Nordkoreas abwesender Diktator Kim Jetzt muss er sich zeigen

Seit Wochen ist Nordkoreas Diktator Kim Jong Un nicht mehr öffentlich aufgetreten. Ist er krank? Hat seine Schwester ihn ausgebootet? Steht er unter Hausarrest? Ein Termin am Freitag wird mit Spannung erwartet.

DPA

Zigtausende nordkoreanische Soldaten werden im Stechschritt an den Tribünen mit Ehrengästen im Zentrum Pjöngjangs vorbeidefilieren, ein guter Teil des immensen Raketenarsenals des Regimes an jubelnden Massen entlangrollen. Doch die Augen der Welt werden am Freitag auf den Emporen-Platz gerichtet, der dem Staatschef vorbehalten ist: Nimmt Kim Jong Un an den Feierlichkeiten zur Gründung der Arbeiterpartei vor 69 Jahren teil?

"Die Feierlichkeiten sind ein wichtiger Termin. Wenn Kim dort nicht auftaucht, könnte wirklich etwas passiert sein in Nordkorea", sagt Asien-Experte Felix Patrikeeff von der Universität Adelaide SPIEGEL ONLINE.

Spekulationen über die Lage in Nordkorea gab es in den vergangenen Wochen reichlich. Befeuert wurden sie vor allem von südkoreanischen Medien und Gegnern des Staatschefs, die nichts sehnlicher wünschen als das Ende der Diktatur der Kims. Es wird über einen Putsch, also die Entmachtung von Kim gemutmaßt. Möglicherweise ist der 30-Jährige aber auch ernsthaft erkrankt.

Letzter Auftritt am 3. September

Auslöser für die Gerüchte ist die sonderbare Abwesenheit von Kim Jong Un, der sonst kaum einen Tag verstreichen lässt, ohne seine Untertanen mit wohlorchestrierten Auftritten zu versorgen. Der Diktator in dritter Generation wurde das letzte Mal am 3. September bei einem Konzert in Pjöngjang in der Öffentlichkeit gesehen.

Bereits im Sommer hatte das nordkoreanische Staats-TV Bilder ausgestrahlt, auf denen Kim hinkte. Ende September, der Diktator war da bereits seit Wochen abgetaucht, äußerte sich der Regimesender zum Gesundheitszustand des Präsidenten. Kim "fühle sich nicht gut", verlas der Nachrichtensprecher. Es war das erste Mal in der Geschichte der nordkoreanischen Diktatur, dass sich Medien zu körperlichen Gebrechen eines Führers äußerten. Südkoreanische Medien berichteten später, Kim habe sich beide Sprunggelenke gebrochen und erhole sich in einer Luxusklinik auf dem Land. Ob das stimmt, ist jedoch unklar.

Aus Nordkorea geflohene Analysten der in Seoul ansässigen Organisation Solidarität der Intellektuellen mit Nordkorea spekulieren nun, Kim könne zumindest vorübergehend entmachtet worden sein. An seiner Stelle führe möglicherweise seine jüngere Schwester Kim Yo Jong die Geschäfte in Pjöngjang, berichtet CNN unter Berufung auf die Organisation. Chinesische Medien berichteten gar, der Coup gegen den Jungdiktator sei von Vizemarschall Jo Myong Rok eingefädelt worden. Doch Jo, der 2000 als Botschafter des guten Willens eine Reise nach Washington unternahm, starb bereits im Herbst 2010.

Kim Yo Jong - wie mächtig ist die Schwester des Diktators?

Dass die Schwester Kims in Pjöngjang eine wichtige Rolle spielt, gilt als sicher. Die 27-Jährige habe mit ihrem Bruder unter Decknamen in Bern eine Privatschule besucht, schreibt der Korea-Kenner Michael Madden auf seinem Blog "North Korea Leadership Watch". Kim Yo Jong organisiere jetzt die öffentlichen Auftritte ihres Bruders und sei eine Art persönliche Assistentin.

