Neuer Raketenstart Nordkoreas Der unaufhaltsame Kim

Mit seinem neuen Raketentest zeigt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un der Welt, wie ihn die jüngsten Uno-Sanktionen beeindruckt haben: gar nicht.

AFP

Von , Seoul


Und schon wieder spielen sich in Japan Szenen von Hysterie und Panik ab: In sonst verschlafenen Dörfern heulen Sirenen, per Lautsprecher werden Bewohner aufgefordert, Gebäude oder unterirdische Schutzräume aufzusuchen. Der Superschnellzug Shinkansen stoppt. Zeitungen verteilen Extrablätter.

Die Empörung ist groß in Japan, einer Nation, die größten Wert legt auf Harmonie und einen minutiös regulierten Alltag. Doch Nordkoreas Diktator Kim Jong Un schert sich nicht um die Empfindlichkeiten seiner Nachbarn: Schon wieder ließ er eine Rakete über die nördliche Insel Hokkaido hinweg in den Pazifik schießen. Premier Shinzo Abe trat in Tokio vor die TV-Kameras und protestierte - und wieder klang er sehr hilflos.

Denn mit dem jüngsten Raketentest zeigt Diktator Kim Jong Un, wie wenig ihn die jüngsten Sanktionen beeindrucken, die der Uno-Sicherheitsrat erst vor wenigen Tagen einstimmig beschlossen hat - und die auf Druck Chinas und Russland deutlich abgeschwächt worden waren.

Video: Nordkorea feuert erneut Rakete über Japan hinweg

Mit der neuen Provokation lässt Kim die Situation weiter eskalieren: Die neueste Rakete soll rund 3700 Kilometer geflogen sein - und damit noch deutlich weiter als jenes Modell, das er am 29. August über Hokkaido hinwegfeuern ließ. Damit hat Kim nach Ansicht japanischer Experten bewiesen, dass er seine Drohung wahrmachen könnte, auch den pazifischen US-Luftwaffenstützpunkt Guam anzugreifen.

Tatsächlich sei Kim längst in der Lage, mit seinen Raketen auch Ziele auf dem amerikanischen Festland zu treffen, vermutet Jang Cheol Wun, Militärexperte der Kyungnam Universität in Seoul. "Kim hat die technologischen Ziele seines Nuklearprogramms großenteils schon erreicht", sagt Jang gegenüber SPIEGEL ONLINE, "mit allen weiteren Tests sendet er vor allem politische Botschaften."

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Und auch die jüngste Botschaft des Führers der jüngsten Atommacht der Welt lautet: Nehmt mich endlich ernst!

Der Hauptadressat der nordkoreanischen Provokationen ist allerdings weit davon entfernt, Kim auf Augenhöhe zu begegnen. US-Präsident Donald Trump zeige kein Interesse, mit Nordkorea zu verhandeln, verlautet aus der südkoreanischen Regierung. Das amerikanische Misstrauen gegenüber Kim Jong Un sei einfach zu groß.

Nordkoreakonflikt - die Akteure

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Diese Reaktion ist verständlich angesichts der schlechten Erfahrungen, die schon Trumps Vorgänger mit dem Regime in Pjöngjang gemacht haben. Doch wenn die USA nicht einen unkalkulierbaren Krieg gegen Nordkorea riskieren wollen, bleibt ihnen letztlich nichts anderes übrig, als direkte Gespräche mit Kim zu suchen. Denn die Nordkorea-Sanktionen, die ständig ein bisschen mehr verschärft werden, wirken nicht, solange China und Russland sie verwässern oder nicht ernsthaft umsetzen.

Bislang beharren die USA und ihre Verbündeten Japan und Südkorea darauf, dass Nordkorea sein Nuklearprogramm einfriert. Vorher wollen sie nicht mit dem Regime reden. Darauf wird Kim sich aber kaum einlassen - denn auch sein Misstrauen ist groß. Er denkt nicht daran, die atomare Überlebensstrategie aufzugeben, für die er und seine Vorfahren den eigenen Untertanen jahrzehntelang so harte Opfer abverlangt haben.

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Neuer Raketentest: Norkorea brüskiert die Welt

Fazit: Für eine Lösung der Koreakrise gibt es nur einen Ausweg. Washington darf keine Zeit mehr verlieren, es muss sofort beginnen, mit Pjöngjang zu verhandeln. Wo geredet wird, wird zumindest nicht geschossen. Mit jeder neuen nordkoreanischen Rakete aber, die dann vielleicht doch mal von der berechneten Route abweicht, wächst die Gefahr eines Krieges, den niemand gewollt hat.

insgesamt 127 Beiträge
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The Restless 15.09.2017
1. Er will eine Garantie dafür,
nicht angegriffen zu werden. Gebt sie ihm endlich, dann gibt er Ruhe.
INGXXL 15.09.2017
2. Jetzt sollten schärfte Sanktionen folgen
Vor allem kein Tropfen Öl sollte mehr fliessen. China sollte endlich ein Machtwort sprechen
kretikus 15.09.2017
3. Sanktionen
Kennt jemand im Forum einen Fall bei dem Sanktionen geholfen haben?
exHotelmanager 15.09.2017
4. Bei aller Empörung ...
... über diese brisante Lage wird leider immer vergessen, welchen Hintergrund gerade die koreanische Aggression gegen Japan hat. Japan hat in den 30er bis zum Ende des 2.Weltkriegs Korea überfallen, besetzt und versucht, ihre Kultur auszulöschen. Es ist unvorstellbare Brutalität angewandt worden. Südkorea hat hier inzwischen einen Weg gefunden, einen gewissen Frieden mit Japan zu schliessen, ohne dass die Japaner sich jemals wirklich glaubwürdig von diesen Greueln distanziert haben. Das abgeschottet Nord-Korea hingegen lebt in dieser Historie fort und Japan hat nie auch nur einen Anlauf der Wiedergutmachung und wirksamen Entschuldigung unternommen. Der Wunsch, Japan zu vernichten, ist nicht nur im nord-koreanischen Volk vorhanden, sondern hat durchaus noch reichlich Symphathie im gesamten ostasiatischen Raum. Eine Mitschuld der USA an dieser Spannung ist ebenfalls belegbar, hat man doch 1945 darauf verzichten, den Tenno als absolutistischen Befehlsgeber der Verbrechen zu verhaften, zu verurteilen und hinzurichten, wie es in anderen Ländern geschah. Statt dessen hat man Japan darin unterstützt, die alten Strukturen aufrecht zu erhalten und zu einem unvorstellbaren Reichtum zu bringen.
rosenrot367 15.09.2017
5. Nein!
Die USA muss nicht mit diesem Kim reden - ihn einfach ignorieren, das wäre die beste Lösung! Immer und überall sollen die USA eingreifen - und wenn sie es tun, ist das Geschrei groß! Warum tut Süd-Korea oder Japan nichts? Warum schiessen die Japaner Kims Raketen einfach nicht ab?? Was tut Süd-Korea um Kim zu bändigen? Hoffe, DT hat es gecheckt, dass RUS und China fest an Nordkoreas Seite stehen und am längeren Hebel sitzen. Die UNO sollte sich kümmern - und wenn die das Problem nicht lösen konnen, dann soll halt Kim seine Spielchen weiter treiben. Bin mir sicher, dass er niemals Guam oder die USA angreift - er weiß genau, dann ist Schluss mit Lustig!
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