Nordkoreas Raketentest: Die verpatzte Provokation

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Eigentlich stand der Deal: Die USA liefern Getreide für das hungernde Volk, wenn Pjöngjang auf weitere Raketentests verzichtet. Warum setzte sich Nordkorea darüber hinweg? Weil der junge Kim Jong Un sich beweisen wollte? Oder macht das Militär einfach, was es will?

Raketenabsturz: Das Geburtstagsgeschenk fiel ins Wasser Fotos
AP

Pjöngjang - Eines kann man den Nordkoreanern nicht vorwerfen, wenn sie wieder einmal die Welt provozieren wollen: Verstöße gegen internationale Regeln. Rechtzeitig vor einem Raketenstart informieren sie alle internationalen See- und Luftfahrtbehörden über Zeitpunkt und geplante Route: Kapitäne und Piloten können rechtzeitig ihren Kurs ändern, um nicht von herunterfallenden Teilen des Geschosses getroffen zu werden.

So geschah es auch gestern, als das nordkoreanische Militär versuchte, eine Unha-Rakete ins All zu schießen. Der Start schlug fehl, etwa hundert Sekunden, nachdem sie von der Rampe abgehoben hatte, fiel sie auf die Erde zurück. Das Geschenk für den 1994 verstorbenen Herrscher und Staatsgründer Kim Il Sung, dem "Ewigen Präsidenten", zum 100. Geburtstag fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Dies ist peinlich für die nordkoreanische Führung, denn es war bereits der dritte missglückte Versuch, eine Rakete ins All zu feuern. Mit dem Start, so hatte die Propaganda getönt, wolle das Land das Tor zu einer "aufstrebenden Nation ... im Zeitalter der modernsten Wissenschaft und Technologie" aufstoßen.

Neu ist allerdings: Dieses Mal informierte Pjöngjangs Führung ihre Untertanen über die Pleite. Beim letzten Mal noch hatte die Propaganda von einem funktionierenden nordkoreanischen Wettersatelliten geschwärmt, obwohl der nie das All erreichte.

Kim Jong Un demonstrierte Stärke, wo keine Stärke ist

Der jüngste Fehlschlag kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der neue nordkoreanische Führer Kim Jong Un keinen Deut anders verhält als sein Ende vorigen Jahres gestorbener Vater: Mit vermeintlich irrationalen Drehungen und Wendungen stößt der junge Herrscher die internationale Gemeinschaft vor dem Kopf, wie es der Senior getan hatte. Er demonstriert Stärke, wo keine Stärke ist und riskiert sogar den Zorn seines Verbündeten China.

Mit dem Start der Unha-3 hat Kim Jong Un vor allem die Amerikaner provoziert. Die hatten ihm im Februar versprochen, 240.000 Tonnen Getreide zu liefern. Als Gegenleistung sicherte er unter anderem zu, sein Atomprogramm, konkret die Anreicherung von Uran, vorerst zu stoppen und keine Langstreckenraketen abzuschießen.

Washington hat nun angekündigt, die versprochenen Lebensmittelhilfen nicht zu verschiffen. Dabei wussten die Diplomaten schon im vorigen Jahr von dem Start einer Rakete. Schon Kim Jong Il hatte ihn geplant.

Doch den US-Unterhändlern unterlief offenbar ein schwerer handwerklicher Fehler: Sie verzichteten bei ihrem Lebensmittelangebot auf schriftliche Zusicherungen der Nordkoreaner, keine Rakete ins All zu schießen. Nach Berichten von Fachleuten fürchtete Chefunterhändler Glyn Davies, der gesamte Deal könne platzen.

Dreimal trafen sich in den letzten Wochen amerikanische und nordkoreanische Diplomaten und Experten zu geheimen, sogenannten "track 2"-Gesprächen, einmal auch in Deutschland. Doch weder die Amerikaner noch die Nordkoreaner besaßen das Mandat, ernsthaft zu verhandeln. So nahm das Unglück seinen Lauf.

Auch die chinesischen Verbündeten sind skeptisch

Pjöngjang fühlt sich ungerecht behandelt: Immer hätten die Amerikaner versichert, erklären seine Diplomaten, die Lieferung von Lebensmitteln hätte nichts mit Politik zu tun und sei eine rein humanitäre Geste. Wenn es sich Washington nun anders überlege, dann seien es die Amerikaner und nicht die Nordkoreaner, die den Vertrag vom 29. Februar brächen.

