel in einem Arbeitsraum oder einer Bibliothek und las zum Teil von Zetteln ab.

Die Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang sind nach zwischenzeitlichen Signalen der Hoffnung wieder festgefahren. Die US-Regierung will an den eigenen Strafmaßnahmen wie auch den Uno-Sanktionen gegen die kommunistische Führung Nordkoreas so lange festhalten, bis diese konkrete Abrüstungsschritte unternimmt.

Pjöngjang wiederum hatte Angaben staatlicher Medien zufolge im November vergangenen Jahres eine neue Hightech-Waffe getestet. Und das "Thinktank Center for Strategic and International Studies" hatte im März 2018 von mindestens 13 geheimen Raketenanlagen in Nordkorea berichtet. Satellitenbilder würden zeigen, dass sich die meisten dieser Anlagen in schwer einsehbaren Bergregionen befänden.

Neuer Gipfel Anfang des Jahres?

Bei seinem historischen Gipfeltreffen mit Trump im Juni in Singapur hatte Kim seine Bereitschaft zur "kompletten Denuklearisierung" betont. Doch konkrete Zusagen, bis wann das Atomwaffenarsenal abgerüstet werden soll und wie die Gegenleistungen der USA aussehen könnten, blieben bisher aus. Die Führungen beider Länder streben derzeit einen weiteren Gipfel Anfang dieses Jahres an.

Er habe den festen Willen, eine "neue Beziehung" zu den USA aufzubauen und dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen, sagte Kim. Die USA sollten "auf unsere aktiven Bemühungen mit glaubhaften Schritten und korrespondierendem Verhalten antworten", forderte er. Nach den großen Spannungen 2017 wegen zahlreicher Raketentests und einem weiteren Atomtest durch Nordkorea hatte Kim in seiner Neujahrsansprache des vergangenen Jahres versöhnlichere Töne angeschlagen. Auch mit Südkorea trat Nordkorea in eine neue Phase der Zusammenarbeit und Aussöhnung ein.

An Südkorea gewandt rief Kim zu einer noch engeren Kooperation auf. Sein Land sei bereit, den Betrieb eines gemeinsamen Industrieparks sowie das gemeinsame Programm für Touren zum Kumgang-Gebirge an der Ostküste wieder aufzunehmen. Beide Projekte wurden in den vergangenen Jahren angesichts zunehmender Spannungen eingestellt. Einer Wiederaufnahme stehen die Sanktionen gegen Pjöngjang im Weg.

Einem am Sonntag bekannt gewordenen Schreiben zufolge will Kim Jong Un im neuen Jahr erstmals zu Gesprächen in die südkoreanische Hauptstadt Seoul reisen. Er bedaure, dass er im zu Ende gehenden Jahr nicht wie vereinbart nach Seoul gekommen sei, schreibt Kim in dem Brief an den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Kim äußerte seine "starke Entschlossenheit", dies im neuen Jahr nachzuholen. Er hoffe auf häufige Treffen mit Moon im neuen Jahr.

oka/dpa

insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nubari 01.01.2019
1. Man reibt sich die Augen
Nicht die USA erhöhen den Druck, sondern Nordkorea stellt Forderungen an die Supermacht. Gleichzeitig werden die bilateralen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea gepflegt und intensiviert, während die USA außen vor bleiben und nun daran gehen müssen, ihre Koreapolitik neu zu justieren. Nach Kim Jong Uns guten Erfahrungen beim letzten Gipfel dürfte er sich auf das nächste Treffen mit Donald Trump freuen. Dieses könnte allerdings ganz anders verlaufen, denn Trump reagiert impulsiv und aus dem Bauch heraus; niemand kann heute ahnen, in welcher psychischen Verfassung Trump in wenigen Monaten zum nächsten Gipfel reisen wird, getrieben von Demokraten, Ermittlern und Sorgen um seine Basis, aber ohne Experten in seinem Stab.
doktorfeinfinger 01.01.2019
2. Zusagen
Es ist ja auch völlig überraschend, dass dieser Mann im Weißen Haus seine Zusagen nicht einhält, er ist doch sonst so zuverlässig...
giftzange 01.01.2019
3. Textkontrolle
Guten Morgen und frohes neues Jahr! Ich habe mich voller Interesse auf den Artikel über Nordkorea gestürzt. Leider waren direkt im Teaser 2 Fehler: 1) In einem entweder-oder-Satz kommt kein Komma vor. 2) Es heißt sicher nicht "mit der die Poltik". In einem weiteren Ihrer Artikel lese ich "Vor der Unfall hatte es...". Könnte bitte das Jahr mit einet besseren Textkontrolle beginnen? Da habe ich dchon keine Lust mehr aufs Lesen. Es wäre schön, wenn man bei Ihren Artikeln nicht ständig denken müsste, dass es sprachlich, in der Interpunktion und Grammatik in Deutschland bergab geht. Vielen Dank :)
claus7447 01.01.2019
4. Na da zeigt es sich doch...
.... wie erfolgreich Donny Deals macht. Auch 2019 viel heisse Luft aus Washington DC.
thomas0815-1 01.01.2019
5. Klingt doch alles sehr vernünftig
und realistisch. Eben Realpolitik. Verstehe aber nicht, warum SPON das mit einem "zweifelhaften" Unterton berichtet. Wessen Versprechungen und Zusagen man nicht trauen kann, haben wir doch in den letzten zwei Jahren erlebt. Und wie es um "Beobachtungen" aus USA bezüglich Waffen etc. bestellt ist, weiß die Welt spätestens seit dem Irak Krieg. Wünsche ein friedliches Jahr.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.