Nordkoreas Machthaber Kim "Unveränderten, festen Willen zur Denuklearisierung"

Nordkoreas Machthaber sucht die Nähe zu Moskau. Bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister bekräftigt er, an der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel festzuhalten. Derweil wird ein Brief von Kim im Weißen Haus erwartet.

Kim Yong Chol (l.) und Kim Jong Un in Panmunjom
AP/South Korea Presidential Blue House/Yonhap

Kim Yong Chol (l.) und Kim Jong Un in Panmunjom


In die Bemühungen um einen möglichen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kommt Bewegung. Am Freitag wird der nordkoreanische Unterhändler Kim Yong Chol im Weißen Haus erwartet, um einen persönlichen Brief Kims an Trump zu übergeben. US-Außenminister Mike Pompeo zeigte sich zuversichtlich, was den Verlauf der Verhandlungen mit der international isolierten Führung in Pjöngjang angeht. Diese will zudem weitere Gespräche mit Südkorea über ihre künftigen Beziehungen führen.

Trump hatte das für den 12. Juni in Singapur geplante Treffen vergangene Woche abgesagt. Kurz darauf deutete er aber an, dass es doch stattfinden könnte.

Mike Pompeo trifft Kim Yong Chol

AFP

Pompeo traf sich am Donnerstag in New York mit dem ranghohen Parteifunktionär und ehemaligen Geheimdienstchef Kim Yong Chol. Der US-Außenminister sagte anschließend, man bewege sich in die richtige Richtung. In den vergangenen 72 Stunden sei "echter Fortschritt" dabei erzielt worden, die Bedingungen für ein mögliches Treffen zwischen Kim und Trump festzulegen. Es gebe aber auch noch viel zu tun.

Das Weiße Haus wollte am Donnerstag nicht sagen, ob auch Trump den nordkoreanischen Unterhändler am Freitag selbst treffen wird. Die Details würden noch ausgearbeitet, sagte der stellvertretende Sprecher Hogan Gidley. Pompeo unterstrich, dass Trump auf eine "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel bestehe.

Der Streit um eben jene Denuklearisierung ist kompliziert, denn die USA und Nordkorea verstehen darunter unterschiedliche Dinge - was die Verhandlungen über atomare Abrüstung im Allgemeinen und den Gipfel im Speziellen erschwert.

Kim Jong Un trifft Sergej Lawrow

REUTERS(KCNA

Kim Jong Un ließ am Freitag über die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA mitteilen, er fühle sich der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel nach wie vor verpflichtet. Kim habe den "unveränderten, beständigen und festen Willen" seines Landes "zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" bekräftigt und hoffe, dass dieses Ziel in mehreren Schritten und im Interesse aller Seiten erreicht werden könne.

Kim machte die Äußerungen dem Bericht nach während eines Treffens mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der zu Besuch in Nordkorea war. Die beiden hätten sich auch darauf verständigt, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern zu fördern. Noch in diesem Jahr solle es einen Gipfel mit Kremlchef Wladimir Putin geben - anlässlich des 70. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Lawrow warnte vor zu hohen Erwartungen und rief alle Seiten dazu auf, "dem Versuch zu widerstehen, alles und sofort zu fordern", wie es in einer vom russischen Außenministerium veröffentlichten Mitschrift hieß. Zugleich lud er Kim ein: "Kommen Sie nach Russland, wir würden uns sehr freuen, Sie zu begrüßen", sagte Lawrow laut einer Mitteilung des russischen Außenministeriums.

Vertreter aus Nord- und Südkorea treffen sich

Getty Images/South Korean Presidential Blue House

Vertreter von Nord- und Südkorea wollen am Freitag im Grenzort Panmunjom zusammenkommen, um über mögliche Kooperationsmaßnahmen zu reden. Es soll dabei darum gehen, wie die Vereinbarungen ihres Gipfels vom April konkretisiert werden können. Südkorea wolle über grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen, neue Begegnungen zwischen getrennten Familien sowie andere Fragen des Austausches reden, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

Das Gipfeltreffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und Kim Jong Un im April endete mit einer Erklärung über Frieden und Aussöhnung, die auch die Förderung der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen vorsieht. Nordkoreas Machthaber erklärte sich zudem zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms bereit, ohne das Wie und Wann näher zu definieren.

