Südkoreanischer Besuch in Pjöngjang Kim lässt ausrichten, er wolle Geschichte schreiben

"Offene Gespräche, "Stabilität", "Wiedervereinigung": Nach dem historischen Treffen von Kim Jong Un mit Vertretern aus Südkorea melden nordkoreanische Staatsmedien, die Zeichen stünden auf Annäherung.


Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will die Annäherung an Südkorea offenbar vorantreiben. Bei Gesprächen mit südkoreanischen Sondergesandten in Pjöngjang sei bei der Frage eines möglichen Spitzentreffens mit Präsident Moon Jae In eine "zufriedenstellende Einigung" erzielt worden, berichteten die staatlichen nordkoreanischen Medien - ohne dass Details genannt wurden. Kim habe wichtige Anweisungen gegeben, "praktische Schritte" dafür zu unternehmen, hieß es lediglich vage nach den Gesprächen. Die Abgesandten hätten einen Brief von Moon an Kim übergeben.

Beide Seiten berieten sich den Berichten zufolge auch über den Abbau der militärischen Spannungen in der Region. Es sei sein fester Wille, die innerkoreanischen Beziehungen "energisch voranzutreiben und eine neue Geschichte der nationalen Wiedervereinigung zu schreiben", wurde Kim zitiert. Es habe "offene Gespräche" über Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gegeben.

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Sonnenscheinpolitik: Kim Jong Un will "neue Geschichte der Wiedervereinigung" schreiben

In den Berichten wurde allerdings nicht erwähnt, ob über den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms gesprochen wurde oder über einen Dialog zwischen Pjöngjang und Washington.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

Kim, dessen Land harten internationalen Sanktionen unterworfen ist, betreibt seit Anfang dieses Jahres eine Charmeoffensive in Richtung Seoul. Anzeichen dafür, dass er auch von seinem Atomprogramm abrückt, gab es bisher aber nicht. Am Montag hatte er die südkoreanischen Abgesandten nach deren Ankunft getroffen und für sie ein Abendessen veranstaltet. Das Treffen gilt als historisch: Es ist das erste Mal seit Kims Machtübernahme Ende 2011, dass der Diktator hochrangige Vertreter Südkoreas trifft.

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Moon hatte eine Delegation von fünf Emissären unter Leitung seines nationalen Sicherheitsberaters Chung Eui Yong auch mit der Absicht nach Nordkorea geschickt, die kommunistische Führung in Pjöngjang und Washington an einen Tisch zu bringen.

An den Gesprächen mit den Südkoreanern nahmen den Berichten zufolge auch Kims einflussreiche Schwester Kim Yo Jong sowie der hohe Parteifunktionär und frühere Geheimdienstchef Kim Yong Chol teil. Beide hatten Südkorea zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar besucht. Kims Schwester hatte dabei auch eine Einladung ihres Bruders an Moon übergeben. Südkoreas Staatschef hatte aber zunächst zurückhaltend reagiert.

Ein Sprecher des Pentagons sagte am Montag, man sei "vorsichtig optimistisch" über die Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Sprecher Robert Manning sagte: "Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass wir die militärischen Optionen zur Verteidigung der koreanischen Halbinsel beibehalten und dass wir Schulter an Schulter mit unseren südkoreanischen Verbündeten stehen."

aar/dpa

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ekel-alfred 06.03.2018
1. Annäherung?
Kim braucht Geld. Nichts anderes. Er braucht Devisen, das Land steht mit Sicherheit vor dem Kollaps. Ein Diktator macht nichts aus Nächstenliebe, da steckt Machterhalt dahinter. Der Süden sollte sich also nicht allzu viel Hoffnung machen.
claus7447 06.03.2018
2. Vorsichtig optimistisch
Die richtige Schlussfolgerung. Kim will in erster Linie jedoch einen Keil zwischen Süd Korea und den USA treiben. Eine Wiedervereinigung ist schwierig wenn nicht unmöglich. Es ist genau 17 Jahre her, dass ich in NK war, grundsätzlich wird sich am System nichts geändert haben. Die Nomenklatur NK fürchtet um ihre Posten, SK sieht sich ausser Lage eine Vereinigung auch nur im Ansatz finanzieren zu können. Vielleicht wäre es schön ein Fortschritt die Manöver im Süden etwas zu reduzieren, es gibt heute auch änder Möglichkeiten sich fit zu halten. Aber ohne massiven Druck aus China wird keine Änderung kommen. Hier meine ich ein einfrieren oder beseitigen von Atomwaffen.
fredderfarmer 06.03.2018
3. Atomare Abrüstung wird es (so) nicht geben
Denn nur, weil alle vor eben jenem Atomprogramm zittern, ist es für Kim überhaupt möglich geworden bei Gesprächen auf Augenhöhe zu verhandeln. Bin mal gespannt, was die Amis dazu sagen werden, lebt doch deren "Beziehung" zu Südkorea von deren Bedrohung aus dem Norden.
Onkel Mattel 06.03.2018
4. Wieso "Berichten zufolge"?
Kim Yo Jong ist auf dem Photo doch deutlich zu erkennen.
bumbewasserzong 06.03.2018
5. Kann nicht im US-Interesse sein
Dieser Prozess ist nur akzeptabel, wenn Kim sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unterwirft, die böse Zungen auch als globalen Raubtierkapitalismus und Neoliberalismus bezeichnen. Die USA werden genau hinsehen und das zarte Pflänzchen der Annäherung beim leisesten Anschein, sich ihrem Diktat nicht zu beugen, wieder zertreten. Dass der Regierungschef eines angeblich souveränen Landes (Südkorea) erst die USA um Erlaubnis fragen muss, ob er mit seinem Landsmann sprechen darf und diesem gleichfalls als Vorbedingung des Gesprächs abnötigt, mit den USA in Verhandlung zu treten, beweist, wieviel Freiheit die freien Vereinigten Staaten Ländern, in denen sie militärische Stützpunkte unterhalten ( böse Zungen bezeichnen das als Besatzung) tatsächlich zubilligen. Trump wird sich den Zirkus eine Weile anschauen und mitmachen und rechtzeitig den Schlussstrich ziehen, bevor ihm seine Rüstungslobby auf die Finger haut.
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