Kim und seine Verwandten: Die gefährlichste Familie der Welt

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Nordkorea: Die Bande der Strippenzieher Fotos
DPA

Wer steuert Nordkoreas Kriegskurs? Die Macht gehört dem jungen Diktator Kim Jong Un nicht allein, auch zwei graue Eminenzen aus der Familie mischen mit. Ein Verwandter ist mittlerweile so einflussreich wie nie zuvor.

Pjöngjang - Es ist ja nicht so, dass der Mann überall in der Welt gehasst wird. Gerade in den vergangenen Tagen, ein Jahr nach seiner Machtübernahme in Nordkorea, erhielt Kim Jong Un Gratulationen, Briefe, Blumensträuße von "Partei- und Staatsführern, Prominenten, politischen Parteien und Organisationen in China, Russland, Kuba, Südafrika und anderen Ländern". Auch der Präsident Palästinas, Mahmoud Abbas, ließ Grüße ausrichten. Die Sozialistische Partei des afrikanischen Staates Benin nahm Kim sogar als Ehrenmitglied auf.

Im Vorfeld des 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April "priesen" die Teilnehmer eines internationalen Festivals in Pjöngjang die "unsterblichen Siege" des Enkels. Die errang der junge Diktator demnach, "indem er die Demokratische Republik Nordkorea in den Status eines stolzen Satellitenproduzenten- und starters sowie in einen Staat der Nuklearwaffen" gehoben habe.

Kim Jong Un hat überall Fans in der Welt, so jedenfalls teilt es die staatliche Nachrichtenagentur KCNA in diesen Tagen immer wieder mit. Sie berichtet zum Beispiel davon, dass der Chef der nordkoreanischen Sicherheitspolizei während eines Besuchs in der Mongolei ein Geschenk für Kim entgegennehmen durfte.

In Pjöngjang selbst naht der Höhepunkt des politischen Kalenders: Zum Geburtstag Kim Il Sungs werden vermutlich wieder Truppen durch die Hauptstadt paradieren, um dem "Präsidenten auf Ewigkeit", seinem Sohn und seinem Enkel zu huldigen. Gäste aus China und Lateinamerika treffen zu den Feierlichkeiten ein, berichtet KCNA. Für sie gilt die Aufforderung an Diplomaten, die Stadt wegen möglicher feindlicher Angriffe zu verlassen, anscheinend nicht.

Nur ein paar hundert Kilometer entfernt bereiten nordkoreanische Soldaten offenkundig den Start einer oder zweier Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan vor, die - zumindest theoretisch - den US-Militärstützpunkt auf der Pazifikinsel Guam erreichen könnten.

Onkel Chang und Tante Kim: die Strippenzieher im Hintergrund

Das Ausland reagiert auf die Propagandaschlacht Pjöngjangs bislang besorgt. Die USA haben eine Radaranlage herbeigeschifft, die Raketen im Umkreis von 2000 Kilometer orten kann. Amerikanische und südkoreanische Soldaten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Chinas KP-Organ "Volkszeitung" warnte unverblümt die Nachbarn und Verbündeten, ihr Spiel nicht zu überreizen. Sie sollten nicht "die Lage falsch einschätzen", hieß es am Donnerstag auf der ersten Seite des Blattes.

Zwei Personen, die mit Kim Jong Un eine rasante Karriere hingelegt haben, werden am 15. April wohl besonders im Mittelpunkt stehen: Einer ist Chang Sung Taek, 67, die graue Eminenz des nordkoreanischen Regimes und angeheirateter Onkel von Kim. Er soll dem unerfahrenen Verwandten den Rücken freihalten. Neuerdings tritt er in Generalsuniform auf und sitzt in der Nationalen Verteidigungskommission. Zudem ist er offenbar für die Beziehungen zum Verbündeten China zuständig. Im August 2012 besuchte er Peking und die Nordost-Provinzen. Damals ging es unter anderem darum, zwei Sonderwirtschaftszonen an der chinesischen Grenze zu gründen.

Unter Kim Jong Uns Vater war Chang im Sommer 2003 von der Bildfläche verschwunden, offenbar musste er - wie es in Nordkorea mit in Ungnade gefallenen hohen Parteikadern öfter geschieht - zum Arbeitseinsatz oder gar in ein Lager. Unklar sind die Gründe des Sturzes, womöglich gab es in der Kim-Familie Streit über Posten und Pfründe.