Video zum nordkoreanischen Testgelände: CNN-Reporter berichtet über Sprengung

AFP/ KCNA VIA KNS

aar/dpa/AFP

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andraschek 01.06.2018
1. Ich vermisse etwas in dem Artikel
"Der Streit um eben jene Denuklearisierung ist kompliziert, denn die USA und Nordkorea verstehen darunter unterschiedliche Dinge" Es ist ja schön zu wissen das man unterschiedlicher Meinung ist, besser ist jedoch zu wissen worin denn die Unterschiede bestehen.
Olaf 01.06.2018
2.
So abwegig ist die Strategie Trumps gar nicht. Nordkorea braucht dringend Investitionen und Zugang zum Weltmarkt. Sie könnten den chinesischen Weg gehen und eine kommunistische Ein-Parteien Diktatur mit einen kapitalistischen Wirtschaftssystem kombinieren. Wirtschaftlicher Erfolg würde Kims Herrschaftssytem stabilisieren, das funktioniert in China ja auch. Bliebe die Sicherheitsgarantie für Kim, also dass der Westen nicht versuchen wird ihn zu stürzen. Dies könnte ein Abkommen mit Washington und Peking garantieren. Kim würde dann nuklear abrüsten und die Chinesen würden mit ihren Atomwaffen für seine Sicherheit garantieren, die USA mit ihren Atomwaffen für den Süden Koreas. Das haben die USA im kalten Krieg für Europa auch getan. (Genau genommen tun sie es bis heute) Dann wäre die koreanische Halbinsel denuklearisiert, die Bedrohung durch die Atomwaffen Nordkoreas verschwunden, Kim hätte seine Sicherheitsgarantien und für die Wirtschaft und den Menschen in Nordkorea würde es endlich aufwärts gehen. So könnte ich mir grob eine Einigung vorstellen. Mal sehen was noch passiert.
hugahuga 01.06.2018
3.
Zitat von OlafSo abwegig ist die Strategie Trumps gar nicht. Nordkorea braucht dringend Investitionen und Zugang zum Weltmarkt. Sie könnten den chinesischen Weg gehen und eine kommunistische Ein-Parteien Diktatur mit einen kapitalistischen Wirtschaftssystem kombinieren. Wirtschaftlicher Erfolg würde Kims Herrschaftssytem stabilisieren, das funktioniert in China ja auch. Bliebe die Sicherheitsgarantie für Kim, also dass der Westen nicht versuchen wird ihn zu stürzen. Dies könnte ein Abkommen mit Washington und Peking garantieren. Kim würde dann nuklear abrüsten und die Chinesen würden mit ihren Atomwaffen für seine Sicherheit garantieren, die USA mit ihren Atomwaffen für den Süden Koreas. Das haben die USA im kalten Krieg für Europa auch getan. (Genau genommen tun sie es bis heute) Dann wäre die koreanische Halbinsel denuklearisiert, die Bedrohung durch die Atomwaffen Nordkoreas verschwunden, Kim hätte seine Sicherheitsgarantien und für die Wirtschaft und den Menschen in Nordkorea würde es endlich aufwärts gehen. So könnte ich mir grob eine Einigung vorstellen. Mal sehen was noch passiert.
Wenn die Amis es akzeptieren würden, dass die Chinesen mit ihren Atomwaffen für die Sicherheit Nordkoreas einstehen - wäre diese Welt eine völlig andere. Den Amis geht es in erster Linie darum, ihre Militärstützpunkte möglichst nah an China und Russland gelegen, zu erhalten. Dass der dicke Kim bisher über Atomwaffen verfügte, sorgte für die Begründung Südkorea vor Nordkorea zu schützen. Kommen allerdings beide Korea überein, künfig friedlich miteinenader umgehen zu wollen, erübrigen sich die US Stützpunkte. Damit wären sicherlich beide Korea (auch die Mehrzahl in Südkorea) und China einverstanden. Allein Herr Abe in Japan stünde dagegen und für die Amis wäre es der Gau. Nicht mehr gebraucht zu werden und ganz offenkundig in der Gegend überflüssig zu sein? Das würde und wird nicht akzeptiert werden - und ich wette, es lässt sich ein Grund finden, um am alten Status als "Schutzmacht" festhalten zu können. Zur Not wird irgendwas inszeniert.
zac.m 01.06.2018
4. Ich glaube nicht ...
Zitat von OlafSo abwegig ist die Strategie Trumps gar nicht. Nordkorea braucht dringend Investitionen und Zugang zum Weltmarkt. Sie könnten den chinesischen Weg gehen und eine kommunistische Ein-Parteien Diktatur mit einen kapitalistischen Wirtschaftssystem kombinieren. Wirtschaftlicher Erfolg würde Kims Herrschaftssytem stabilisieren, das funktioniert in China ja auch. Bliebe die Sicherheitsgarantie für Kim, also dass der Westen nicht versuchen wird ihn zu stürzen. Dies könnte ein Abkommen mit Washington und Peking garantieren. Kim würde dann nuklear abrüsten und die Chinesen würden mit ihren Atomwaffen für seine Sicherheit garantieren, die USA mit ihren Atomwaffen für den Süden Koreas. Das haben die USA im kalten Krieg für Europa auch getan. (Genau genommen tun sie es bis heute) Dann wäre die koreanische Halbinsel denuklearisiert, die Bedrohung durch die Atomwaffen Nordkoreas verschwunden, Kim hätte seine Sicherheitsgarantien und für die Wirtschaft und den Menschen in Nordkorea würde es endlich aufwärts gehen. So könnte ich mir grob eine Einigung vorstellen. Mal sehen was noch passiert.
... dass die Führung in NK sich so leicht in eine militärische Abhängikeit mit China begibt. Hat doch bereits Anfang der 90er Jahre das Verhältnis mit China angefangen zu leiden, so dass NK sein Heil lieber in eigenen Atomwaffen sieht (die übrigens mit Hilfe Russlands ihren Weg auf die Halbinsel fanden). Ihr Szenario halte ich für nicht sehr umsetzbar. Das Spiel ist m.E. komplizierter, als manche es vermuten.
Olaf 01.06.2018
5.
Zitat von zac.m... dass die Führung in NK sich so leicht in eine militärische Abhängikeit mit China begibt. Hat doch bereits Anfang der 90er Jahre das Verhältnis mit China angefangen zu leiden, so dass NK sein Heil lieber in eigenen Atomwaffen sieht (die übrigens mit Hilfe Russlands ihren Weg auf die Halbinsel fanden). Ihr Szenario halte ich für nicht sehr umsetzbar. Das Spiel ist m.E. komplizierter, als manche es vermuten.
Sicherlich wird sich hinter den Kulissen einiges abspielen, vom dem wir nichts ahnen, daher ist mein Vorschlag natürlich Spekulation. Es ist einfach ein Gedankenspiel, wie eine für alle Seiten akzeptable Lösung aussehen könnte.
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