Denn bei dem Raketenstart habe es sich mitnichten um eine militärische Aktion gehandelt. Jeder Staat auf der Erde habe das Recht, mit friedlichen Absichten einen Satelliten ins All zu schicken. Warum nicht auch Nordkorea?

Diese Argumentation glaubt den Nordkoreanern keiner, auch die chinesischen Verbündeten sind skeptisch. Wie die Amerikaner gehen auch die asiatischen Nachbarn davon aus, dass Pjöngjang eine Rakete testen wollte, um irgendwann in der Zukunft in der Lage zu sein, einen Atomsprengkopf in Richtung des Erzfeinds USA zu schießen.

Und so bleibt die Frage, warum Kim Jong Un und seine Militärs Amerikaner wie Verbündete so ärgerten und gleichzeitig das Risiko eingingen, dass sich die erbärmliche Ernährungslage vieler Untertanen nicht verbessert. In der Vergangenheit griffen die nordkoreanischen Herrscher zu solchen Aktionen, um die internationalen Spannungen zu erhöhen und dann gegen das Versprechen, auf diese Taktik zu verzichten, Zugeständnisse in Form von Reis und Getreide zu kassieren.

Warum der Raketentest? Vier Erklärungsversuche

Doch in diesem Fall war der Deal bereits perfekt. Vier mögliche Erklärungen gibt es für das nordkoreanische Vorgehen:

  • Ein erfolgreicher Start hätte die Statur des jungen und unerfahrenen Kim Jong Un im Volk und unter seinen Generälen gestärkt. Gerade hat er sich zum "Ersten Sekretär" der Arbeiterpartei und zum Chef der Zentralen Militärkommission befördern lassen. Doch Posten allein reichen nicht. Im Innern Stärke zu gewinnen, ist Kim wichtiger als die ohnehin üblichen außenpolitischen Spannungen.
  • Kim Jong Un wollte Präsident Obama in der ihm eigenen Logik demonstrieren, dass ihm 240.000 Tonnen Getreide und Kraftkekse egal sind. Um ihn zu befrieden, so das Signal, müssten die Amerikaner "Butter bei die Fische" packen, in Nordkorea etwa einen Leichtwasserreaktor bauen.
  • Nordkoreas Militärs scheren sich nicht darum, was die Diplomaten verhandeln. Sie wollen mit dem Säbel rasseln, internationale Stärke demonstrieren und nicht zuletzt Nordkoreas Rüstungsgüter auf den Waffenmärkten dieser Welt anpreisen. Humanitäre Hilfe verstehen sie als Eingeständnis der Schwäche gegenüber dem imperialistischen Erzfeind USA. Kim Jong Un hat sich schließlich auf die Seite der Marschälle und Generäle geschlagen oder, dies wäre noch besorgniserregender: Sie haben ihn schlicht ignoriert.
  • Die eine Hand wusste nicht, was die andere tut. Womöglich war die komplizierte nordkoreanische Bürokratie nach dem Handel mit Washington nicht in der Lage, den schon unter Kim Jong Il geplanten Raketenstart zu stoppen.

Nordkorea baut weiter Raketen. Und irgendwann werden sie fliegen

Die Zeichen stehen also nicht gut für ein friedlicheres Ostasien: Das Regime unter Kim-Junior ist unberechenbar wie zuvor. Womöglich wird er nun eine Atombombe zünden, um die Scharte auszuwetzen. Dies wäre der dritte Test der nordkoreanischen Atommacht.

Und die Amerikaner wissen immer noch nicht, wie sie mit diesen schwierigen Gesellen mit den Tellermützen und den ordensbehängten Uniformjacken umgehen sollen. Härte und Sanktionen haben bislang nicht genutzt, Eingeständnisse ebenso wenig.

Washington setzt vor allem auf die Chinesen, die endlich ihren Verbündeten zur Vernunft bringen sollen. Doch selbst Pekings Einfluss reicht, wie sich in der Vergangenheit zeigte, nicht aus.

Derweil bauen die Nordkoreaner trotz des jüngsten Rückschlages immer längere Raketen. Und eines Tages werden sie nicht mehr vorzeitig abstürzen.