Ihm sei, heißt es in einigen Quellen, "Fraktionsbildung" vorgeworfen worden. Im Januar 2006 tauchte er wieder in der Hauptstadt auf. Nun ist er gar als neuer Chef der Obersten Volksversammlung im Gespräch.

Auch seine Frau Kim Kyung Hui, 66, die Tante des jungen Kim, gehört zum Kreis der Funktionäre, die den neuen Herrscher beraten. Einige südkoreanische Experten vermuten sogar, dass sie die wahre Regentin des Landes ist. Wie ihr Mann und ihr Neffe ist sie General, war aber bislang nicht in Uniform, sondern nur in einem schwarzen Hosenanzug zu sehen. Zuletzt zeigte sie sich im vorigen Jahr in der Grabhalle ihres Vaters und ihres Bruders, in der die beiden nach offizieller Lesart "auf ewig weiterleben".

Die Tochter nahm sich das Leben

Als sich die Tante und ihr späterer Mann kennenlernten, studierten beide auf der Kim-Il-Sung-Universität Politische Ökonomie. Kim Il Sung war gegen die Verbindung. Er hielt den Freund seiner Tochter - einen talentierten Akkordeonspieler, Tänzer und Sohn einfacher Arbeiter - wohl für zu wenig revolutionär. Doch seine Tochter setzte sich durch und heiratete 1972 ihren Schwarm.

Sie machte ebenfalls Karriere in der Partei, war für internationale Beziehungen, den Frauenverband und die Leichtindustrie zuständig. Nun ist sie für die Organisationsabteilung der KP verantwortlich. Privat kümmerte sie sich lange um den ältesten Sohn ihres Bruders, Jong Nam, der mittlerweile im südchinesischen Spielerparadies Macau lebt.

Persönlich traf sie ein Schicksalsschlag hart: Ihre einzige Tochter, damals Studentin in Paris, nahm sich 2006 das Leben, als die Familie sie zurück nach Pjöngjang holen wollte. Inzwischen soll Kim Kyung Hui ein Alkoholproblem haben und von ihrem Mann getrennt leben. Und sie soll sich zur Geschäftsfrau gemausert haben. Nach Informationen des amerikanischen "Radio Free Asia" besitzt sie ein Restaurant in Pjöngjang.

Wie weit die Tante und ihr Mann den Neffen in der aktuellen Krise anstacheln oder bremsen, ist nicht sicher. Am 15. April jedenfalls werden sie ihren Schützling Kim Jong Un feiern - und sich selbst.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Reißerische Überschrift
sick-and-tired 12.04.2013
Zitat von sysopAFPWer steuert Nordkoreas gefährlichen Kriegskurs? Die Macht gehört dem jungen Diktator Kim Jong Un nicht allein, auch zwei graue Eminenzen aus der Familie mischen mit. Ein Verwandter ist mittlerweile so einflussreich wie nie zuvor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-kim-jong-un-und-seine-einflussreichen-verwandten-a-893954.html
Da fallen mir aber viel gefährlichere Familien auf dieser Welt ein, aber die wollen Sie ja nicht angreifen. Geld regiert die Welt
2. Erschreckend
galens 12.04.2013
Das Bild:"Aus alten Zeiten:Kim Yung Il und teile seiner Familie." erinnert mich in seiner Austrahlung der Darrgestellten stark an Adolf Hitlers Vorstellung von Familie,Gesellschaft und "Tausendjährigem Reich" ! Wie weit und wohin das führte wissen wir Deutsche doch am besten!
3. Man, was fuer eine Ueberschrift.
hdudeck 12.04.2013
Haette man geschrieben, die grossmaeuligste Familie haette es ja gepasst, aber gefaehrlichste? Da sind andere Familien weit gefaehrlicher (e.g. Bush), die haben schon zweimal Kriege angezettelt. Und nun droht auch noch der dritte.
4. Bruder
spiegelzelt 12.04.2013
Sein Bruder lebt in Macao - klasse =)
5.
Walter Sobchak 12.04.2013
Zitat von galensDas Bild:"Aus alten Zeiten:Kim Yung Il und teile seiner Familie." erinnert mich in seiner Austrahlung der Darrgestellten stark an Adolf Hitlers Vorstellung von Familie,Gesellschaft und "Tausendjährigem Reich" ! Wie weit und wohin das führte wissen wir Deutsche doch am besten!
Wow! Schon der 2. Beitrag und Godwins Law ist erfuellt. Die gefaehrlichste Familien der Welt leben immer noch in der "Freien Welt".
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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