"Das Regime in Nordkorea lässt sich kaum in die Karten gucken", sagt Korea-Experte Patrikeeff. Die lange Abwesenheit Kims könne darauf hinweisen, dass er sich zurückgezogen habe, um seine Macht auszubauen und zu sichern. Auch Kim Jong Uns Vater Kim Jong Il und Großvater Kim Il Sung hätten sich immer mal wieder aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Diese Phasen dienten dann meistens der Konsolidierung ihrer Macht.

Zuletzt hatte es aus Nordkorea zudem Anzeichen für einen politischen Wandel gegeben. Vergangene Woche zum Beispiel reisten hochrangige Regimevertreter anlässlich des Abschlusses der Asienspiele nach Seoul. Die südkoreanische Regierung war von dem Besuch überrascht - aber hocherfreut, als die Delegation aus dem Norden die Wiederaufnahme von Gesprächen zur Verbesserung der Beziehungen anbot.

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seoul77 09.10.2014
1. Erst wird doch wohl niemand ernsthaft...
glauben, dass die Militärs in NK, die seit 40 Jahren den Laden dort im Griff haben, einen solchen Bubi, der von Niemanden in der politischen Welt ernst genommen wird, eine Diktatorfunktion zuschreiben. Es ist der Führerkult gewesen, der diesen Jungen an die Oberfläche gespült hat, man wollte keine Militärdiktatur, denn dann zerfiele die ganze Logik des Staates. Nicht nur der Chinesische Staatspräsident, sondern auch alle anderen hochrangigen Politiker lehnen es ab, mit dem kleinen Jungen zu sprechen... Worüber auch.... Es dient als Requisite. Nun wird er sicherlich abgeschoben worden sein...
julia-s12345 09.10.2014
2. na ja...
Ich hoffe, dass Nord-und Südkorea irgenwann wieder vereinigt werden. Ob mit oder ohne den "Bubi". Ich weiß nicht, wie der Mann sich entwickelt hätte, wäre er in eine "normale" Familie geboren.
ephlang 09.10.2014
3. vielleicht
ist Nordkorea demassen pleite dass sich "Babyface" keine grossen Auftritte mehr leisten kann. Oder die Marionette hat ausgedient? Das mit der Pleite ist wiohl eher ein grund fuer die annäherung an Südkorea,sowie seinerzeit auch die Sowjetunion sich an Europa versuchte anzulehnen
charlybird 09.10.2014
4. Dafür,
dass dieses Land weltpolitisch eigentlich keine große Rolle spielt, außer eine talentlose Außenseiterposition , verbunden mit der Tatsache, dass es der Teil eines geteilten Landes ist, erscheint es doch recht häufig in den Schlagzeilen. Vielleicht auch deswegen, dass es die Immerwarner vor bösem Kommunismus und ähnlich schrecklichen Dingen nicht aus den Augen verliert, wenn sie wieder einmal die schlotternden Wähler über soziale Abenteuer aufklären müssen und keine Argumente haben. Aber mal zu Kimmy Boy, beide Sprunggelenke hin, Luxusklinik auf dem Land ???? Schwer zu glauben. Ich glaube ganz einfach, dass dieser Operettenstaat, leider mit sehr unanständiger Behandlung ihrer Statisten, gerade eine neue Aufführung probt.
onesimus 09.10.2014
5. na ja
Der Knabe wäre im Westen sicher ein gut knallharter Kapitalist geworden. Wie die Leitungskader in China, so manch ehemaliger Komsomol der ehemaligen SU od. auch manch PG der DDR (Motto Bauernland in Bonzenhand z.B.) Sind halt Führernaturen. Wenn nicht diktatorisch zur Macht gelangt werden sie halt gewählt. Wichtig ist viel zu versprechen und die Emotionen anheizen, Sachpolitik ist doch viel zu kompliziert, da müßte man ja denken............ Aber eines haben wir zum großen Glück voraus: Wir können sie auch wieder loswerden d.h. abwählen!
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