Oberster Befehlshaber Kim Jong Un Nordkoreas Diktator macht sich zum Marschall

In Nordkorea ist Staatschef Kim Jong Un nun auch zum Marschall der Streitkräfte ernannt worden. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Damit festigt der junge Machthaber zwei Tage nach der Entlassung des bisherigen Generalstabschefs seine Position.


Pjöngjang/Hamburg - Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un stärkt weiter seine Position als Oberbefehlshaber der mächtigen Streitkräfte. Sieben Monate nach seiner Ausrufung zum neuen Herrscher des kommunistischen Landes wurde ihm nun der Titel Marschall verliehen. Das berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien.

"Es wurde die Entscheidung getroffen, dem Oberkommandeur der Volksarmee, Kim Jong Un, den Titel eines Marschalls der Demokratischen Volksrepublik Korea zu verleihen", meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Demnach wurde die Entscheidung von mehrere Führungsgremien des Staates und der regierenden Arbeiterpartei getroffen.

In der Beförderung sehen Beobachter einen weiteren Schritt, Kims Macht zu festigen. Am Dienstag war der bislang weitgehend unbekannte General Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall ernannt worden, was bei Experten als Zeichen gedeutet worden war, dass er neuer Generalstabschef werden solle. Cheong Seong Chang vom südkoreanischen Sejong Institut sagte, nach der Erhebung Hyons zum Vize-Marschall habe Kim Jong Un als Oberkommandeur der Armee offenbar einen noch höheren militärischen Rang benötigt. Da sei nur noch der Titel des Marschalls in Frage gekommen.

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Entlassener General Ri Yong: Der Staatschef übernimmt selbst
Die Beförderungen Kims und Hyons erfolgten nur weniger Tage nach der Entmachtung des bisherigen Generalstabschefs Ri Jong Ho, der lange Zeit als Mentor des knapp 30-jährigen Kim gegolten hatte. Nach offiziellen Angaben wurden ihm alle Ämter aufgrund einer Erkrankung entzogen. Die Maßnahme hatte im Ausland Spekulationen um einen möglichen internen Machtkampf in Pjöngjang ausgelöst.

Nordkorea-Experten gingen von einer Säuberung in der Parteispitze aus, mit der Kim und seine Vertrauten ihre Position festigen wollten. Ri war ein enger Vertrauter des 2011 verstorbenen Machthabers Kim Jong Il, dem Vater des jetzigen Herrschers.

Das Land besitzt die viertgrößten Streitkräfte der Welt mit 1,2 Millionen Soldaten. Die Armee hat laut der Doktrin des "Songun" Priorität und genießt zahlreiche Privilegien in dem verarmten und international isolierten Staat.

Kurz nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il im Dezember war Kim Jong Un bereits zum "obersten Führer" der Partei, der Streitkräfte und des Staates ausgerufen worden. Kim Jong Il war im Februar postum zum "Generalissimus" erhoben worden.

pad/fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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autocrator 18.07.2012
1. na na na
man kann's auch übertreiben mit der deuterei: Dass die staats- und parteichefs in kommunistischen ländern fast immer auch gleichzeitig die oberbefehlshaber der streitkräfte sind, ist ja nun wirklich nichts neues, und abgesehen davon durchaus auch in kapitalistischen ländern oft und gerne geübte praxis (siehe z.B. USA). Dass darum ein bißchen mehr brimborium gemacht wird, es eine extra-ernennung und einen schönen titel incl. orden gibt .. jeh, das ist halt die gute alte kommunistische folklore.
emmeff 18.07.2012
2. optional
erbärmliches schmierentheater einer nicht aussterben wollenden, kranken selbstdarstellergruppe und das volk muss leiden.
tailspin 18.07.2012
3. Ist ja ganz wie im Westen
Na, da gratuliere ich aber ganz herzlich zu Selbstbefoerderung. Applaus. Applaus. Und froehliches Raketenschiessen, oder wie sagt man unter uns Diktatoren?
Bruder Theodor 18.07.2012
4. Das Reptil als Mahnstein
Zitat von sysopREUTERSIn Nordkorea übernimmt Staatschef Kim Jong Un nun auch den Posten des obersten Militärs. Kim sei zum Marschall der Streitkräfte ernannt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Damit festigt der junge Machthaber zwei Tage nach der Entlassung des bisherigen Generalstabschefs seine Position. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,845000,00.html
Nordkorea ist so ein System, das man nur sich selbst überlassen muß, denn es bricht in Bälde anhand der eigenen Starrheit auseinander. Ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg, das nicht weiß, wie es anders geht und ohne den bösen Kapitalisten als Konkurrenten; der wiederum gleichwohl mit sich und seinem eigenen Niedergang zu ringen hat, so dass der Rest-Kommunist aufgrund von mangelnder Aufmerksamkeit, die er ihm zuteil werden lassen kann, gänzlich aus des Kapitalisten Sichtfeld veschwindet. Nordkorea als Theaterstück einer geschlossenen Gesellschaft - inklusive Dramen und Saalschlachten.
ulli7 18.07.2012
5. Nordkorea rüstet sich tot
Eine Armee mit 1,2 Millionen Soldaten kann sich ein unterentwickeltes Land wie Nordkorea nicht leisten. Auch wenn die Bewaffnung aus alten Beständen von China kommt: die 1,2 Millionen Soldaten benötigen Kleidung, Nahrung und Unterkünfte. Aber es dürfte schwierig sein, eine privilegierte Armeeführung von einer Reduktion der Streitkräfte zu überzeugen. Wer sägt sich schon seinen eigenen Ast ab auf dem er sitzt ?
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