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1. Mein Gott!
artusdanielhoerfeld 13.04.2012
Zitat von sysopEigentlich stand der Deal: Die USA liefern Getreide für das hungernde Volk, wenn Pjönjang auf weitere Raketentests verzichtet. Warum setzte sich Nordkorea darüber hinweg? Weil der junge Kim Il Sung sich beweisen wollte? Oder macht das Militär einfach, was es will? Nordkoreas verpatzter Raketentest: Die*verpatzte Provokation - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827456,00.html)
Langsam ist aber mal gut, Freunde! Das Projekt ist gescheitert, niemand kam zu Schaden, mit einer Wiederholung ist erstmal nicht zu rechnen, also darf sich die Aufregung auch wieder beruhigen, okay?
2.
asdf01 13.04.2012
Zitat von sysopWashington setzt vor allem auf die Chinesen, die endlich ihren Verbündeten zur Vernunft bringen sollen. Doch selbst Pekings Einfluss reicht, wie sich in der Vergangenheit zeigte, nicht aus.
Ich frage mich bei solche Sätzen immer, wie man auf den Trichter kommt, dass die Chinesen die Nordkoreaner "zur Vernunft bringen" wollen. Ein scheinbar randalierendes Nordkorea in ihrer Einflusssphäre ist doch aller Logik nach absolut in ihrem Interesse. Man darf eigentlich davon ausgehen, dass das mindestens mit wohlwollender Duldung Chinas geschieht.
3. TJJA - so kann man politische Ereignisse...
hansjoki 13.04.2012
Zitat von artusdanielhoerfeldLangsam ist aber mal gut, Freunde! Das Projekt ist gescheitert, niemand kam zu Schaden, mit einer Wiederholung ist erstmal nicht zu rechnen, also darf sich die Aufregung auch wieder beruhigen, okay?
auch bewerten... Ein Volk, das nahezu am Verhungern ist und auch in seiner Freiheit unterdrückt wird - " "darf" also Jubeln" - selbst über technisch-organisatiorisches Versagen. Und wer solchen Schwachsinn / Irrsinn kritisiert, "regt" sich nicht auf, sondern "erlaubt" sich, über Humanität, Ethik und "Intelligenz" der menschlichen Rasse zu reflektieren... (aber - nur weiter so. Die Neandertaler leben noch !)
4.
sabaro4711 13.04.2012
Zitat von sysopDies ist peinlich für die nordkoreanische Führung, denn es war bereits der dritte missglückte Versuch, eine Rakete ins All zu feuern. Nordkoreas verpatzter Raketentest: Die*verpatzte Provokation - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827456,00.html)
Du meine Güte....jetzt mal davon abgesehen, dass es hier um ein Land geht, was nicht grad den Ruf einer Hightech-Nation hat... wieviele Raketen haben den die Amis und Russen verblasen, ehe sie die Technik einigermaßen im Griff hatten? Und auch unsere Ariane hat so manchen Fehlstart hingelegt...also mal nicht so hochnäsig sein
5.
mica-thana 13.04.2012
Zitat von sysopEigentlich stand der Deal: Die USA liefern Getreide für das hungernde Volk, wenn Pjönjang auf weitere Raketentests verzichtet. Warum setzte sich Nordkorea darüber hinweg? Weil der junge Kim Jong Un sich beweisen wollte? Oder macht das Militär einfach, was es will? Nordkoreas verpatzter Raketentest: Die*verpatzte Provokation - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827456,00.html)
Unsere Propaganda behauptet, dass es ein Raketentest war für das Militär, NK Propaganda "behauptet", dass es einen Satelliten ins All befördern sollte. Nur mal rein spekuliert, es war wirklich ein Raketenstart, der einen Forschungssatelliten ins All bringen sollte... Oh mein Gott was für eine Bedrohung für die USA oder Europa... damit könnte NK unser Wetter oder was auch immer Ausspionieren... (Vorsicht in den letzten Sätzen ist Ironie versteckt) Unsere Propaganda funktioniert dabei leider besser, weil viele Kleingeister pro Amerika sind und alles glauben was so berichtet wird. Eine Rakete, egal welchen Typs (selbst unsere Trägerraketen für Satelliten etc) können, da sie das gewicht von..., und platz für Satelliten haben/tragen können, ebenfalls Waffenfähig gemacht werden. Langsam kommen einem zweifel ob so manche "unabhängige" Berichtserstattung auch wirklich "unabhängig" und unbeeinflusst von vorgefertigten Meinungen ist.
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon

Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
AFP
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
AP
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
AFP
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
REUTERS
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
dpa
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.


Fotostrecke
Nordkorea: Alltag in einem abgeschottetem Land
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.